Die Bundesländer haben 2025 zahlreiche Projekte rund um die Verwaltungstransformation angestoßen, fortgesetzt und abgeschlossen. Die CIOs, CDOs, Ministerinnen und Minister blicken zurück und geben einen Ausblick auf 2026. Teil 8: Schleswig-Holstein und Thüringen.
Geht die Verwaltungsdigitalisierung voran? Die Bundesländer geben einen Einblick in ihre eGovernment-Projekte und -Pläne.
„Im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung ist der Entwurf unseres Digitalisierungsbeschleunigungsgesetzes ein besonderer – bundesweit einmaliger – Meilenstein“, sagt Digitalminister Dirk Schrödter. Ziel sei eine vollständig digitale, medienbruchfreie Verwaltung, die schneller, serviceorientierter und wirtschaftsfreundlicher agiere. „Regulatorische Hemmnisse, nicht durchgehend digitale Prozesse und Datensilos bremsen bislang das Tempo“, führt Schrödter aus. „Daher sollen vollständig digitale Prozessketten nach dem Digital-Only-Prinzip eingeführt werden – ergänzt durch ein Verbot der Datendoppelerhebung und eine Pflicht zur elektronischen Registerführung nach dem Once-Only-Prinzip.“
Die Nutzung eines Servicekontos werde verpflichtend; für Menschen, die diesen Zugang nicht nutzen können, soll es digitale Assistenzangebote geben. Schrödter ist sicher: „So werden Datenstrukturen vereinheitlicht, Bürokratie verringert und Open Data rechtssicher ermöglicht.“
Ein wichtiger Baustein ist laut Schrödter die Einführung von X-Road. Diese Infrastruktur ermögliche erstmals durchgängige digitale Prozessketten vom Dateneintrag bis zur behördlichen Entscheidung. „Sie ersetzt Medienbrüche durch interoperable, transparente Datenkommunikation und erlaubt einen sicheren, dezentralen Datenaustausch, bei dem Informationen dort bleiben, wo sie erzeugt wurden“, so der Chef der Staatskanzlei. Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft könnten über standardisierte Schnittstellen sektorenübergreifend kooperieren. X-Road stärke digitale Souveränität und biete eine unabhängige Basis für Innovationen. Schrödter: „Schleswig-Holstein arbeitet hierfür mit dem Technologiepartner Nortal zusammen und prüft die Verbindung zwischen NOOTS und X-Road.“
„Parallel wurden zentrale Verwaltungsleistungen landesweit online verfügbar gemacht. Neben eWA und UVO stehen nun iKFZ sowie eGewerbe vollständig digital zur Verfügung. Weitere Leistungen wie Wohngeld, Ehe-Online und Digitale Baugenehmigung werden bis Jahresende ausgerollt“, so Schrödter. 2025 wurden in kommunaler Zuständigkeit 71 Behörden angebunden, 117 befinden sich in Umsetzung. Zudem wurden bundesweit schleswig-holsteinische Onlinedienste in 843 Behörden bereitgestellt, davon 689 im Bereich Wohngeld. „Schleswig-Holstein übernimmt damit Verantwortung in der bundesweiten OZG-Umsetzung. 2026 soll der eingeschlagene Weg mit Verabschiedung des Gesetzes und weiterem Ausbau digitaler Verwaltungsleistungen fortgesetzt werden“, sagt der Minister.
Die Themen Open Source und Souveränität sind in Schleswig-Holstein im Fokus: „Seit Oktober ist LibreOffice der verbindliche Standard für die Bürokommunikation. Rund 80 Prozent aller Beschäftigten, außerhalb der Steuerverwaltung, arbeiten mit der Open-Source-Bürosoftware. Microsoft Office ist hier entbehrlich und wird schrittweise von den Landesrechnern deinstalliert. Damit hat das Land nach dem erfolgreichen Umzug von gut 44.000 E-Mail-Postfächern mit rund 110 Millionen Mails und Kalendereinträgen auf Open-Xchange als E-Mail-Lösung einen weiteren Meilenstein in der Umsetzung der Souveränitätsstrategie erreicht.“
2026 soll die „Open Innovation und Open Source Strategie Schleswig-Holstein“ weiter konsequent umgesetzt werden. Schrödter: „Die Software Nextcloud wird Schritt für Schritt Microsoft SharePoint als zentrale Plattform für Zusammenarbeit ablösen. Auch wird der Einsatz des Betriebssystems Linux als Alternative zu Windows weiter intensiv erprobt. All das sind wichtige Bausteine auf dem Weg in die digitale Souveränität Schleswig-Holsteins mit mehr Transparenz und Sicherheit für unsere Verwaltung sowie Innovationskraft für den Digitalstandort.“
Thüringen
„Die Thüringer Landesregierung hat bereits wichtige Weichen für eine umfassende Modernisierung der Verwaltung gestellt. Die Konzentration der digitalpolitischen Themen in einem Ministerium koordiniert und beschleunigt digitalpolitische Prozesse“, sagt Milen Starke, Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur. Die neue Position der Digitalstaatssekretärin als CIO/CDO mit Kabinettsrang soll politische Führung und einen ressortübergreifenden Digitalfokus sichern. Zudem soll der neu gegründete Digitalbeirat als Expertengremium beraten und für klare, praxisnahe Impulse sorgen.
Stand: 08.12.2025
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Milen Starke
(Bild: TSK/Andreas Pöcking)
Auch das Thema KI ist wichtig für Thüringen. „Wir haben zwei KI-Piloten eingeführt und testen diese aktuell in der Praxis. Das eine KI-Tool unterstützt kommunale Behörden dabei, Antragsdokumente schnell zu digitalisieren. Das andere KI-Tool beschleunigt Baugenehmigungen, reduziert Bürokratie und wird in Kooperation mit zwei Landkreisen gesichert“, erläutert Starke.
„Der GovTech Campus Thüringen eröffnet den Fokus auf digital- und praxisnahe Gesetzgebung, während die Verwaltungs-KI ‚F13‘ in der Thüringer Landesverwaltung pilotiert wird. Innerhalb von nur fünf Monaten wurde die vollständige digitale Ummeldung des Wohnsitzes in rund der Hälfte aller Meldebehörden, etwa 90, eingeführt; Bürgerinnen und Bürger benötigen keinen Vor-Ort-Termin mehr, der Umzug der Adressänderung wird per Post erledigt“, erläutert Starke.
Mit der Thüringer Verwaltungscloud habe man sich zudem von externen Anbietern digital unabhängig gemacht und gelte bundesweit als Vorreiter. Starke: „Für die Verwaltungscloud und seine Fortschritte beim Einsatz von Open-Source-Produkten erhielt Thüringen den 2. Platz beim Open- Source-Preis 2025 der OSBA.“ Mit der Initiierung eines digitalen Freiwilligenjahres soll digitales Engagement breit verankert werden.
2026 will Thüringen weiterhin auf Bürgernähe, Transparenz und Effizienz setzen. „Die neue Digitalstrategie ‚Smart State‘ mit der angestrebten Umsetzung unseres Thüringen Stacks als souveräne Technologie-Plattform und eine umfassende KI-Strategie legen die Leitplanken für innovative Verwaltung“, erläutert die Staatssekretärin. Die Thüringer Verwaltungscloud werde auf Kommunen ausgerollt, ergänzt durch einen verstärkten digitalen Kompetenzaufbau in der Landesverwaltung. Zudem soll ein zentrales Prozessmanagement die Verwaltungsdigitalisierung beschleunigen. Starke: „Wir werden nutzerfreundliche digitale Angebote für alle Bürgerinnen und Bürger flächendeckend ausbauen und einen niedrigschwelligen, orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf diese Services über eine neue ThüringenApp anbieten. Wir wollen, dass Thüringen bei der Online-Verfügbarkeit von digitalen Verwaltungsleistungen seinen vorderen Platz im Bundesvergleich verteidigt. Hier stehen wir aktuell auf Platz 4. Die Thüringer Landesregierung arbeitet damit auch im nächsten Jahr weiter konsequent an einer modernen, digitalen Verwaltung, die Bürgerinnen und Bürgern schnelle, transparente und bedarfsgerechte Services bietet.“