Brandenburg Impulse auf Schloss Neuhardenberg

Von Susanne Ehneß 8 min Lesedauer

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Ein Jahr Bundesdigitalministerium, ein weiteres Jahr auf dem Weg zur Verwaltungsdigitalisierung und Staatsmodernisierung. Der eGovernment Summit bietet den Raum, um sich auszutauschen, Strategien zu schärfen und Allianzen zu schmieden. Die Veranstaltungspartner des Summits geben einen Ausblick auf die drängendsten Themen.

Der diesjährige eGovernment Summit findet auf Schloss Neuhardenberg statt. Ein Ort mit Geschichte: Hier verkündete der damalige Kanzler Gerhard Schröder seine „Agenda 2010“.(Bild:  Fotokraftwerk)
Der diesjährige eGovernment Summit findet auf Schloss Neuhardenberg statt. Ein Ort mit Geschichte: Hier verkündete der damalige Kanzler Gerhard Schröder seine „Agenda 2010“.
(Bild: Fotokraftwerk)

Die Vorsätze für ein neues, weiteres Jahr auf dem Weg zur Verwaltungsdigitalisierung sind stets ambitioniert, doch 2026 dürfte tatsächlich zu einem Wendepunkt werden. Föderale Modernisierungsagenda, Deutschland-Stack und digitale Souveränität – der Rahmen ist klar gesteckt. Für die Umsetzung sind Kooperationen auf Landes- und kommunaler Ebene ebenso wichtig wie eine Koordinierung der vielfältigen Aktivitäten. Der eGovernment Summit wird in diesem Jahr zeigen, welche Ideen für die Umsetzung tragfähig sind, welche Strategien vielleicht nachgeschärft werden müssen und was momentan die drängendsten Themen sind.

Zentrales Thema: Digitale Souveränität

„Der digitalen Souveränität messen wir eine strategische Schlüsselbedeutung für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft bei“, legt sich Isabel Netzband, Director Government Relation & Public Affairs bei Fsas Technologies, fest. Digitale Souveränität sei „kein ideologisches Projekt, sondern ein operatives Steuerungsinstrument“.

Isabel Netzband von Fsas Technologies (a Fujitsu company)(Bild:  Fujitsu)
Isabel Netzband von Fsas Technologies (a Fujitsu company)
(Bild: Fujitsu)

Es umfasse technologische Souveränität (Portabilität, Multi-Cloud-Architekturen), Datensouveränität (Lokalisierung, Verschlüsselung), betriebliche Souveränität (Governance, Lieferkettentransparenz) sowie strategische Resilienz. „Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen, regulatorischer Anforderungen (DSGVO, DORA, NIS-2) und wachsender Datenabhängigkeit ist digitale Souveränität daher für uns kein ‚Nice-to-have‘, sondern eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit Europas im 21. Jahrhundert“, betont Netzband. Auch Klaus Poensgen, Vice President Sales Länder & Kommunen bei der Deutschen Telekom, ist überzeugt: „Digitale Souveränität ist für uns elementar: Eigenverantwortliche Kontrolle über Daten, Prozesse und Infrastruktur sind Voraussetzung für Vertrauen, Sicherheit und Innovationsfähigkeit der Verwaltung.“

Helmut Lämmermeier (msg)(Bild:  msg)
Helmut Lämmermeier (msg)
(Bild: msg)

Helmut Lämmermeier, Geschäftsleiter Public Sector bei der msg systems ag, weist aber darauf hin, dass noch nicht geklärt sei, wie digitale Souveränität in Gänze hergestellt werden könne und wie sie zu kategorisieren sei: „Es ist ein Unterschied, ob man in die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Hyperscalers gerät oder ob eine externe staatliche Regierung die Möglichkeit besitzt, die staatliche IT stillzulegen.“ Dr. Stephan Klein und Hartje Bruns von Governikus ergänzen in diesem Zusammenhang, dass Open-Source-Software ein relevantes, aber nicht abschließendes Thema sei. „Bundesländer und Kommunen werden sich noch eine ganze Zeit lang in Abhängigkeiten begeben müssen“, sind sie überzeugt.

Matthias Klein, Senior Vice President von Conet, weist darauf hin, dass die Debatte um digitale Souveränität häufig auf die Frage nach einer Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern, speziell US-Hyperscalern, verkürzt werde. „Souveränität ist mehrdimensional“, betont er. „Sie umfasst rechtliche Absicherung, Exit-Strategien, Sicherheitsarchitektur, technologische Kontrolle, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit – jeweils bezogen auf den konkreten Use Case.“ Langfristig entstehe digitale Souveränität durch den Aufbau zentraler Verwaltungsdienste, klarer Standards und eines tragfähigen, souveränen Ökosystems – „nicht durch technologische Abgrenzung, sondern durch strategische Steuerung“.

Jan-Lars Bey (Cassini)(Bild:  Cassini)
Jan-Lars Bey (Cassini)
(Bild: Cassini)

Souveränität als langfristiges Ziel wird durchweg unterstützt. Für Jan-Lars Bey, Senior Partner bei Cassini, sichere Souveränität die Handlungsfähigkeit. „Gerade weil vollständige Souveränität (zum Beispiel Hardware) schwierig ist, müssen wir das, was möglich ist, jetzt konsequent umsetzen – inklusive Exit-Fähigkeit, Standards und sicherem Betrieb“, fordert Bey und ergänzt: „Dazu gehört auch ein neues Verständnis von Digitalpolitik als Wirtschaftspolitik. Souveräne, europäische Lösungen sind nicht nur Katalysator für Resilienz in Verwaltung und Wirtschaft, sondern echter Standortfaktor.“

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