Ob Cloud-Services oder EfA-Leistungen, öffentliche oder private Anbieter – Bund, Länder und Kommunen sollen Software und IT-Dienste künftig über eine föderale Plattform beziehen können. Der Schlüssel zur Umsetzung ist das Cloud-Service-Portal.
Das Cloud-Service-Portal der Deutschen Verwaltungscloud soll zum Marktplatz der Zukunft weiterentwickelt werden.
Der Betriebsstart der Deutschen Verwaltungscloud (DVC) wurde beim Fachkongress des IT-Planungsrats mit einem Auftaktevent entsprechend gewürdigt und somit auch öffentlich bekannt gemacht. Weniger bekannt ist, dass die Zugangsplattform zur DVC, das Cloud-Service-Portal, auch die entscheidende Rolle bei der geplanten Konsolidierung der Marktplätze spielen soll. In seiner 46. Sitzung hat sich der IT-Planungsrat (IT-PLR) mit dem Umsetzungskonzept für einen „Marktplatz der Zukunft“ befasst, das die FITKO vorgelegt hatte.
Darin wird zunächst die aktuelle Situation skizziert: Obwohl der Beschaffung von Software und softwarenahen IT-Dienstleistungen durch die öffentliche Hand eine große Bedeutung zukommt, fehlt eine einheitliche Plattform, über die öffentliche Bedarfsträger schnell und kostengünstig passende Lösungen beziehen können. Das Nebeneinander mehrerer Marktplätze erschwert die Markterkundung, und der Aufwand für das Bespielen paralleler Vertriebskanäle ist besonders für kleine und junge Unternehmen belastend. Viele Onlineportale sind eher Schaufenster, eine direkte Beschaffung ist nicht möglich. Außerdem sind Anbieter aus der Privatwirtschaft unzureichend abgebildet.
Demgegenüber wird der Marktplatz der Zukunft (MdZ) als die föderale Onlineplattform zur Unterstützung der öffentlichen Beschaffung von Software und softwarenahen IT-Dienstleistungen entworfen. Damit sollen vor allem drei Ziele erreicht werden:
1. die föderalen Marktplätze des IT-Planungsrates – FIT-Store, EfA-Marktplatz und Cloud-Service-Portal der DVC –zusammenführen;
2. die Öffnung für private Anbieter ermöglichen sowie
3. weitere Marktplätze und marktplatzähnliche Portale wie etwa Deutschland.Digital und den Marktplatz der KI-Möglichkeiten integrieren.
Systematisierung der Use-Cases entlang der strategischen Ziele
Das Konzept beschreibt die verschiedenen Nutzergruppen anhand von Personas, z. B. eines Vertriebsmanagers bei einem privaten IT-Dienstleisters oder einer Sachbearbeiterin in der kommunalen Verwaltung, und ordnet die sich ergebenden acht Use Cases den Zielen des Marktplatzes zu (siehe Grafik).
Der Plan zur Umsetzung
Für die Umsetzung des Marktplatzes werden drei Szenarien vorgestellt:
Option 1A: Das Cloud-Service-Portal (CSP) der DVC wird zum Marktplatz der Zukunft weiterentwickelt, mit ersten Use-Cases bis Ende 2025. Die Finanzierung erfolgt 2025 budgetneutral durch die Zusammenfassung und Nutzung der bestehenden Budgets der DVC und des EfA-Marktplatzes;
Option 1B: wie 1A, nur mit zusätzlichen Ressourcen aus dem Budget für Digitalisierungsprojekte, um die Entwicklung zu beschleunigen.
Option 2: Der MdZ wird als neues Produkt entwickelt, mit höherem Mitteleinsatz und eigenem Budget – und ersten Use Cases 2027.
Diese Optionen werden im Konzept anhand der Kriterien Souveränität und Akzeptanz, strategische Zielerreichung und Reichweite, Steuerungskomplexität, Umsetzbarkeit und Kosten (als prioritäres Kriterium) verglichen und bewertet. Empfohlen wird Option 1A.
In seinem Beschluss folgt der IT-Planungsrat dieser Empfehlung. Die Fusion von Cloud-Service-Portal, EfA-Marktplatz und FIT-Store zu einem gemeinsamen Produkt sollen FITKO und govdigital gemeinsam steuern (FITKO den Produkt- und govdigital den Serviceteil), während die Steuerung der DVC bei govdigital liegt. Der Bund soll bis Ende 2025 vergaberechtliche Vereinfachungen prüfen.
Mit der Entscheidung, das bestehende Cloud-Service-Portal der DVC als Grundlage für den künftigen Marktplatz des IT-Planungsrats zu nutzen, nehme der IT-Planungsrat seine eigene föderale Strategie ernst, befindet FITKO-Präsident Dr. André Göbel: „Verstärkung des Nachnutzungsprinzips, wenn damit eine schnellere Erprobung von Funktionen möglich erscheint. Darüber hinaus ermöglicht der Marktplatz des IT-Planungsrates die Umsetzung vieler funktionaler Ziele aus dem Entwurf des Koalitionsvertrags: strategisches Beschaffungsmanagement, Konsolidierung des öffentlichen Beschaffungswesen und gemeinsame Beschaffungsplattformen“. Was das Kaufhaus des Bundes für Nicht-IT Leistungen schon heute sei, solle der Marktplatz des IT-Planungsrates für digitale Plattformen-, Infrastrukturen- und Software-as-a-Service werden – für Bund, Länder und Kommunen auf Basis von Angeboten öffentlicher und privater IT-Dienstleister, so Göbel weiter.
Die Sicht der Kommunen
Wie bewerten weitere Akteure das Ergebnis? Laut dem FITKO-Bericht wurden bei der Erarbeitung des Konzepts wesentliche Stakeholder-Gruppen eingebunden, 19 Interviews mit Kommunen, Verbänden und Start-ups durchgeführt und das Konzept in gemeinsamen Workshops mit govdigital und Databund weiterentwickelt. Gerade in Bezug auf die Kommunen gibt es positives Feedback. Bernd Schlömer, CIO in Sachsen-Anhalt, äußert sich überzeugt, dass sich mit dem Marktplatz der Zukunft „die öffentliche Bereitstellung und Beschaffung von digitalen Anwendungen und Produkten für die Kommunen ganz stark verändern, ja verbessern“ werde. „Wir sind in Sachsen-Anhalt sehr glücklich, dass unser gemeinsamer Antrag mit den kommunalen Spitzenverbänden und der FITKO so im Länderkreis mitgetragen wird.“ Besonders die Kommunen würden von diesem standardisierten und gebündelten Zugang zu digitalen Produkten erheblich profitieren, betont Schlömer.
Auch der Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Alexander Handschuh, sieht im MdZ großes Potenzial für die Digitalisierung in den Kommunen. Der Marktplatz schaffe zum einen Transparenz und einen Überblick über die zahlreichen Software-Angebote und IT-Dienstleistungen in Deutschland. Zum anderen könne die Beschaffung in den Kommunen deutlich erleichtert werden. „Für die Kommunen ist und war von Anfang an entscheidend, dass die auf dem Marktplatz vorhandenen Angebote gewisse Basiskriterien erfüllen, auf die sie sich verlassen können“, erläutert Handschuh. Dies gelte etwa für den Datenschutz, die Datensicherheit, den Datenspeicherort oder die offenen Schnittstellen. „Darüber hinaus ist für die Kommunen von besonderer Relevanz, dass nicht nur öffentliche, sondern auch private IT-Dienstleistungen auf dem Marktplatz verfügbar gemacht werden. Damit haben die Kommunen mit ihren unterschiedlichen Bedarfen die notwendige Angebotsvielfalt.“ Wenn diese Voraussetzungen erfüllt seien, bestehe mit dem Marktplatz der Zukunft „eine echte Chance, die Digitalisierung schneller in die Fläche zu bringen. Davon profitieren nicht nur die Kommunen, sondern vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen“.
Stand: 08.12.2025
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Die Integration weiterer Marktplätze in den MdZ wurde vom IT-Planungsrat ebenfalls als strategisches Ziel bestätigt. Das betrifft insbesondere die vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) entwickelte Smart-City-Plattform „Deutschland.Digital“. Steffen Hess, Division Manager Digital Innovation & Smart City des Fraunhofer IESE, begrüßt deren Einbindung in den Markplatz der Zukunft: „Es war von Anfang an unser Ziel, das Projekt in größeren Strukturen zu verstetigen und den Marktplatz zu übergeben oder zu integrieren. Hierzu stehen wir auch schon seit längerem mit der FITKO im Austausch.“ Wenn es gelinge, beide Ansätze – Smart City und digitale Verwaltung – unter einem Dach zusammenzubringen, seien das ideale Voraussetzungen, um Doppelarbeit zu vermeiden. „Zudem ergänzen sich auch unsere jeweiligen Schwerpunkte: Während bei der Konzeption des Cloud Service Portals besonders die Standardisierung der Beschaffungsprozesse und die Vertragsgestaltung im Fokus stand, wollen wir mit Deutschland.Digital den Kommunen vor allem eine anbieterneutrale Produktbewertung bieten, anhand derer sie verschiedene Lösungen übersichtlich vergleichen können“. Fraunhofer IESE setzt dabei auch auf künstliche Intelligenz und arbeitet an einem KI-Tool zur Qualitätsprüfung.
Den Beschluss zum „Marktplatz der Zukunft" sowie die weiteren Unterlagen zu Konzept, Umsetzung und Kostenschätzung finden Sie auf der Website des IT-Planungsrates.