Was FITKO und Bundesdigitalministerium planen Deutschland Digital: das Marktplätze-Puzzle

Von Nicola Hauptmann 6 min Lesedauer

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„Once-Only“ und zentraler Zugang: Für eine effiziente Beschaffung und Bedarfsdeckung der öffentlichen Verwaltung sollen Marktplätze und Vergabeplattformen konsolidiert werden – Einblicke in die gemeinsamen Vorhaben von FITKO und BMDS.

Im Rahmen der Veranstaltung „Marktplätze der öffentlichen Verwaltung – eine gemeinsame Vision von BMDS und FITKO“ wurden die Konsolidierungsvorhaben zur Beschaffung und Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung vorgestellt.(Bild: ©  Thanapong - stock.adobe.com / KI-generiert)
Im Rahmen der Veranstaltung „Marktplätze der öffentlichen Verwaltung – eine gemeinsame Vision von BMDS und FITKO“ wurden die Konsolidierungsvorhaben zur Beschaffung und Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung vorgestellt.
(Bild: © Thanapong - stock.adobe.com / KI-generiert)

Vergabeverfahren dauern hierzulande viel zu lang, sind für beide Seiten komplex und aufwändig – und Innovationen bleiben am Ende meist auf der Strecke. Das muss sich ändern – schon der Koalitionsvertrag setzt hier mit mehreren Punkten an. Die Ende 2025 veröffentlichte Föderale Modernisierungsagenda fasst es konkret: „Der Bund stellt bis zum 31.12.2027 mit dem digitalen Marktplatz Deutschland in Abstimmung mit den Ländern eine gemeinsame Plattform bereit, über die öffentliche Auftraggeber Vergabeverfahren datenbasiert, vernetzt und unter Einsatz künstlicher Intelligenz durchführen können, und konsolidiert damit die E-Vergabeplattformen.“ Effizientere und schnellere Vergabeprozesse sollen insbesondere durch die KI-gestützten Vergabe-Services ermöglicht werden, die der Bund zusätzlich zu den Basiskomponenten bereitstellen und bis Ende 2026 erproben soll.

Die Arbeiten dazu laufen bereits – und setzen auf bestehenden Projekten auf; das zeigt eine Absichtserklärung, die das Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und die Föderale IT-Kooperation (FITKO) am 21. November 2025 unterzeichnet haben. Sie wollen die beiden konsolidierenden Vorhaben – Vergabeplattform und Marktplatz der Zukunft – miteinander verzahnen und somit „Verwaltungen eine moderne, effiziente und skalierbare Beschaffungsreise“ ermöglichen, „von der Recherche über die Bestellung bis zur Anwendung“. Was geplant ist und wie die Vorhaben zusammenwirken sollen, war Thema der virtuellen FITKO-Veranstaltung „Marktplätze der öffentlichen Verwaltung – eine gemeinsame Vision von BMDS und FITKO“ Anfang Dezember.

Vergabe beschleunigen – der Marktplatz Deutschland

Bevor es um Inhalte gehen soll, ist eine kurze Erklärung zu den Bezeichnungen angebracht: Die konsolidierende Vergabeplattform, die das BMDS aufbaut, heißt „Marktplatz Deutschland“. „Marktplatz Deutschland Digital“ ist dagegen der neue Name für das FITKO-Projekt zur Markplatzkonsolidierung, vormals bekannt als „Marktplatz der Zukunft“ (MdZ).

Die Vorstellung im Rahmen der FITKO-Veranstaltung startete da, wo auch die Nutzerjourney zumeist beginnt – mit der Beschaffung. Robert Thiele, Projektleiter „Marktplatz Deutschland“, verdeutlichte zunächst, warum sich die Vergabeprozesse dringend ändern müssen;er nannte die stark fragmentierte Landschaft von E-Vergabesystemen, hohe Transaktionsaufwände für beide Seiten und die langen Zyklen: Teilweise dauerten Vergabeverfahren so lang, dass die angebotenen Produkte gar nicht mehr verfügbar seien. „Und da wollen wir Hand anlegen, da wollen wir was verändern“, so Thiele, ebenso in Bezug auf die Innovationen. Das MVP sei bereits aufgesetzt. Der Marktplatz Deutschland soll mit vier zentralen Bausteinen umgesetzt werden:

  • Bieterportal,
  • Einkaufsprozess,
  • App-Store und
  • Distribution.

„Once-Only“ für Unternehmen

Bisher habe man sich vor allem am Bedarf der Beschaffungsstellen orientiert, nun sollten auch die Belange der Unternehmen in den Blick genommen werden. Deren großer Schmerzpunkt sei ein zentraler Zugangskanal. Diesen Part soll das Bieterportal abdecken. Unternehmen sollen dort ihre Daten und auch Referenzen einmalig hinterlegen können, wobei auch Schnittstellen zu den Präqualifizierungsvereinen vorgesehen sind, um ein „aufwachsendes Eignungsprofil“ zu ermöglichen. Man müsse hier, im Dialog mit dem BMWE und den Ländern, wahrscheinlich auch noch beim vergaberechtlichen Regularium nachbessern, erläuterte der Projektmanager. Das Bieterportal wurde im Rahmen des MVP auch schon aufgebaut, wie er berichtete; ab Januar 2026 ist demnach eine große Dialogphase mit der Wirtschaft dazu geplant. Man habe zudem bereits  ein KI-gestütztes Markterkundungsportal und Markterkundungsagenten – für die Markterkundung unter Einbeziehung des Bieterportals soll Agentic AI zum eingesetzt werden.

Der Baustein Einkaufsprozess soll die heutigen E-Vergabesysteme abbilden. Hier sollen auch die Basisdienste zum Einsatz kommen, die der Bund zur Verfügung stellt, um die Prozesse effizienter zu machen.Die implementierten E-Vergabesysteme könnten weiterhin genutzt werden, sie müssten nur interagieren und anschlussfähig sein an das Bieterportal.

Beschaffung innovieren: Der App-Store

Vielversprechend klingt das Vorhaben, das unter der bisherigen Arbeitsbezeichnung App-Store zusammengefasst ist: Hier sollen alle Lösungen konzentriert werden, die Innovationen in den Beschaffungsprozess einbringen: „Wir haben viele interessante und gute Start-ups, viele mittelständische Unternehmen, Fachverfahrenshersteller in dem Bereich, die Leistungen und Lösungen anbieten, die einfach derzeit schlecht oder gar nicht gesehen werden“, so Robert Thiele. Auch aus Verwaltungskooperationen gebe es gute, nachnutzbare Lösungen. Diese Lösungen wolle man sichtbar machen und ihre Integration in End-to-End-Prozesse ermöglichen.

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