Best Practice Eichenzell geht neue Wege im E-Payment

Von Nora Hoffmann 4 min Lesedauer

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Die hessische Gemeinde Eichenzell hat als eine der ersten Kommunen Deutschlands die neue europäische Bezahllösung Wero eingeführt. Ziel war es, den Service für Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und digitale Zahlungen souverän, effizient und sicher zu gestalten.

Das Barockschloss Fasanerie in Eichenzell.(Bild:  Gemeinde Eichenzell)
Das Barockschloss Fasanerie in Eichenzell.
(Bild: Gemeinde Eichenzell)

Online bezahlen gehört für viele Menschen längst zum Alltag, dementsprechend steigen auch die Erwartungen an digitale Services der Verwaltung. Gebühren und Abgaben sollen ebenso komfortabel und sicher beglichen werden können wie Einkäufe im Internet. Wirkt der Bezahlvorgang kompliziert, unsicher oder wenig vertrauenswürdig, verlieren selbst gut gemachte Online-Services an Attraktivität und werden nicht genutzt.

Gleichzeitig rückt das Thema Unabhängigkeit von internationalen Plattformanbietern zunehmend in den Fokus. Vor diesem Hintergrund geht es längst nicht mehr um die Frage, ob eine Kommune digitale Bezahlmöglichkeiten anbietet, sondern darum, welche und nach welchen Kriterien sie diese auswählt.

Die Gemeinde Eichenzell – gelegen im hessischen Hügelland zwischen Rhön und Vogelsberg – mit rund 12.000 Einwohnern verfolgt seit Jahren eine konsequente Digitalisierungsstrategie. Bereits bei der Breitbandversorgung und als Modellkommune des Bundesprogramms „Smart Cities Made in Germany“ hat Eichenzell früh gezeigt, wie digitale Angebote den Alltag erleichtern können. In Kürze soll zudem ein erstes Großrechenzentrum durch ein ortsansässiges Unternehmen errichtet werden, das die digitale Infrastruktur in Osthessen weiter stärkt. In diesem Kontext war die Einführung der neuen europäischen Bezahllösung Wero für die Begleichung kommunaler Abgaben und Gebühren aus Sicht der Verwaltung eine folgerichtige Ergänzung bestehender Strukturen.

Damit gehört Eichenzell zu den ersten Kommunen in Deutschland, die ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen diesen Service anbietet. „Die Einführung von Wero war für uns ein logischer Schritt, um unseren Strauß an Bezahlmöglichkeiten kundenfreundlich zu erweitern“, erklärt Simon Herr, Leiter der Finanzabteilung der Gemeinde.

Die Erwartungen an das System waren klar definiert: Sicherheit, reibungslose Datenübertragung und einfache Handhabung für Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für die Verwaltungsprozesse. Ein zentraler Aspekt bei der Einführung war zudem die digitale Souveränität, um Abhängigkeiten von internationalen Plattformen zu vermeiden. Herr betont: „Die Rückmeldungen aus vielen persönlichen Gesprächen zeigen deutlich, dass die Möglichkeit, ein europäisches Verfahren zu nutzen, bei der Bevölkerung auf großes Interesse stößt. Viele Bürgerinnen und Bürger wollen ihre Bankdaten nicht amerikanischen Großkonzernen zur Verfügung stellen. Mit Wero können wir Zahlungen innerhalb Europas abwickeln. Das schafft Vertrauen und Sicherheit.“

Die Einführung erfolgte zunächst im gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk, den Eichenzell mit 13 weiteren Kommunen betreibt. Ausschlaggebend waren hier die hohen Fallzahlen und der damit verbundene größtmögliche Nutzen für alle Beteiligten. Dank der sehr guten Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, der S-Public Services, die Wero über ihre Bezahlplattform GiroCheckout bereitstellt, und dem kommunalen IT-Dienstleister ekom21, der die Implementierung übernahm, konnte Wero ohne größere Hürden eingeführt werden. Zusätzlich profitierte Eichenzell von bestehenden Erfahrungswerten aus der Nutzung von Kreditkartenzahlungen, PayPal, Apple Pay und Google Pay.

„Gerade die klare Zielsetzung der Gemeinde und die enge Abstimmung aller Beteiligten haben die Einführung von Wero sehr effizient gemacht“, sagt Peter Höcherl, Mitglied der Geschäftsleitung der S-Public Services. „Eichenzell zeigt beispielhaft, wie sich ein europäisches Bezahlverfahren pragmatisch und ohne großen Aufwand in kommunale Prozesse integrieren lässt.“

Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet Wero vor allem Sicherheit und einfache Handhabung. Zahlungen können direkt über die eigene Banking-App oder die Wero-App abgewickelt werden, zusätzliche Konten oder separate Eingaben von Kartendaten sind nicht erforderlich. Gleichzeitig erfüllt Wero die hohen Datenschutzstandards der EU und stellt sicher, dass sensible Finanzinformationen ausschließlich innerhalb des europäischen Rechtsraums verarbeitet werden. Herr berichtet, dass die ersten Rückmeldungen aus der Bevölkerung positiv ausfallen: „Wero wird bereits genutzt und wir rechnen damit, dass die Nutzerzahlen in den kommenden Monaten deutlich steigen werden.“

Auch auf Seiten der Verwaltung bringt die neue Bezahllösung spürbare Vorteile. Prozesse werden beschleunigt, Kapazitäten für andere Aufgaben frei. Durch die Einbindung in GiroCheckout profitieren Kommunen zudem von technischer Zuverlässigkeit; zugleich ergeben sich erhebliche Kostenvorteile beispielsweise gegenüber klassischen Kreditkartenzahlungen. Dementsprechend plant die Gemeinde bereits, Wero Schritt für Schritt auf alle digitalen Angebote auszuweiten.

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„Mit Wero geben wir den Menschen die Wahl und bieten ihnen eine sichere, europäische Alternative zu internationalen Bezahldiensten“, ergänzt Herr. Die Entscheidung der Kommune, diesen Weg zu gehen, sendet damit ein klares Signal an andere Städte und Gemeinden: Digitale Zahlungen lassen sich effizient, sicher und bürgernah umgesetzt werden, ohne auf internationale Anbieter angewiesen zu sein. „Wir fungieren hier gerne als Wegbereiter und wollen anderen Kommunen die Scheu vor neuen digitalen Zahlungsmöglichkeiten nehmen“, so Herr weiter. Ziel sei es, Vorbehalte gegenüber neuen digitalen Bezahlarten abzubauen und zu zeigen, dass sich solche Verfahren auch im Regelbetrieb kleinerer und mittlerer Verwaltungen sinnvoll einsetzen lassen.

Das Beispiel Eichenzell macht deutlich, dass E-Payment in Kommunen kein Selbstzweck ist. Entscheidend ist die Einbettung in eine Gesamtstrategie, die Serviceorientierung, Vertrauen und organisatorische Machbarkeit zusammenführt. Eichenzell zeigt, dass auch kleinere Kommunen in Deutschland aktiv neue Wege im E-Payment beschreiten und dabei die digitale Souveränität stärken können.

Die Autorin

Nora Hoffmann, freie Journalistin und Expertin für eGovernment.

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