Nordrhein-Westfalen Finanzämter testen FinAssist.NRW

Von Serina Sonsalla 2 min Lesedauer

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In Nordrhein-Westfalen setzt man auf eine selbst entwickelte KI-Lösung in der Finanzverwaltung statt auf externe Anbieter. Der Chatbot „FinAssist.NRW“ wird derzeit in drei Finanzämtern und im Ministerium getestet.

Bei FinAssist.NRW bleibt die sichere Verarbeitung sensibler Daten vollständig in staatlicher Hand.(Bild: ©  Khalid - stock.adobe.com / KI-generiert)
Bei FinAssist.NRW bleibt die sichere Verarbeitung sensibler Daten vollständig in staatlicher Hand.
(Bild: © Khalid - stock.adobe.com / KI-generiert)

Die Finanzämter Solingen, Oberhausen-Nord und Gütersloh testen bereits seit Juni diesen Jahres eine KI-Lösung, die im eigenen Rechenzentrum für die Finanzverwaltung entwickelt wurde. In dieser Woche startet der Testlauf nun auch im Ministerium der Finanzen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen anschließend in die Weiterentwicklung und die schrittweise Ausweitung des Praxistests einfließen.

„Künstliche Intelligenz bietet große Chancen für die moderne öffentliche Verwaltung. Aber die Tools müssen sowohl sicher als auch praxistauglich sein“, erklärte der Finanzminister Dr. Marcus Optendrenk. „Deshalb setzen wir in der Finanzverwaltung auf eine Multi-Vendor-Strategie und Technologieoffenheit.“ Nach Angaben des Ministeriums nutzen bereits mehr als 30.000 Beschäftigte KI im Arbeitsalltag für unkritische Anwendungsfälle und erweitern dabei ihre Kompetenzen im Prompting. „Für die Verarbeitung von sensiblen Daten entwickeln wir passgenaue Werkzeuge selbst. Wichtig ist, dass der Mensch die Verantwortung trägt – die KI assistiert nur bei Routineaufgaben“, betonte Optendrenk.

Für Nordrhein-Westfalen ist der Chatbot zugleich ein wichtiger Schritt hin zu mehr digitaler Souveränität: Externe KI-Angebote gehen aus Sicht des Ministeriums häufig mit einer nur begrenzten Kontrolle über Daten und Verarbeitungsprozesse einher. Die eigens entwickelte Lösung basiert dagegen auf frei verfügbarer Software und offenen Standards und wurde von IT-Spezialistinnen und -Spezialisten gezielt auf die Anforderungen der Finanzverwaltung zugeschnitten. Ziel sei es, die Potenziale der künstlichen Intelligenz konsequent zu nutzen und zugleich höchste Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und staatliche Handlungsfähigkeit zu erfüllen.

Betrieb im eigenen Rechenzentrum

FinAssist.NRW läuft vollständig auf den Servern des landeseigenen Rechenzentrums. Dadurch sollen auch personenbezogene Daten, interne Informationen und Steuerdaten datenschutzkonform verarbeitet werden können, ohne dass sie den geschützten Bereich der Finanzverwaltung verlassen. Eine Nutzung der Daten zum Training von KI-Modellen finde nicht statt. Die Finanzverwaltung verfüge daher jederzeit über die volle Datensouveränität, heißt es aus dem Ministerium.

„Gerade beim Einsatz von künstlicher Intelligenz durch staatliche Organe kommt es auf Vertrauen an“, so Optendrenk. „Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Daten bei der Finanzverwaltung sicher sind. Zugleich haben sie Anspruch auf einen modernen und optimalen Service. Hier kann künstliche Intelligenz ein wirksamer Hebel sein.“

Einsatzmöglichkeiten

Im Arbeitsalltag soll FinAssist.NRW die Beschäftigten künftig bei einer Vielzahl von Aufgaben unterstützen: Die Anwendung analysiert und fasst interne Dokumente zusammen, erstellt Textentwürfe, strukturiert E-Mail-Verläufe und leitet Aufgabenlisten ab. Darüber hinaus kann sie transkribieren und Texte aus Dokumenten und handschriftlichen Notizen erkennen.

Zum Auftakt der Testphase fanden Workshops zum praktischen Einsatz von KI in den drei Finanzämtern statt. Dabei standen konkrete Anwendungsfälle, Regeln für den Umgang mit dienstlichen Informationen sowie die effektive Nutzung der neuen Technologie im Mittelpunkt. Nach erfolgreicher Evaluation soll der Praxistest schließlich schrittweise auf weitere Finanzämter und Behörden ausgeweitet werden. Parallel investiert die Finanzverwaltung in den weiteren Ausbau der technischen Infrastruktur. Hierzu gehört auch die Installation zusätzlicher leistungsfähiger KI-Hardware im neuen Rechenzentrum in Kaarst bei Düsseldorf.

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