Berlin CDO Hundt tritt nach zwei Monaten zurück

Aktualisiert am 27.05.2026 Von Johannes Kapfer 3 min Lesedauer

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Berlins Chief Digital Officer Matthias Hundt hat den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) um seine Entlassung gebeten. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden wegen Insolvenzstraftaten sowie Recherchen zu Hundts unternehmerischer Vergangenheit. Erst im März 2026 war Hundt als Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung vereidigt worden.

Matthias Hundt hatte ein kurzes Intermezzo als Berlins Staatssekretär für Digitalisierung und CDO. (Bild:  © Urban Ruths)
Matthias Hundt hatte ein kurzes Intermezzo als Berlins Staatssekretär für Digitalisierung und CDO.
(Bild: © Urban Ruths)

Rund vier Monate vor der Berliner Wahl steht Kai Wegner vor einem politischen Scherbenhaufen. Nur wenige Wochen nachdem mit Matthias Hundt ein Ersatz für Martina Klement, die als Wirtschaftssenatorin ins Brandenburger Kabinett gewechselt war, gefunden wurde, steht die Berliner Verwaltungsdigitalisierung erneut vor einer Personallücke. Nachdem bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft Dresden wegen verschiedener im Raum stehender Straftatsbestände aus dem Insolvenzrecht gegen Hundt ermittelt, hatte dieser dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner seine Entlassungsbitte zukommen lassen. Dieser würde entsprochen werden, teilte eine Senatssprecherin auf Nachfrage mit. Ein kommissarischer Nachfolger steht mit Florian Hauer, Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten, bereits fest.

Rücktritt unter Verweis auf „Medienkampagne“

Hundt selbst begründete seinen Rückzug mit medialem Druck: „Ich habe mein Amt angetreten, um in Berlin etwas zu verändern. Die aktuelle Medienkampagne lässt mir hierzu keine Chance. Sie ist zudem zu einer unerträglichen Belastung für mich und meine Familie geworden.“ Ausgelöst hatten den Rücktritt gemeinsame Recherchen von „rbb24 Recherche“ und „MDR Investigativ“ zur Insolvenz seiner früheren Firma Sachsen Digital Consulting GmbH (SDC).

Den Kampagnenvorwurf weist rbb-Redakteur René Althamer zurück. „So wichtig ist er nicht“, sagte Althamer in der rbb-Abendschau vom 26. Mai. Man habe knapp zwei Monate mit dem MDR zu Hundts unternehmerischer Vergangenheit recherchiert: „Mit Kampagne hat das nichts zu tun. Wenn nichts gewesen wäre, hätten wir nicht berichtet.“

Die Staatsanwaltschaft Dresden bestätigte gegenüber dem rbb schriftlich, dass „ein Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Insolvenzstraftaten eingeleitet“ worden sei. Auslöser war offenbar die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die SDC am 25. November 2025. Die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen, es gilt die Unschuldsvermutung.

Gemäß rbb24 und MDR ging die Einleitung des Verfahrens auf zwei Krankenkassen zurück, die im August 2025 beim Amtsgericht Dresden den Antrag gestellt hatten – ein Indiz darauf, dass über längere Zeit keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt worden sein könnten. Über seinen Anwalt ließ Hundt mitteilen, es habe lediglich „Uneinigkeit über die Berechtigung relativ geringfügiger Krankenversicherungsbeiträge“ bestanden; inzwischen habe man sich geeinigt. Als Insolvenzgrund nannte Hundt den Wegfall eines Hauptkunden, der rund 80 Prozent des Umsatzes ausgemacht habe.

Dabei war die SDC nicht das einzige Unternehmen Hundts, das in der Vergangenheit vor finanziellen Problemen stand. Bei der Muttergesellschaft HubroCo GmbH lehnte das Amtsgericht Dresden im Januar 2026 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens „mangels Masse“ ab. Auch bei der Humboldt Capture Germany GmbH läuft durch Beschluss des Amtsgerichts Leipzig vom 18.06.2025 ein Insolvenzverfahren.

Kein Background-Check vor der Ernennung?

In diesem Kontext muss zudem erwähnt werden, dass bei Hundts Ernennung im März 2026 das Insolvenzverfahren der SDC bereits in vollem Gange war. Nach Angaben der Senatskanzlei Berlin wusste Wegner nichts davon. Aus dem Umfeld der sächsischen Staatskanzlei hieß es gegenüber rbb und MDR, man habe sich über den „Ruf nach Berlin gewundert“.

Althamer kritisiert das Auswahlverfahren grundsätzlich: „Es gibt offensichtlich keine wirklichen Kriterien. Also so etwas wie einen Background-Check, wie man überall machen würde, der fehlte offensichtlich.“ Wegner und Hundt hätten sich laut Recherchen des rbb spätestens seit einem Arbeitstreffen im August 2024 persönlich gekannt.

Die politische Kritik richtet sich dementsprechend weniger gegen Hundt als gegen den Regierenden Bürgermeister Wegner selbst. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach forderte Wegner auf, die Verantwortung für die Verwaltungsreform persönlich zu übernehmen. AfD-Spitzenkandidatin Dr. Kristin Brinker sprach von einem weiteren „personellen Fehlschlag“. Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch warnte gar, dass sich Berlin „an dieser Schlüsselstelle eigentlich keine improvisierte Personalpolitik leisten“ könne.

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Für die Berliner Verwaltungsdigitalisierung bedeutet der ungeplante Austausch der Spitze – weniger als ein halbes Jahr vor der Wahl – einen weiteren Zeitverlust. Wie schnell die Regierung Wegner eine dauerhafte Nachfolge präsentieren kann, lässt sich aktuell nicht abschätzen. Interimsmäßig werden die Geschäfte des CDO von Florian Hauer, Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten, zusätzlich übernommen. Dies teilte Wegner am Mittwochvormittag mit. Hauer verfüge über umfassende Erfahrung in der politischen Koordinierung, in der Abstimmung zwischen Verwaltungen und politischen Ebenen sowie in der Steuerung ressortübergreifender Prozesse. „Ich danke Florian Hauer sehr für seine Bereitschaft, diese zusätzliche Aufgabe für die kommenden Monate zu übernehmen.“

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