Best Practices in der Nutzung von Low-Code-Schichtenmodellen
Bei der Umsetzung eines Schichtenmodells für Low-Code-Anwendungen sind klare Strukturen entscheidend. Die einzelnen Schichten – Plattform-, Organisations- und Applikationsebene – müssen sauber getrennt sein, um Governance und Wartbarkeit sicherzustellen.
Zentrale Regeln, Standards und Datenmodelle sollten in den grundlegenden, wiederverwendbaren Schichten (zum Beispiel Common Data Model, Organisations- und Modularschicht) verankert werden, um Wiederverwendbarkeit zu fördern. Governance ist essenziell: Rollenbasierte Zugriffe, Compliance und Sicherheitsrichtlinien müssen konsequent umgesetzt werden. Best Practices wie Namenskonventionen und Regelvererbung sind zu dokumentieren, und Entwicklerinnen und Entwickler sollten durch Schulungen und klare Guidelines unterstützt werden.
Ebenso wichtig ist es, typische Fehler zu vermeiden: Schichten dürfen nicht vermischt werden (zum Beispiel UI-Logik gehört nicht in die Plattformebene). Redundante Regeln sind zu vermeiden, ebenso unkontrollierte Projekte ohne IT-Begleitung. Direkte Datenbankzugriffe sind tabu; stattdessen sollten APIs genutzt werden. Fehlende Dokumentation und komplexe Integrationen in der Applikationsschicht gefährden Stabilität. Schließlich darf keine Anwendung ohne Sicherheitsprüfung live gehen.
In der ersten Phase wird die Basis für das Schichtenmodell gelegt. Die Projektleitung übernimmt die zentrale Rolle, indem sie unter Mitwirkung von IT-Architekten und -Architektinnen sowie Governance-Verantwortlichen die Architektur definiert und die Rahmenbedingungen für die Plattform-, Organisations- und Applikationsschicht festlegt. Ziel ist es, eine klare Struktur zu schaffen, die zukünftige Entwicklungen ermöglicht. Erfolgsfaktoren sind eine transparente Kommunikation, die Erstellung einer Roadmap und die Einbindung aller relevanten Stakeholder.
Phase 2: Regeln & Prozesse erstellen
In der zweiten Phase übernehmen die Entwickelnden die Hauptrolle. Sie implementieren die definierten Regeln, Datenmodelle und Prozesse in den jeweiligen Schichten. Dabei stehen Wiederverwendbarkeit und Konsistenz im Fokus. Parallel dazu werden erste Use Cases umgesetzt, um die Funktionalität des Schichtenmodells zu demonstrieren. Werkzeuge wie Proof of Concepts (PoC) und Transformationsworkshops unterstützen die Umsetzung. Erfolgsentscheidend ist die enge Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen, um sicherzustellen, dass die entwickelten Prozesse den Anforderungen entsprechen. Ergebnis dieser Phase ist eine funktionierende Architektur mit ersten produktiven Anwendungen.
Phase 3: Governance etablieren
Die dritte Phase wird vom Center of Excellence (CoE) getragen, einer zentralen Einheit in der Organisation, die für die Governance aller Low-Code-Anwendungen verantwortlich ist. Hier geht es darum, Standards und Best Practices verbindlich zu machen und die Qualität langfristig zu sichern. Das CoE definiert Richtlinien für Namenskonventionen, Regelvererbung und Sicherheitsprüfungen. Zudem werden Monitoring-Mechanismen und automatisierte Qualitätssicherungen eingeführt. Schulungen für Fachbereiche sind ein weiterer Erfolgsfaktor, um die Plattform nachhaltig nutzbar zu machen.
Fazit
Das Schichtenmodell für Low-Code-Anwendungen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für eine nachhaltige digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung. Es schafft klare Strukturen, fördert Wiederverwendbarkeit und stellt sicher, dass Governance und Compliance eingehalten werden. Der Effekt ist klar: Zentrale Funktionen werden einmal gebaut und in jedem neuen Projekt automatisch mitgenutzt. Je mehr Projekte umgesetzt werden, desto größer wird der Skaleneffekt – schneller, konsistenter und mit sinkendem Aufwand pro Anwendung.
Eine konsequente Anwendung des Schichtenmodells ermöglicht es, Prozesse, die im täglichen Verwaltungsgeschäft viele Kapazitäten binden, effizient digital abzubilden und perspektivisch durch Automatisierung zu unterstützen. Gleichzeitig können mittels des Schichtenmodells einmal definierte Prozesse leicht erweitert und bestehende Prozesslogiken schnell auf neue, ähnliche Anwendungsfälle übertragen werden. Zusätzlich ermöglicht die Trennung von Plattform-, Organisations- und Applikationsebene, Verantwortlichkeiten eindeutig zu definieren und Entwicklerteams effizient einzubinden. Zugleich verhindert die konsequente Anwendung von Best Practices typische Fehler wie redundante Regeln, fehlende Sicherheitsprüfungen oder unkontrollierte Entwicklungen.
Das Schichtenmodell bietet damit eine robuste Grundlage für Skalierbarkeit und Konsistenz – besonders in komplexen Organisationen wie Kommunen oder Behörden mit mehreren Fachanwendungen. Wer diese Prinzipien beachtet, schafft nicht nur agile und sichere Lösungen, sondern legt den Grundstein für eine zukunftsfähige, innovative IT-Landschaft.
Stand: 08.12.2025
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Die Autoren
Ammar Jamal ist Partner im Bereich People & Strategy bei BearingPoint und leitet das Low-Code-Kompetenzzentrum. Mit mehr als 25 Jahren Berufserfahrung verantwortet er als Pega Practice Lead die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung des Themenfelds.
Claus von Schmeling ist Director im Bereich People & Strategy bei BearingPoint. Mit über 15 Jahren Berufserfahrung gestaltet er als Co Lead die strategische Ausrichtung von Low Code Initiativen und verantwortet die nachhaltige Verankerung von Architektur, Governance und Wiederverwendungsprinzipien für eine skalierbare Umsetzung in komplexen Organisationen.