Low-Code-Schichtenarchitektur Wiederverwendung und Varianz als Transformationsbeschleuniger

Ein Gastbeitrag von Ammar Jamal und Claus von Schmeling 6 min Lesedauer

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Low-Code-Plattformen versprechen schnelle Digitalisierung – auch durch Fachbereiche. Doch ohne klare Architektur drohen Wildwuchs und Sicherheitsrisiken. Ein Schichtenmodell schafft Struktur und sorgt dafür, dass einmal entwickelte Komponenten immer wieder genutzt werden können.

Schematische Darstellung des Low-Code-Schichtenmodells anhand des Beispiels einer Gemeinde.(Bild: ©  BearingPoint)
Schematische Darstellung des Low-Code-Schichtenmodells anhand des Beispiels einer Gemeinde.
(Bild: © BearingPoint)

Anstatt komplexe Software ausschließlich durch hoch spezialisierte Entwicklerinnen und Entwickler zu erstellen, ermöglichen Low-Code-Ansätze auch Fachbereichen, Anwendungen eigenständig zu gestalten. Gerade im Kontext der Verwaltung lassen sich so gängige Prozesse – wie beispielsweise die Beantragung eines Parkausweises – digital abbilden.

Doch damit die dadurch gewonnene Flexibilität nicht zu Chaos oder Sicherheitsrisiken führt, braucht es eine klare Architektur – hier kommt das Schichtenmodell ins Spiel. Ein solches strukturiert Low-Code-Anwendungen in klar abgegrenzte Ebenen, die unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Funktionen übernehmen. Es sorgt für Skalierbarkeit und Governance, indem es Daten, Geschäftslogik und Benutzeroberflächen voneinander trennt.

Entwicklerinnen und Entwickler können auf diese Weise effizient arbeiten, ohne die Stabilität und Compliance der IT zu gefährden. Gleichzeitig bleibt Raum für Erweiterungen, etwa für komplexe Integrationen oder individuelle Anpassungen. Im Folgenden wird die Nutzung der Schichtenarchitektur einer Prozessmanagementplattform für eine Gemeinde dargestellt.

Was ist ein Schichtenmodell im Low-Code-Kontext?

Schematische Darstellung des Low-Code-Schichtenmodells anhand des Beispiels einer Gemeinde.(Bild: ©  BearingPoint)
Schematische Darstellung des Low-Code-Schichtenmodells anhand des Beispiels einer Gemeinde.
(Bild: © BearingPoint)

Durch die Nutzung von Schichten und Vererbungshierarchien bleiben Anwendungen fachlich konsistent, technisch wartbar und flexibel anpassbar. Die Schichten übernehmen jeweils spezifische Aufgaben – von der technischen Basis bis zu lokalen Anpassungen (siehe Aufmacher beziehungsweise vorne).

Auf der untersten Ebene steht der sogenannte Plattform-Layer, der das technologische Fundament bildet. Hier sind Kernfunktionen wie Prozesssteuerung, Regelverarbeitung und Benutzeroberflächen verankert. Diese Schicht sollte nicht verändert, sondern durch darüberliegende Schichten erweitert werden.

Darüber liegt das Common Data Model, das zentrale Datenstrukturen definiert und die Plattformfunktionen ergänzt. Die Organisationsschicht stellt produktunabhängige Regeln und Schnittstellen bereit, die für die gesamte Organisation gelten. Die Integrationsschicht ermöglicht Anbindungen an externe Systeme wie ERP oder Datenbanken und trennt technische Schnittstellen von der Fachlogik.

Die Modularschicht enthält wiederverwendbare Funktionsblöcke, die unabhängig von konkreten Prozessen sind. Darauf folgt die Business-Applikationsschicht, in der generische Fachprozesse modelliert werden, die als Standard für die Gemeinde dienen. Beispielsweise lässt sich in dieser Schicht der Prozess zur Beantragung des Parkausweises verorten.

Die Divisionsschicht erlaubt Differenzierungen innerhalb eines generischen Prozesses (zum Beispiel Beantragung eines Parkausweises für Kurzparken, Jahres- oder Anwohnerparkausweis), während die Implementierungsschicht lokale oder länderspezifische Anpassungen (zum Beispiel Unterschiede im Beantragungsprozess für verschiedene Ortsteile) ermöglicht, ohne die Kernlogik zu verändern.

Alle Schichten sind über Vererbung miteinander verbunden. Dadurch wird sichergestellt, dass zentrale Strukturen konsistent bleiben, während nachgelagerte Ebenen flexibel erweitert werden können. Das Schichtenmodell – auch Enterprise Class Structure (ECS) genannt – kombiniert somit Standardisierung und individuelle Anpassung und ist ein Schlüssel für skalierbare und wartbare Low-Code-Anwendungen.

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