Schnelle Umsetzung dank DevSecOps GA-Lotse – Cloud-native Plattform auf Open-Source-Basis

Von Stephan Augsten 3 min Lesedauer

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Das Frankfurter Gesundheitsamt hat sich in – verglichen mit anderen Projekten der Verwaltungsdigitalisierung – „ganz neue“ Gefilde vorgewagt: Mit GA-Lotse entstand innerhalb von elf Monaten eine Cloud-native Plattform auf Open-Source-Basis, die föderale Strukturen mit zentralem Betrieb verbindet.

Im Open-Code-Repository der deutschen Verwaltung gehört GA-Lotse zu den Top-20-Projekten.(Bild: ©  Gesundheitsamt FFM)
Im Open-Code-Repository der deutschen Verwaltung gehört GA-Lotse zu den Top-20-Projekten.
(Bild: © Gesundheitsamt FFM)

Gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege und der VSHN AG hat das Gesundheitsamt Frankfurt am Main eine moderne IT-Lösung für den öffentlichen Gesundheitsdienst entwickelt. GA-Lotse heißt die Plattform, die seit Oktober 2024 im Produktivbetrieb läuft.

Die technische Implementierung erfolgte durch VSHN aus der Schweiz. „Der Zuschlag für die Softwareentwicklung hat tatsächlich im Oktober 2023 angefangen. Der Zuschlag für das Hosting und den Betrieb erfolgte am 1. August 2024 und am 1. Oktober 2024, also zwei Monate später, musste das ganze Ding laufen und live gehen“, schilderte Aarno Aukia, Mitgründer von VSHN, den sportlichen Zeitplan.

Die Infrastruktur basiert auf Red Hat OpenShift als Kubernetes-Distribution und läuft auf dedizierten Servern bei Exoscale. Der Schweizer Cloud-Provider, Teil der A1 Digital, betreibt das System in Frankfurt und München mit vollständiger DSGVO-Konformität. „In der öffentlichen Verwaltung zeigen Leuchtturmprojekte wie GA-Lotse, dass digitale Souveränität schon heute ohne Kompromisse bei Qualität, Performance und Sicherheit möglich ist – und dass sich Open Source und Souveränität perfekt ergänzen“, erklärte Mathias Nöbauer, CEO von Exoscale.

Der „Infrastructure as Code“ oder kurz IaC-Ansatz sorgt für eine effiziente Skalierung, wie Bianca Kastl, IT-Sicherheitsexpertin und GA-Lotse Product Ownerin im Frankfurter Gesundheitsamt, im Rahmen eines Pressebriefings unterstrich: „Wir müssen […], wenn wir zum Beispiel ein neues Amt hochziehen […] oder konfigurieren wollen, das nur in Code anpassen“, erläuterte Kastl. Steuerung und Management erfolgten anschließend über Kubernetes. „Wir sind […] beim Aufsetzen eines Amtes mit verschiedenen Konfigurationen so bei round about zehn Minuten.“

Föderalismus als passendes Konzept für verteilte Systeme

Die vielgescholtene föderale Vielfalt beurteilt Kastl vor dem Hintergrund der technischen Architektur als Stärke: „Man kann jetzt über den deutschen Föderalismus oder auch generell den Föderalismus auch in anderen Ländern schimpfen, aber wir haben gesagt: ‚Naja – eigentlich ist das für ein resilientes und verteiltes System aus Sicherheitsgründen gar nicht mal so ein schlechtes Konzept.‘“, betonte Kastl. Jedes der 25 hessischen Gesundheitsämter erhält eine eigene, isolierte Instanz mit individuell konfigurierbaren Fachmodulen.

Die Microservice-Architektur umfasst pro Amt wiederum bis zu 25 Softwaremodule. „Wir sind, glaube ich, eines der Projekte, das am meisten Datenbank-Services managt, weil wir schon allein pro Gesundheitsamt bis zu 13 verschiedene Datenbank-Server-Instanzen oder Postgres-Instanzen haben“, so Kastl. Das System folgt dabei Zero-Trust-Sicherheitsparadigmen – ein Ansatz, für den Frankfurt den Infosec Impact Award erhielt.

Überdies trenne die Plattform – laut den Beteiligten – konsequent Fach- von Stammdaten. Kastl verdeutlichte dies am Beispiel sensibler Bereiche: Wer ins Frankfurter Gesundheitsamt komme und ein Gutachten wie eine Elternschaftsfeststellung habe, auf den könnten Mitarbeitende in anderen Verfahren keine Rückschlüsse über „Unique Identifier“ ziehen.

Antwort auf strukturelle Herausforderungen

Das Interesse anderer Verwaltungen ist groß. Vier Kommunen in Schleswig-Holstein entwickeln bereits eigene Fachmodule auf Basis von GA-Lotse. „Das ist, glaube ich, ein Novum auch für die deutsche Verwaltung im Speziellen“, bemerkte Kastl, „dass man nicht nur Dinge nachnutzt im Sinne von Software eins zu eins übernehmen, sondern tatsächlich Software gemeinschaftlich zu entwickeln.“ Die Übertragbarkeit auf andere Verwaltungsbereiche liege sogar auf der Hand, folgt man Kastls Argumentation. Eine Hygienebegehung, bei der ein Gesundheitsamt gewisse Einrichtungen prüft, unterscheide sich nicht grundlegend von einer Feuerschutzbegehung der Branddirektion in Frankfurt.

Mit Blick auf die sich umkehrende Alterspyramide skizzierte Kastl außerdem die strategische Dimension einer derart modern aufgezogenen Plattform: „In fünf, sechs Jahren wird der Zeitpunkt kommen, wo eine gewisse Verrentungswelle eben dazu führt, dass wir auch in die Situation kommen werden, dass wir so zentralen Betrieb von Fachverfahren mit lokaler Anpassbarkeit, Zuständigkeit, ähnlich wie es bei GA-Lotse jetzt schon stattfindet, eben viel mehr brauchen werden.“

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Die Software steht wie eingangs erwähnt quelloffen zur Verfügung und wurde bereits mit dem Preis für gute Verwaltung 2025 ausgezeichnet. Im Open-Code-Repository der deutschen Verwaltung gehört GA-Lotse zu den Top-20-Projekten. Es wurde aus Mitteln des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst im Rahmen des EU-Programms NextGenerationEU finanziert. Nach elf Monaten Entwicklung arbeiten die ersten hessischen Gesundheitsämter bereits produktiv mit der neuen Plattform.

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