Bargeld oder Karte? Verwaltung im Wandel

Digitale Zahlungen in der Verwaltung

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Bezahlen in der Behörde: Komplexität trifft Alltag

Ein Blick in deutsche Rathäuser zeigt: Bargeld ist vielerorts noch Standard. Das liegt nicht nur an der Technik, sondern oft an Strukturen. Fachbereiche arbeiten mit eigenen (Hand-)Kassen, Buchungen laufen manuell, und Zahlungsprozesse ziehen sich durch zahlreiche Abteilungen. Hinzu kommen Datenschutzbedenken, Unsicherheit im Umgang mit digitalen Zahlungsdaten und veraltete Softwarelandschaften.

Oft heißt es dann: „Das haben wir immer so gemacht.“ Doch genau hier liegt die Chance. Denn digitale Bezahlprozesse bieten nicht nur Komfort für die Bürger, sondern auch Effizienz für die Verwaltung.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Zeitersparnis: Weniger Wartezeiten, schnellere Bearbeitung
  • Fehlerreduzierung: Automatisierte Buchungen reduzieren Rechenfehler
  • Sicherheit: Keine Bargeldkassen bedeuten weniger Diebstahlrisiko
  • Transparenz: Jeder Schritt ist digital nachvollziehbar

Darüber hinaus entlastet der digitale Zahlungsverkehr Mitarbeitende, da Routineaufgaben wegfallen.

Niederlande: Wie eine Verwaltung digitale Zahlungen anbietet

In niederländischen Gemeinden ist die digitale Zahlung längst Standard. Behördengänge lassen sich online vorbereiten und die Bezahlung mithilfe einer Software für Zahlungsabwicklungen vorab online (etwa 50 Prozent der Personalausweise und Reisepässe werden digital bezahlt), per Karte oder vor Ort durchführen. Die modernen Kassensysteme sind direkt mit der Finanzverwaltung und mit dem BRP – das steht für „Basisregistratie Personen“ und ist vergleichbar mit dem deutschen Melderegister – verknüpft. Durch die Nutzung eines Kassensystems und die Integration in die zuvor genannten Systeme werden Zahlungsprozesse automatisiert, fehlerfrei dokumentiert und sind deutlich sicherer.

Dabei wird das Bargeld nicht komplett aus dem Zahlungsprozess verbannt, denn es gibt auch in den Niederlanden Bevölkerungsgruppen, die die Zahlung mit Bargeld bevorzugen oder kein Bankkonto besitzen. Den Bürgern wird weiterhin die Option gelassen, ihre Zahlweise auszusuchen. Aber diese sind nun an digitale, sichere und genaue Prozesse geknüpft.

Die wenigen Bargeldzahlungen laufen automatisiert über spezielle Kassenautomaten und ersetzen klassische Kassen. Somit haben die Mitarbeiter keinen Kontakt mehr mit Bargeld. Das schafft Raum und Zeit für wichtigere Aufgaben – sich persönlich um die Bürger zu kümmern.

Bargeld only: Sobald ein Bürger sein behördliches Anliegen erledigt hat, erhält er ein Ticket. Mit diesem kann er an einem Kassenautomaten bar bezahlen (wenn er nicht beim Sachbearbeiter mit Karte bezahlen konnte). Das Ticket wird eingescannt und der Bürger kann seine Münzen und Scheine einfach in den Automaten schütten.(Bild:  Gemeine Heerlen, Niederlande)
Bargeld only: Sobald ein Bürger sein behördliches Anliegen erledigt hat, erhält er ein Ticket. Mit diesem kann er an einem Kassenautomaten bar bezahlen (wenn er nicht beim Sachbearbeiter mit Karte bezahlen konnte). Das Ticket wird eingescannt und der Bürger kann seine Münzen und Scheine einfach in den Automaten schütten.
(Bild: Gemeine Heerlen, Niederlande)

Auch organisatorisch wirkt sich das positiv aus: Unstimmigkeiten in der Kasse, die früher schnell zu Vertrauensproblemen unter den Mitarbeitern führten, werden durch transparente Abläufe, automatisierte Kassenberichte und versiegelte Bargeldtransporte vermieden.

Eine kleine Anekdote: Wenn der Bürger keine Wahl mehr hat

Die Gemeinde Leiden schaffte Bargeld im Jahr 2014 ganz ab. Erst ein rechtlicher Hinweis führte 2018 zur Wiedereinführung. Das Kuriose: Niemand hatte in der Zwischenzeit nach Barzahlung gefragt. Trotzdem musste für mehrere Zehntausend Euro Infrastruktur geschaffen werden – allein, um gesetzeskonform zu bleiben.

Fazit: Mehr als eine technische Entscheidung

Die Frage „Bargeld oder Karte?“ ist letztlich eine Vertrauensfrage. Vertrauen in Prozesse, Technik und Menschen. Die Niederlande zeigen, dass digitale Bezahlprozesse funktionieren, wenn man sie ganzheitlich denkt.

Auch in Deutschland zeigt sich ein Trend, dass digitale Zahlungen immer mehr an Vertrauen gewinnen. Klar ist: Die Zukunft ist digital. Aber nur, wenn der Wandel bewusst gestaltet wird – mit Sicherheit, Transparenz und Wahlfreiheit für alle Beteiligten.

Mandy Greiser
bildet bei der JCC Software GmbH die Kommunikationsschnittstelle zum deutschsprachigen Public Sector.

Bildquelle: JCC Software

(ID:50438483)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung in der Verwaltung

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung