Digitale Bildung als dauerhaftes Betriebsmodell Wenn Schul-IT zur Kostenfalle wird

Ein Gastbeitrag von Bişar Yeşil 7 min Lesedauer

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Bei der Beschaffung von digitaler Ausstattung in Schulen wird leider häufig zu kurz gedacht – und zwar nicht bis zum laufenden Betrieb. Doch gerade in dieser Phase können sich die Kosten schnell aufsummieren.

Viele Schulträger beschaffen Tablets, kalkulieren aber Betrieb, Support und Ersatzfähigkeit zu spät. Digitale Ausstattung wird erst dann tragfähig, wenn sie als dauerhaftes Betriebsmodell geplant wird.(Bild: ©  goodluz - stock.adobe.com)
Viele Schulträger beschaffen Tablets, kalkulieren aber Betrieb, Support und Ersatzfähigkeit zu spät. Digitale Ausstattung wird erst dann tragfähig, wenn sie als dauerhaftes Betriebsmodell geplant wird.
(Bild: © goodluz - stock.adobe.com)

Wenn Schulträger digitale Ausstattung beschaffen, ist der sichtbare Erfolg zunächst klar: Geräte werden ausgeliefert, Klassen ausgestattet, Fördermittel genutzt, Rollouts abgeschlossen. Für IT-Verantwortliche, Schulverwaltungen und Beschaffungsstellen beginnt die eigentliche Bewährungsprobe jedoch erst danach. Denn was in der Beschaffung als abgeschlossenes Projekt erscheint, wird im laufenden Betrieb zur Daueraufgabe.

Genau hier liegt der strukturelle Konflikt vieler Schul-IT-Projekte: Beschaffung wird häufig in Stückzahlen, Einzelpreisen und Lieferterminen gedacht und kalkuliert. Die Betriebsrealität bemisst sich dagegen an Verfügbarkeit, Supportaufwand, Ersatzfähigkeit, Administrierbarkeit und Nutzungsdauer. Schul-IT scheitert deshalb selten an einem einzelnen Gerät. Sie scheitert eher an unzureichend geplanten Betriebsmodellen.

Ein Tablet, das nicht geladen ist, eine fehlende Eingabemöglichkeit, eine beschädigte Schutzkomponente oder ein Zubehörteil, das nicht eindeutig zugeordnet werden kann, wirkt im Einzelfall banal. In der Summe entstehen daraus Supporttickets, Ausfallzeiten, Ersatzbeschaffungen, ungeplante Haushaltsbelastungen und Akzeptanzprobleme in den Schulen. Für Schulträger ist das kein Randthema der pädagogischen Nutzung, sondern eine Frage der Infrastrukturplanung.

Die zentrale Empfehlung lautet daher: Digitale Schulausstattung muss als mehrjähriges Betriebsmodell mit Total-Cost-of-Ownership-Perspektive geplant werden. Nicht die Frage, wie viele Geräte beschafft werden können, sollte am Anfang stehen. Entscheidend ist, wie zuverlässig diese Ausstattung über mehrere Jahre geladen, geschützt, genutzt, verwaltet, repariert, ersetzt und supportet werden kann.

Beschaffungserfolg ist noch kein Betriebserfolg

Viele Schulträger bewegen sich in einem engen Spannungsfeld. Auf der einen Seite stehen Förderlogiken, Haushaltsjahre, Vergabeverfahren und politischer Erwartungsdruck. Auf der anderen Seite stehen Schulen, die im Alltag verlässliche Technik benötigen. Diese beiden Logiken passen nicht automatisch zusammen.

Ein Vergabeverfahren kann formal erfolgreich sein und dennoch ein Betriebssystem erzeugen, das IT-Teams dauerhaft belastet. Das passiert etwa dann, wenn Geräte und periphere Ausstattung nicht gemeinsam geplant werden, wenn Ersatzteile fehlen, wenn zu viele Varianten parallel verwaltet werden müssen oder wenn Serviceprozesse erst nach dem Rollout definiert werden.

Für Verwaltung und Beschaffung verschiebt sich damit der Bewertungsmaßstab. Der günstigste Anschaffungspreis ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Entscheidung. Wirtschaftlich tragfähig ist eine Ausstattung erst dann, wenn sie über ihren Lebenszyklus hinweg planbar bleibt. Dazu gehören nicht nur Hardware und Software, sondern auch Schutz, Eingabe, Energieversorgung, Lagerung, Kennzeichnung, Ersatzteile, Garantien, Schulung und Support.

Gerade für öffentliche Schulträger ist diese Perspektive wichtig. Sie müssen Beschaffungen gegenüber Politik, Verwaltung, Schulen und Öffentlichkeit begründen. Eine reine Stückpreislogik reicht dafür langfristig nicht aus. Wer erklären kann, warum eine Ausstattung im Betrieb weniger Reibung erzeugt, besser standardisierbar ist und über mehrere Jahre verlässlich genutzt werden kann, argumentiert belastbarer.

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