eGovernment Summit 2026: Einblicke vorab

Verwaltungsdigitalisierung mit Reformgeist

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Worauf es bei der Umsetzung ankommt

Mit dem Thema Zusammenarbeit spricht er dabei auch einen Aspekt an, der den Teilnehmenden wichtig ist und der bei der Frage, worauf es bei der Umsetzung ankommt, immer wieder zur Sprache kommt. Entscheidend werde sein, die föderale Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und tragfähige Strukturen für eine Kooperation mit den Ländern zu schaffen, so Ernst Bürger. „Denn die eigentliche Umsetzung der Verwaltungsdigitalisierung findet in den Ländern und Kommen statt.“

„Wir müssen stärker gemeinsam an digitalen Lösungen arbeiten und die Kooperation zwischen Ländern, Kommunen und Bund verbessern“, bekräftigt Milen Starke, die die größten Handlungsbedarfe bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung auf Landes- und Kommunalebene und beim Breitbandausbau in ländlichen Regionen sieht. „Durch die Kooperationsvereinbarungen mit dem Bund für flächendeckende Verwaltungsleistungen in Bayern, Hessen und nun auch in Thüringen können wir gemeinsam die kommunale Digitalisierung in ganz Deutschland beschleunigen.“

Peter Adelskamp, CDO der Stadt Essen.(© Manuel Emme Fotografie)
Peter Adelskamp, CDO der Stadt Essen.
(© Manuel Emme Fotografie)

Die Dynamik sei spürbar, konstatiert Peter Adelskamp, „Deutschland-Stack, Modernisierungsagenda, der Agentic AI Hub – es bewegt sich etwas“. Das sei gut, doch der entscheidende Test stehe noch aus: „Kommt das, was in Strategiepapieren und Plattformarchitekturen entsteht, tatsächlich in den Kommunen an? Kommunen sind der Ort, an dem Verwaltungsdigitalisierung für Bürgerinnen und Bürger konkret wird. Wir brauchen deshalb keine neuen Leuchtturmprojekte, sondern robuste, skalierbare Basisinfrastrukturen. Zentral bereitgestellte APIs für wiederkehrende Funktionen – Texterkennung, Übersetzung, Datenanonymisierung – entlasten unmittelbar“, so Adelskamp. NOOTS, Registermodernisierung und die EUDI-Wallet seien die eigentlichen Hebel für spürbare Entbürokratisierung. Aber: „Wenn Kommunen bei diesen Vorhaben nur als Umsetzungsebene betrachtet werden, ohne Mitsprache, ohne Kostenausgleich und ohne Pilotrolle, wird die Fläche nicht erreicht.“

Milen Starke, seit kurzem im Vorsitz des IT-Standardisierungsboards der FITKO, kommt auch auf die Rolle von Standards zu sprechen: Die Effizienz der Verwaltung erhöhe sich, je mehr Prozesse standardisiert seien und Doppelarbeit reduziert werde. Die Definition von Standards – sowohl im Bereich der IT und der Daten – sei dabei der entscheidende Faktor. „Im IT-Standardisierungsboard ist es daher mein Ziel, die bereits definierten Standards zu verstetigen und sie verbindlich länderübergreifend zum Einsatz zu bringen“. Thüringen engagiere sich zudem im Themenfeld der semantischen Interoperabilität. „Das bedeutet, dass wir Standards setzen, damit verschiedene Systeme die gleiche ‚Sprache‘ sprechen“, verdeutlicht Starke. Auch dies sei ein zentraler Eckpfeiler für eine Beschleunigung der Verwaltungsdigitalisierung.

Weitere Impulse, was es für die Umsetzung von Reformen braucht, wird es auf dem Summit unter anderem von Dr. Dorit Bosch (Let’s Staat) geben und von Bremens CIO Carola Heilemann-Jeschke, die zum Thema „Von der Vermeidungs- zur Entscheidungsverwaltung“ spricht.

Und natürlich stehen die Themen digitale Souveränität und Resilienz auf der Agenda, etwa mit Impulsstatements von Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Research Director & Founder, cyberintelligence.institute, Martin Schallbruch, CEO der govdigital eG, oder ZenDiS-Geschäftsführerin Pamela Krosta-Hartl.

Resilienz sei kein Sonderthema, sondern Grundvoraussetzung, mahnt Peter Adelskamp, der ebenfalls zu diesem Thema sprechen wird. Cyberangriffe auf Kommunen seien längst Realität. Wer digitalisiere, ohne Informationssicherheit und Notfallplanung von Anfang an mitzudenken, gefährde die kommunale Daseinsvorsorge. Digitale Souveränität heiße dabei auch: „Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern und Drittstaaten reduzieren, kritische Systeme in souveränen Infrastrukturen betreiben und Exit-Strategien von Anfang an mitdenken.“ Das gelte für große Fachverfahren und Infrastrukturtechniken wie auch für einzelne KI-Sprachmodelle. „Wir müssen eine funktionierende Verwaltung sicherstellen. Davon profitiert unsere Demokratie unmittelbar.“

Erwartungen an den Summit

Schließlich: Was erwarten die Teilnehmenden vom Summit? In einem Workshop wolle man ein Feedback über die zukünftige Rolle des NOOTS, zu Chancen und Risiken, einholen, verrät Michael Pfleger: „Wir freuen uns über einen offenen Austausch mit Entscheidern und Fachexperten und den unverstellten Blick von außen.“

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„Der eGovernment Summit ist eine von Deutschlands führenden Plattformen für die digitale Verwaltung“, sagt Milen Starke. „Mir ist besonders der Austausch über Strategien, Technologien und Best Practices zur Digitalisierung von Verwaltung, Prozessen und Services wichtig." Sie freue sich darauf, Einblick in die neuesten Trends und Technologien der Verwaltungsdigitalisierung zu erhalten und neue Inspirationen mit nach Thüringen zu nehmen. „Das betrifft vor allem mein Interesse an den praktischen Lösungen der anderen für unsere eigenen Projekte.“ Und natürlich sei es eine hervorragende Netzwerkgelegenheiten, um sich mit Expertinnen und Experten aus Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft auszutauschen und voneinander zu lernen.

Ernst Bürger möchte, wie er betont, mit dem eGovernment-Summit in diesem Jahr einen Raum schaffen, um die zentrale Frage der föderalen Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und Gleichklang bei der Umsetzung der Modernisierungsvorhaben im Bund und dem Länderkreis zu ermöglichen. Und zur Erwartung: „Die preußischen Reformen resultierten in einem grundlegend modernisierten Staat. Das ist nicht die schlechteste Referenz für einen Kongress rund um das Thema Verwaltungsdigitalisierung.“

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