Baden-Württemberg Falsche Abiturzeugnisse

Von Serina Sonsalla 2 min Lesedauer

Etwa 100 fehlerhafte Abiturzeugnisse wurden in Baden-Württemberg aufgrund eines Softwarefehlers ausgestellt. Für rund 70 Schülerinnen und Schüler hatte dies Auswirkungen auf den Abiturschnitt.

Erst die harte Prüfung, dann die überraschende Korrektur: Für einige Abiturientinnen und Abiturienten fiel die Abschlussnote nach der Zeugnisvergabe unerwartet aus.(Bild: ©  stockmotion - stock.adobe.com / KI-generiert)
Erst die harte Prüfung, dann die überraschende Korrektur: Für einige Abiturientinnen und Abiturienten fiel die Abschlussnote nach der Zeugnisvergabe unerwartet aus.
(Bild: © stockmotion - stock.adobe.com / KI-generiert)

Rund 100 Schülerinnen und Schülern erhielten in Baden-Württemberg fehlerhafte Abiturzeugnisse. Für einen Großteil der Betroffenen hatte der Fehler zunächst sogar positive Auswirkungen: In etwa 70 Fällen führte ein Programmierfehler in der Software Winprosa zu einem besseren Abiturschnitt. Insgesamt waren an 54 Schulen jeweils einzelne Zeugnisse betroffen.

In den meisten Fällen wurde die Durchschnittsnote um ein oder zwei Zehntel zu gut berechnet. Die Schulen stellen den betroffenen Schülerinnen und Schülern derzeit korrigierte Zeugnisse aus. Trotz abweichender Abiturdurchschnittsnoten bestätigte die Landesregierung jedoch bereits, dass alle Schülerinnen und Schüler das Abitur bestehen werden.

Programmierfehler in der Software

In diesem Schuljahr haben rund 29.000 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg das Abitur abgelegt. Die Mehrheit der rund 470 Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe nutzt die Software Winprosa des privaten Anbieters cmh für die Planung und Verwaltung der Kursstufe. Das Programm und seine Vorläufer werden teilweise bereits seit Jahrzehnten an baden-württembergischen Schulen eingesetzt.

Das Kultusministerium veranlasste schließlich eine landesweite Überprüfung der Zeugnisse, nachdem an einem Gymnasium eine fehlerhafte Berechnung des Abiturschnitts festgestellt worden war. Sowohl das Kultusministerium als auch der Softwareanbieter würden die fehlerhaften Zeugnisse bedauern. Nach Angaben von cmh steht das Unternehmen bereits seit Mitte Juni mit einzelnen Schulen in Kontakt, nachdem dort erste Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren. Eine Meldung an die Schulaufsicht sei zunächst aber nicht erfolgt.

Die landeseigene Schulverwaltungssoftware

Gemeinsam mit den Schulen und den Regierungspräsidien arbeitet das Kultusministerium daran, den Vorgang zügig abzuschließen. Die landeseigene Schulverwaltungssoftware ASV-BW sei von dem Fehler nicht betroffen, betonte die Landesregierung.

Für das kommende Schuljahr soll sichergestellt werden, dass alle neuen Kursstufen an öffentlichen Gymnasien und Gemeinschaftsschulen die Landessoftware auch für die Verwaltung der Kursstufe und die Abiturorganisation vollständig nutzen können. Parallel dazu will das Kultusministerium gemeinsam mit dem Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) die Weiterentwicklung von ASV-BW beschleunigen und die Bedienbarkeit der Software verbessern.

ASV-BW wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Zuletzt wurde im Juni 2026 ein Modul zur Unterstützung der Planung der mündlichen Abiturprüfungen eingeführt, die bisher nur über Winprosa oder andere kommerzielle Programme verfügbar war – weshalb viele Schulen auch im vergangenen Schuljahr bei Winprosa blieben. Die konkrete Prüfungsplanung beginnt spätestens mit der Festlegung der mündlichen Prüfungsfächer im Februar.

Unterstützung für Studienbewerbungen

Das Kultusministerium steht in engem Austausch mit dem Wissenschaftsministerium, um für betroffene Absolventinnen und Absolventen pragmatische Lösungen im laufenden Bewerbungsverfahren für Studienplätze zu ermöglichen. Für die betroffenen Schülerinnen und Schüler wurde eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, über deren Kontaktmöglichkeiten die jeweiligen Schulen informieren.

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