Zwischen „einfach machen" und Vision eGovernment Summit 2026: Reformgeist, Tatendurst und Zielbilder

Von Nicola Hauptmann 5 min Lesedauer

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Ist Geschwindigkeit und „einfach mal machen“ der richtige Ansatz oder brauchen wir vielmehr ein klares Zielbild? Der eGovernment Summit auf Schloss Neuhardenberg brachte eine Fülle von Impulsen und regte zu intensiven Diskussionen an.

Die Teilnehmenden beim eGovernment Summit 2026 (Bild:  Manuel Emme Fotografie)
Die Teilnehmenden beim eGovernment Summit 2026
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

Die Agenda war randvoll und spannend beim 19. eGovernment Summit der Vogel IT-Akademie. Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung wurden aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet; Expertinnen und Experten aus Bund, Ländern und Kommunen, Wissenschaft, Justiz und dem Cybersicherheitsbereich, aus Netzwerken und Initiativen brachten ihre Standpunkte und Ideen ein – eine überwältigende Fülle an Input und Impulsen, die zu intensiven, teils auch kontroversen Diskussionen anregten. Der Summit, moderiert von Nicole Dufft, bewährte sich dabei nicht nur als sicherer Rahmen zum Austausch von Ideen, sondern auch als eine Plattform für offene, wertschätzende Diskussionen.

eGovernment Summit 2026
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Wie unterschiedlich die Ansätze sein können, zeichnete sich schon zu Beginn ab: Summit-Gastgeber Ernst Bürger, Staatssekretär und CIO des Landes Brandenburg, sprach in seiner Eröffnungskeynote über die Arbeitsschwerpunkte in Brandenburg sowie die gemeinsamen Aufgaben von Länderkreis und Bund und plädierte für „Strukturen statt Leuchttürme“. Sein Tenor: Es braucht mehr Fokus und Konzentration, um Veränderungen nachhaltig in die Fläche zu bringen.

Der folgende Speaker, Prof. Timo Kob, Experte für Cybersecurity und Wirtschaftsschutz, mahnte eine Strategie an. Security sei nicht mehr als nur Angst besetztes Thema wahrzunehmen, sondern als Chance für die Wirtschaft – dazu es brauche ein Narrativ.

„Digitalisierung einfach machen – dynamisch und gemeinsam!“ war dagegen die Botschaft von Anke Pörksen, Digitalisierungsstaatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung. Dazu formulierte sie zehn Thesen zu den anstehenden Aufgaben.

Neue Gesichter und frischer Wind

Anke Pörksen ist seit September 2025 im Amt und sie war damit nicht als einzige Landesvertreterin beim diesjährigen Summit noch recht neu in ihrer Position. Dr. Daniela Dylakiewicz, seit Ende 2024 Sachsens CIO in Sachsen, sprach in ihrem Statement „Teamwork statt Einzelleistung – wie in Sachsen Digitalisierung als Gemeinschaftsaufgabe umgesetzt wird“ unter anderem über die Ende April verabschiedete Modernisierungsagenda des Freistaats und weitere Reformvorhaben.

Neu dabei war auch Matthias Hundt, CDO in der Berliner Senatskanzlei, der die Reformziele des Landes Berlin vorstellte.

Auch die diesjährige „CIO des Jahres“ kommt aus dieser Riege: Milen Starke, seit Juni letzten Jahres Staatssekretärin und Landes CIO im Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur stellte in ihrem Impulsstatement „Digitale Souveränität als Eckpfeiler des Thüringer Smart State“ einen eigens entwickelten Souveränitätsscore vor, der eine Bewertung nach den Kriterien Infrastruktur, Anwendungen und Prozesse erlaubt.

Wie schon im Vorfeld berichtet, war ein Themenblock speziell den Technologiethemen gewidmet: Michael Pfleger, Gesamtleiter NOOTS (FITKO), und Maximilian Schröter, Referatsleiter im Bundesverwaltungsamt, präsentierten einen Überblick zur NOOTS-Umsetzung. Für die Vorstellung des Rollenmodells, genauer für die Entkoppelung von Vollzugsverantwortung der Kommunen und dem IT-Betrieb, gab es Zwischenapplaus. „Law as Code“ war das Thema von Dr. Hakke Hansen, Leiter der gleichnamigen Initiative bei der SPRIND – Bundesagentur für Sprunginnovationen. Eine weitere Sichtweise brachte Bianca Kastl mit ein, Product Owner und ethische Hackerin, Gesundheitsamt Stadt Frankfurt a. M., die über digitales Vertrauen im Zusammenhang mit der EUDI-Wallet sprach.

Nicht zu vergessen: Künstliche Intelligenz. Ammar Alkassar, geschäftsführender Vorstand GovTech Deutschland e.V., charakterisierte 2026 als „das Jahr, als KI vom Chatbot zum Agenten wurde“ – in einer Geschwindigkeit, die selbst Entwickler überrasche. Es gelte, schnell Chancen und Risiken zu verstehen. Auf eine weitere Herausforderung verwies Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Universität Bremen und GovTech-Beauftragter des Senators für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen: Fähigkeiten im Prozessmanagement müssen schneller entwickelt werden. Er stellte Zwischenergebnisse einer Studie zu KI in Landkreisen vor, für die rund 60.000 (!) Mitarbeitende befragt wurden.

Wie wichtig die Mitarbeitenden im Transformationsprozess sind, aber auch, welches Potenzial hier zu heben ist, belegte auch ein Projekt der föderalen Digitalstrategie, das Sachsen-Anhalts CIO Bernd Schlömer und Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin, NExT e.V., gemeinsam vorstellten. Ziel ist der Abbau von Digitalisierungshemmnissen – und zwar in der Bundeshaushaltsordnung. Die Ergebnisse, die in Kürze auch veröffentlicht werden sollen, wurden in drei Workshops mit Mitarbeitenden der Verwaltung erarbeitet. Ann Cathrin Riedel zeigte sich besonders beeindruckt von deren Willen, Dinge wirklich besser und effizienter zu gestalten – und von der Kompetenz und dem Wissen, das die Beteiligten einbrachten.

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Reformgeist und Mut zu Entscheidungen

Veränderungswillen und Reformgeist waren zentrale Themen beim Summit, unter anderem gaben Ernst Bürger und Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21 e.V., einen Überblick zur föderalen Modernisierungsagenda. Was in den Diskussionen deutlich wurde: Die Digitalisierung ist ein Mittel, im Kern geht es aber um Reformen und Staatsmodernisierung. Der Veranstaltungsort für den diesjährigen eGovernment Summit hätte daher kaum passender gewählt werden können: Schloss Neuhardenberg war im Besitz von Karl August von Hardenberg, bekannt für die preußischen oder auch Stein-Hardenbergschen Reformen, die nach der Niederlage gegen Napoleon eingeleitet wurden.

Welche Voraussetzungen es für die Umsetzung der derzeit anstehenden Staatsmodernisierung braucht, war ebenfalls Gegenstand der Keynotes und Debatten. Ein Zielbild, Messbarkeit und klare Verantwortlichkeiten standen zur Diskussion.

Mut zur Festlegung und klare Vorgaben, wer und bis wann entscheidet, forderte etwa Bremens CIO Carola Heilemann-Jeschke in ihrem Impulsstatement „Von der Vermeidungs- zur Entscheidungsverwaltung“. Auch Prof. Dr. Rafaela Kraus von der Universität der Bundeswehr München legte in ihrer Keynote einen Fokus auf die Themen Führung, Empowerment und neue Arbeitsweisen – und damit den Finger in die Wunde: Verantwortung werde verteilt, um auf der sicheren Seite zu sein.

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