Digitale Souveränität

„Der öffentliche Sektor kann zeigen, dass es möglich ist“

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Gibt es einen Katalysator, der den Umstellungsprozess zur Souveränität beschleunigen würde?

Schaudel: Der schlimmste anzunehmende Katalysator wäre, wenn der Ernstfall wirklich eintritt. Sollte aus Amerika die Ansage kommen, dass US-amerikanische digitale Dienstleistungen nicht mehr nach Europa exportiert werden dürfen, hätten wir den größten anzunehmenden Unfall, aber auch den größtmöglichen Katalysator. Das darf nicht passieren. Dieses Worst-Case-Szenario herbeizubeten, um auf eine Initialzündung für Europa zu hoffen, wäre fatal. Es braucht klare Signale aus der Politik. Digitalminister Wildberger hat das sehr klar geäußert. Was am Ende hilft, sind monetäre Anreize – dem Bund Gelder in die Hand zu geben, um die Länder aufzufordern, souveräne Infrastrukturen und Lösungen aufzubauen.

Wenn der politische Wille gegeben ist und Interesse an einer Umstellung besteht – wie geht man das am schnellsten und effektivsten an?

Karlitschek: Das Erste ist, die Angst zu nehmen, dass es nicht funktioniert. Wir empfehlen, mit einem Proof of Concept anzufangen, einem Test mit einer Abteilung oder einem Unterbereich. Das Feedback ist immer: Es hat gar nicht wehgetan, funktioniert ganz gut. Das ist der erste Schritt. Wenn dann die eigentliche Migration stattfindet, muss das Schritt für Schritt funktionieren. Es ist nicht realistisch, an einem Freitag ­Microsoft abzuschalten und am darauffolgenden Montag Nextcloud anzuschalten. Eine Migration muss geplant sein und geht in mehreren Phasen. Wir haben als Nextcloud Integration in verschiedenste ­Microsoft-Produkte – Exchange, ­Active Directory, Teams, Outlook. Die sind dafür gedacht, dass man für eine Übergangszeit bestimmte Tools weiterverwendet, dann bestimmte Tools umschaltet und Schritt für Schritt zu einer kompletten Open-Source-Lösung geht. Das ist ein Prozess über mehrere Monate. Schleswig-Holstein hat einen Prozess von zwei Jahren definiert, ein Tool nach dem anderen umzustellen. Das ist der Weg.

Schaudel: Start small und scale fast. Es wäre wahnsinnig, an einem Freitagnachmittag 50.000 Arbeitsplätze per Knopfdruck umzustellen. Das wäre bei jedem Softwareprojekt fahrlässig. Man braucht ein ordentliches Projekt-Setup. Wir von IONOS und die Kollegen von Nextcloud haben Erfahrung und machen das aktiv mit unseren Partnern und Kunden. Dann ist das möglich. Man muss die Leute mitnehmen auf der Reise.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn einem von außen ­optimiert wird, muss man das morgen anders machen, muss man das Tal der Tränen aushalten. Der viel bessere Weg ist: Wenn eine Abteilung, ein Fachbereich, ein Referat zeigt, wie gut es funktioniert, hat das ­eine Ausstrahlmöglichkeit.

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