Forschungsarbeit zur Generierung von Hint-Texten

Barrierefreie digitale Anwendungen – Hilfe kommt aus der Forschung

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Praxiserfahrungen und Testergebnisse

Für die Entwicklung von HintDroid und LabelDroid hat das Forschungsteam eng mit Betroffenen zusammengearbeitet, um deren Interessen möglichst gut zu berücksichtigen. Denn eine Ursache für die großen Lücken in der Barrierefreiheit liegt in der deutlichen Diskrepanz zwischen den Entwicklern mobiler Software und sehbehinderten Nutzern: Entwickler sind häufig privilegierte Fachkräfte, die gut ausgebildet, körperlich uneingeschränkt und technologieaffin sind. Dadurch fällt es ihnen schwer, die Bedürfnisse Sehbehinderter zu verstehen. Verschiedene Tests und Studien zur Leistungsfähigkeit der Programme zeigen: HintDroid generierte in 83 % der Fälle korrekte und kontextrelevante Texte, gemessen an BLEU-Werten (Bewertungssystem für maschinell erstellte Texte) und weiteren Metriken. Nutzerstudien mit 33 Apps zeigten, dass Teilnehmer mit HintDroid 152 % mehr korrekte Eingaben tätigten und 58 % weniger Zeit benötigten. Auch LabelDroid verbesserte durch die automatisierte Beschriftung von Icons die Nutzbarkeit von Apps erheblich, insbesondere für Screenreader-gestützte Interaktionen.

Potenzielle Anwendung in Verwaltungseinrichtungen

In Rathäusern und anderen Verwaltungsbehörden spielt die digitale Barrierefreiheit eine entscheidende Rolle, um ein selbstbestimmtes Leben – und, wie im Beispiel mit den Wahlunterlagen – demokratische Teilhabe zu ermöglichen. Dabei können Technologien wie HintDroid und LabelDroid die Barrierefreiheit von Online-Bürgerdiensten erheblich verbessern, indem sie beispielsweise Formularsysteme klarer gestalten, visuelle Symbole in Steuer-, Melde- oder Sozialantragsformularen beschriften und die Nutzung von Self-Service-Terminals oder Apps barrierefrei machen. Gerade vor dem Hintergrund gesetzlicher Vorgaben wie der EU-Richtlinie über die Barrierefreiheit von Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen bieten diese Systeme eine effektive und automatisierbare Lösung.

KI-Technologie als Schlüssel für digitale Teilhabe

Beide Systeme zeigen, wie moderne KI-Technologien zur Verbesserung der digitalen Barrierefreiheit beitragen können, indem sie unterschiedliche, aber komplementäre Aspekte der Benutzerfreundlichkeit von Apps und digitalen Plattformen adressieren. Ihre Anwendungspotenziale im Verwaltungssektor könnten einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren digitalen Gesellschaft darstellen. Die Integration dieser Technologien sollte daher nicht nur als technische Innovation betrachtet werden, sondern als gesellschaftliche Notwendigkeit.

(© Andreas Heddergott / TU München)
(© Andreas Heddergott / TU München)

Der Autor: Prof. Dr. Chunyang Chen promovierte an der Nanyang Technological University, Singapur und arbeitete anschließend von 2018 bis 2024 als Dozent und Senior Lecturer an der Monash University in Australien. 2024 wurde er auf die Professur für Software Engineering & AI an der TUM berufen, wo er sich hauptsächlich mit dem Schnittbereich von Software Engineering, Mensch-Computer-Interaktion, Software-Sicherheit und KI beschäftigt. Zum Forschungspapier

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