Studie AI-first: 80 Tage mehr Recoveryzeit

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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Organisationen, die früh auf künstliche Intelligenz setzen, zahlen offenbar einen hohen Preis in puncto Cybersicherheit. Eine internationale Studie zeigt längere Ausfallzeiten, höhere Schäden und neue Angriffsflächen. Für Behörden sind vor allem Datenschutz und Governance entscheidend.

Behörden und Organisationen haben oftmals digitale Sicherheitssysteme, die Festungen gleichen. Eine derartige Sicherheitsinfrastruktur wird allerdings benötigt, da die Zahl der Cyberangriffe auf Strukturen des öffentlichen Lebens jährlich zunimmt.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Behörden und Organisationen haben oftmals digitale Sicherheitssysteme, die Festungen gleichen. Eine derartige Sicherheitsinfrastruktur wird allerdings benötigt, da die Zahl der Cyberangriffe auf Strukturen des öffentlichen Lebens jährlich zunimmt.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Verfügt man über einen klaren KI-Fokus, benötigt man deutlich länger, um sich von Cyberangriffen zu erholen. Was zunächst widersprüchlich klingt, geht unmissverständlich aus dem aktuellen Global Security Research Report des Edge-Cloud-Anbieters Fastly hervor. Demnach dauert die vollständige Wiederherstellung bei sogenannten AI-First-Organisationen im Schnitt knapp unter sieben Monaten. Vergleichbare Einrichtungen ohne KI-Schwerpunkt benötigen rund vier Monate – ein Unterschied von etwa 80 Tagen.

Höhere Schäden durch KI-Nutzung

Die längeren Ausfallzeiten schlagen sich auch finanziell nieder. Laut der Studie verlieren KI-orientierte Organisationen durchschnittlich 3,13 Prozent ihres Jahresumsatzes durch Sicherheitsvorfälle. Bei anderen Organisationen liegt dieser Wert bei 1,33 Prozent. Gleichzeitig berichtet knapp die Hälfte der Befragten, dass das Einfallstor KI bei ihrem letzten Cyberangriff direkt ausgenutzt wurde. Ein Grund dafür liegt – gemäß der Studie – in der wachsenden Komplexität. KI-Systeme erweitern die IT-Landschaft um neue Komponenten, etwa agentenbasierte Anwendungen oder automatisierte Prozesse mit weitreichenden Zugriffsrechten. Ein weiteres zentrales Problem stellt die mangelnde Übersicht dar. Ein Drittel der AI-First-Organisationen führen Sicherheitsvorfälle auf Fehler oder Lücken im Zusammenhang mit KI zurück. Hinzu komme die sogenannte Schatten-KI, also nicht freigegebene Anwendungen, die von Mitarbeitern genutzt werden. Darüber hinaus ist es unvorteilhaft, dass Verantwortlichkeiten oft unklar definiert sind. Mehr als die Hälfte der KI-orientierten Organisationen gibt an, nicht eindeutig festgelegt zu haben, wer im Ernstfall auf Sicherheitsvorfälle reagiert.

Scraping erhöht Kosten und Risiken

Auch externe Faktoren spielen eine Rolle. Etwa zwei Drittel der befragten Organisationen sehen KI-gestütztes Web-Scraping inzwischen als relevanten Kostenfaktor. Im Durchschnitt entstehen dadurch zusätzliche Infrastrukturkosten von über 348.000 US-Dollar jährlich. Gleichzeitig berichten sie von steigenden Betriebskosten und Einschränkungen bei digitalen Diensten. Für Behörden sind in diesem Zusammenhang vor allem Datenschutzrisiken von zentraler Bedeutung. Knapp 52 Prozent der Organisationen im öffentlichen Sektor hatten dies dergestalt formuliert. Zudem wachse – etwa durch die NIS2-Richtlinie – der regulatorische Druck immer weiter.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt daher klare Leitplanken für den KI-Einsatz. Dazu gehörten kontrollierte Zugriffe, sichere Alternativen zur Schatten-KI sowie ein stärkeres Monitoring.

Kommentar von Johannes Kapfer

Die Ergebnisse der Studie sollten unbedingt differenziert betrachtet werden. Die Studie basiert auf einer Befragung von 2.000 IT-Entscheidern weltweit und wurde vom Sicherheitsanbieter Fastly in Auftrag gegeben. Partikularinteressen sind daher nicht von der Hand zu weisen. Zudem beruht die Einstufung als „AI-First" auf Selbsteinschätzungen der Befragten. Ein direkter Kausalzusammenhang zwischen KI-Nutzung und längeren Ausfallzeiten lässt sich nicht eindeutig ableiten. Klar ist jedoch, dass mit zunehmender KI-Nutzung auch die Anforderungen an Sicherheit und Governance nur eine Richtung kennen.

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