eGovernment Summit 2023 Gemeinsam in die digitale Zukunft

Von Natalie Ziebolz Lesedauer: 8 min

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Beim 16. eGovernment Summit kommen Experten aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft in diesem Jahr auf dem Bonner Petersberg zusammen. Unter dem Motto „Mission (im)possible? Deutschland.Zukunft.Digital“ diskutieren sie aktuelle Themen rund um die digitale Transformation der Verwaltung.

Ziel des Summits ist die Erarbeitung gemeinsamer Ansätze und Handlungsmodelle zur Bewältigung der aktuellen politischen, ­gesellschaftlichen und administrativen Herausforderungen durch die IT – und mithilfe der IT
Ziel des Summits ist die Erarbeitung gemeinsamer Ansätze und Handlungsmodelle zur Bewältigung der aktuellen politischen, ­gesellschaftlichen und administrativen Herausforderungen durch die IT – und mithilfe der IT
(Bild: Vogel IT-Akademie)

Das OZG wurde zwar nicht wie geplant umgesetzt, die Verwaltungsdigitalisierung angestoßen hat es jedoch auf jeden Fall. „Durch die bisherige Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes ist bereits vieles ins Rollen gekommen. Wir haben ebenenübergreifend neue, innovative Strukturen geschaffen. Jetzt geht es darum, daran anzuknüpfen und die Verwaltungsdigitalisierung weiter kooperativ und zielgerichtet zu gestalten“, bringt Fedor Ruhose, CIO von Rheinland-Pfalz, den Status quo auf den Punkt. „Neben digitalen und komfortablen Angeboten für Bürger und Unternehmen brauchen wir modern gestaltete interne Bearbeitungsprozesse.

„Neben digitalen und komfortablen Angeboten für Bürger und Unternehmen brauchen wir modern gestaltete interne Bearbeitungsprozesse“, Prof. Thomas Popp, CIO des Landes Sachsen und Staatssekretär für Digitale Verwaltung
„Neben digitalen und komfortablen Angeboten für Bürger und Unternehmen brauchen wir modern gestaltete interne Bearbeitungsprozesse“, Prof. Thomas Popp, CIO des Landes Sachsen und Staatssekretär für Digitale Verwaltung
(© Mathias Rietschel)

Dazu müssen digital-taugliche Rechtsvorschriften erlassen und beispielsweise moderne Authentifizierungsmethoden wie die Online-Ausweisfunktion zugelassen werden“, erklärt Prof. Thomas Popp, CIO Sachsens. Auch Prof. Meyer-Falcke, CIO von Nordrhein-Westfalen, spricht sich für optimierte Strukturen wie etwa IT-Konsolidierung und ein digitalfreundliches Recht aus. „Nur so können wir den Ballast abwerfen, der einen nutzerfreundlichen Wandel der ‚Papierwelt’ in die digitale Welt so herausfordernd macht. Der Gedanke ‚Was wir vorher analog gemacht haben, bilden wir jetzt einfach digital ab’ ist nicht mehr zeitgemäß. Wir müssen ‚echte’ digitale Leistungen schaffen.“ Daher sei die Digitalisierung der Öffentlichen Hand mit einem Appell verbunden: „Digitalisierung lebt von neuen Ideen und manchmal radikalen Ansätzen“, erklärte er. Dies bedeute auch, Ansätze frühzeitig zu erproben und nicht erst, wenn die Lösung „perfekt“ erscheint – „kurzum: mehr Agilität, weniger Bedenken“.

„Die zwei größten Aufgaben der Verwaltungsdigitalisierung in den kommenden Jahren sind Ende-zu-Ende digitalisierte Prozesse und die Registermodernisierung sowie deren funktionale Integration in die Online-Dienste“, ergänzt Christian Pfromm, CDO Hamburg. Der Umfang dieses Projektes bringe allerdings Herausforderungen mit sich, die nur bewältigt werde können, wenn die bestehenden Strukturen, die in den letzten fünf Jahren geschaffen wurden, genutzt und bewahrt werden können, so Fedor Ruhose. „Genauso müssen alle Dienstleistungen der Verwaltung intelligent vernetzt werden“, fügt Meyer-Falcke hinzu. So sei es beispielsweise offensichtlich, dass bei Geburt eines Kindes nicht nur eine Geburtsurkunde ausgestellt werden müsse, sondern auch gleich ein Antrag auf Kindergeld von den Eltern gestellt werden sollte.

Eine weitere Herausforderung liegt laut Martin Schallbruch, CEO der govdigital eG, im Bereich Skalierung. „Wir schaffen es bislang nicht ausreichend, vorhandene Lösungen in die Fläche zu bringen. Wir brauchen dazu rechtlich-organisatorische Vereinfachungen und eine einheitlichere Infrastruktur“, fasst er zusammen.

Hier spielen sicherlich auch die EfA-Leistungen eine entscheidende Rolle. „EfA-Leistungen können zum Erfolgsbaustein für die digitale Verwaltung in Deutschland werden. Dazu müssen aber die organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nachnutzung praktikabel ausgestaltet sein“, erklärt Popp.

Die Vorteile der Digitalisierung liegen jedenfalls klar auf der Hand: „Bedürfnisorientierte Verwaltungsdigitalisierung bietet enormes Potential: sei es im Umgang mit dem demografischen Wandel, beim Ausbau des transparenten Dialogs in der Gesellschaft, der Förderung von Start-Ups und KMU, der Stärkung der Krisenresilienz oder als Möglichkeit klimapositiver Entwicklungen“, so Meyer-Falcke. „Jeder Bürger, der sein Anliegen und die nötigen Unterlagen digital einreicht, entlastet die Beschäftigten in der Verwaltung von aufwändigen Doppelerfassungen“, ergänzt Popp und folgert: „Die ohnehin schwindenden Personalressourcen können dann konzentriert für die notwendige Bearbeitung der Anliegen eingesetzt werden. Das gilt auch für die Verwaltungen in den Kommunen.“

„Damit ist die Zielsetzung der digitalen Transformation klar: Bürokratische Alltagsaufgaben zur Erbringung von Verwaltungsleistungen sollen vollautomatisiert und damit wirklich digital sein“, fasst Meyer-Falcke zusammen. Das bedeute im Endeffekt eine No Stop Agency, die 24/7/365 ohne direkte Betreuung durch Verwaltungsbeschäftigte zur Verfügung steht, während die Verwaltung ihre Beschäftigten an anderer Stelle effizienter einsetzen kann.

Über alle Ebenen hinweg

Allein wird es den Verwaltungen jedoch nicht gelingen, dieses Mammutprojekt zu stemmen. Dafür braucht es eine ebenenübergreifende Zusammenarbeit. Diese gelinge am wirkungsvollsten durch gemeinsame Teams, erklärt Schallbruch. „Erfolgreiche gemeinsame Projekte schaffen Vertrauen. Vorgaben, Standards und Gremienbeschlüsse sind hierfür ein wichtiger Rahmen, aber sie können die praktische Zusammenarbeit nicht ersetzen.“

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