Digitale Souveränität Public

Backup, NIS-2, DSGVO: Was im Ernstfall zählt

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Typische Befunde in der Praxis

In vielen Analysen zeigt sich ein ähnliches Bild: Einzelne Bereiche sind gut aufgestellt, andere weisen gravierende Lücken auf. Beispielsweise sind Backups technisch solide umgesetzt, aber nie in einem umfassenden Wiederanlaufszenario getestet worden. Oder die Daten liegen in europäischen Rechenzentren, werden jedoch von Anbietern betrieben, die zusätzlicher außereuropäischer Jurisdiktion unterliegen. Manchmal ist die Technik robust, während Zuständigkeiten, Notfallkommunikation oder der Umgang mit einem Ausfall des zentralen Dienstleisters ungeklärt bleiben.

Entscheidend ist oft nicht die einzelne Schwachstelle, sondern das Zusammenspiel mehrerer Risiken. Eine unzureichend geschützte Backup-Infrastruktur, starke Abhängigkeiten von einzelnen Dienstleistern und unzureichend getestete Wiederherstellungsprozesse können dazu führen, dass sich ein zunächst beherrschbarer Vorfall zu einer länger andauernden Krise entwickelt.

Der erste Schritt zu mehr digitaler Souveränität besteht darin, die eigene Situation strukturiert zu bewerten. Statt sich allein auf vorhandene Dokumentation oder Konfigurationen zu verlassen, sollten öffentliche Organisationen gezielt fragen:

  • Wie lange würde es realistisch dauern, unsere wichtigsten Verfahren wieder arbeitsfähig zu machen?
  • Wann wurden diese Szenarien zuletzt vollständig getestet, inklusive Abhängigkeiten und externer Dienstleister?
  • Unter welchem Rechtsraum stehen unsere Sicherungsdaten und wer hat Zugriff auf Schlüssel und Metadaten?
  • Welche Verfahren sind für unsere Handlungsfähigkeit kritisch und in welcher Reihenfolge müssen sie wieder anlaufen?
  • Was passiert, wenn ein zentraler Dienstleister im Krisenfall ausfällt?

Strukturierte Selbstbewertungen und kompakte Souveränität-Checks helfen, aus einem diffusen Unsicherheitsgefühl zu einer belastbaren Einschätzung zu kommen. Sie machen sichtbar, wo die größten Risiken liegen, sei es in der technischen Basis, in der Organisation oder in rechtlichen Rahmenbedingungen, und ermöglichen es, Maßnahmen gezielt zu priorisieren.

Digitale Souveränität entscheidet sich im Ernstfall

Für den öffentlichen Sektor reicht es nicht mehr aus, Backups zu haben und formale Anforderungen aus DSGVO und NIS-2 zu erfüllen. Entscheidend ist, ob eine Organisation nach einem Ausfall schnell, rechtssicher und unter eigener Kontrolle wieder handlungsfähig wird.

Eine souveräne Backup-Strategie verbindet deshalb drei Ziele: belastbare Wiederherstellungsfähigkeit, klare Kontrolle über Daten und Rechtsräume sowie beherrschbare Abhängigkeiten von Anbietern. Wer diese Dimensionen frühzeitig adressiert, reduziert das Risiko längerer Ausfälle und schafft die Grundlage dafür, im Ernstfall souverän zu handeln, im Interesse der eigenen Organisation und der Öffentlichkeit.

Die Autorin
Susanne Moosreiner, CEO SEP GmbH

Bildquelle: SEP

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