Früher als in den Jahren zuvor – am 29. und 30. April – trafen sich Expertinnen und Experten aus Verwaltung und Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zum diesjährigen eGovernment Summit in Heidelberg. Das Treffen fiel in eine Zeit der Umbrüche, das spiegelte sich auch in den Vorträgen und intensiven Diskussionen.
Podiumsdiskussion „Neustaat digital: souverän, resilient, bürgernah" beim 18. eGovernment Summit.
Gastgeberland des eGovernment Summit war in diesem Jahr Baden-Württemberg. Stefan Krebs, Ministerialdirektor und CIO/CDO des Landes eröffnete die Veranstaltung. Er stellte den baden-württembergischen Weg zur Digitalisierung vor.
Der eGovernment Summit war und ist ein Vertrauensraum, um sich auszutauschen und Ideen zur Diskussion zu stellen. Um Abkapselung oder Selbstbespiegelung geht es dabei jedoch nicht. Die großen Umbrüche, die unsere Gegenwart prägen, wie Krieg, der Rückzug der USA und das Ende der liberalen Weltordnung, waren bei den Gesprächen sehr präsent. Sicherheits- und Wirtschaftslage mögen zunächst verwaltungsexterne Themen sein, tatsächlich aber machen sie eine handlungsfähige Verwaltung dringender denn je. Daher waren in diesem Jahr auch mehrere externe Redner geladen, die aus Sicht der Wissenschaft und Wirtschaft berichteten.
Prof. Dr. Henrik Müller vom Lehrstuhl für Wirtschaftspolitischen Journalismus der TU Dortmund sprach in seiner Impulskeynote „Die Deutschland-Wende – wie bekommen wir das Land wieder flott?“ von der größten Transformation seit dem 2. Weltkrieg. Er erläuterte das „Unsicherheitsbarometer“ und Analysen zur Strukturkrise und zeigte Lösungsansätze auf: mehr Arbeit, durchaus im Sinne von längerer (Lebens)arbeitszeit, mehr Kapital und mehr Geist – Investition in geistiges Eigentum.
Mit ihrem Impulsstatement „Aller Erkenntnis zum Trotz" setzte sich Carola Heilemann-Jeschke, CIO der Freien Hansestadt Bremen, eindringlich mit der Frage auseinander, warum wir in der so dringend nötigen Verwaltungsmodernisierung noch immer viel zu wenig umsetzen. Die Welt so zu sehen, wie sie ist, erfordere großen Mut, sagte sie. Um ins Handeln zu kommen, brauche es zudem ein wirkliches Veränderungsbedürfnis.
„Wir müssen uns etwas trauen“, bekräftigte auch Dr. Denis Alt, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz. In seinem Impulsbeitrag widmete er sich der Frage, wie Digitalisierung die Demokratie stärkt.
Welche Rolle kann das Sondervermögen für ein Infrastrukturpaket bei der Verwaltungsdigitalisierung spielen? Bereits im Vorfeld hatte Ernst Bürger, IT-Beauftragter im Ministerium der Justiz und für Digitalisierung des Landes Brandenburg, den Wunsch geäußert, dass auf diesem Weg „eine souveräne und resiliente IT-Infrastruktur für die gesamte deutsche Verwaltung entsteht, die uns besser und unabhängiger macht“. In seinem Impulsstatement „Das Infrastrukturpaket Digitalisierung des Bundes – was die Länder liefern müssen“, führte er die Überlegungen näher aus.
Dienste sinnvoll bündeln statt mehrfach zu entwickeln – das ist auch auf kommunaler Ebene sinnvoll: Sachsen-Anhalt bietet Zentrale Service-Angebote – und viele Kommunen wollen dabei sein. CIO Bernd Schlömer, Staatssekretär und Beauftragter der Landesregierung für Informations- und Kommunikationstechnologie im Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt, stellte das Projekt vor.
FITKO-Präsident Dr. André Göbel sprach über die „Hausaufgaben föderale IT-Architektur“. Der bislang unabgestimmten Entwicklung der Basisinfrastruktur in der Verwaltung stellte er das Zielbild einer föderalen Plattform-Architektur gegenüber und beschrieb den Weg zur „Deutschland-Architektur“.
KI als Kreativitätsbooster
Nach den Überlegungen zu Struktur und Strategie stellt sich in der Podiumsdiskussion die Frage nach der Umsetzung. Worauf kommt es denn an, wenn neue Projekte erfolgreich sein sollen, und wie gelingt es, die Mitarbeitenden zu begeistern? Wer nun einen Best-Practice-Reigen erwartet hatte, wurde überrascht. Moderatorin Sabine Smentek fragte nämlich, in Anlehnung an die Idee der FuckUp Nights, explizit nach Projekten, die scheiterten – und was sich daraus lernen lässt. Was die Frage nach den Mitarbeitenden angeht, stand auch in der anschließenden Fragerunde die KI-Anwendung im Fokus. Angst vor KI oder davor, durch KI ersetzt zu werden, hätten die Wenigsten, sagte Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Informatikprofessor an der Universität Bremen und GovTech-Beauftragter des Senators für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen.
Stand: 08.12.2025
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Es sei wichtig zu verstehen, dass „KI nicht einfach eine neue Art der Software ist“, betonte Dr. Hans Michael Strepp, Ministerialdirektor und Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Digitales. Mit Hilfe von KI könnten Mitarbeitende wieder eine Fähigkeit lernen, die über Jahre in den Verwaltungen eher nicht gefördert wurde: Kreativität.
Die Diskussion leitete somit direkt über zum nächsten Themenblock „KI und Praxis“. Prof. Dr. Christian Djeffal, Rechtswissenschaftler und Professor für Recht, Wissenschaft und Technologie an der TU München, skizzierte zunächst in seiner Impulskeynote den aktuellen Stand und die wichtigsten Entwicklungen; anschließend berichteten Teilnehmende von den Erfahrungen in ihren Bundesländern. „Wie Baden-Württemberg zum KI-Länd wird“, erläuterte Daniela Sauter, Projektleiterin beim zentralen Landesdienstleister BITBW. Sie ging dabei insbesondere auch auf die Pläne zum Verwaltungsassistenten F13 ein, der sich derzeit im Early Adopter Rollout befindet. Dr. Horst Baier, CIO in Niedersachsen konnte mit einem Erfahrungsbericht aus der KI-Werkstatt Niedersachsen aufwarten. Das Land testet mehrere Ansätze, von LLMoin bis Copilot, und lernt daraus. Zu den Herausforderungen gehörten zum Beispiel die hohen Kosten für große Sprachmodelle – kleine Modelle für spezielle Fragestellungen seien effizienter.
Es sei gut, dass gleich mehrere KI-Assistenzsysteme in den Verwaltungen getestet würden, befand Adrian Gelep, Geschäftsführer der DigitalAgentur Brandenburg. Doch müsse nun nicht jedes Land noch etwas Neues erfinden. Er mahnte außerdem, nicht zunächst nach allen nur denkbaren Anwendungen zu suchen, sondern besser mit konkreten Projekten zu beginnen, bei denen ein KI-Einsatz sinnvoll sei, etwa als Unterstützung bei EfA-Leistungen.
Vertieft wurde das Thema auch im Rahmen der anschließenden Roundtable-Gespräche. Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves (Universität Bremen) erläuterte anhand von Studienergebnissen, welche Mehrwerte durch künstliche Intelligenz bereits heute messbar sind.
Die inzwischen verbreitete Nutzung von Chatbots sei nur die erste Stufe, als nächstes stehe die Prozessoptimierung mit Hilfe von KI an und in der dritten Stufe dann die Entwicklung eigener KI-Anwendungen in Low-Code-Umgebungen.