EUDI-Wallet Kommunen können bereits heute in vielen Bereichen profitieren

Ein Gastbeitrag von Rudolf Philipeit 4 min Lesedauer

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Die European Digital Identity Wallet, besser bekannt als EUDI-Wallet, soll ab Januar 2027 fester Bestandteil des Alltagslebens werden. Doch bereits Monate vorher können Akteure aus der öffentlichen Verwaltung Synergieeffekte der Wallet, wie beispielsweise den elektronischen Fahrzeugschein, nutzen, um effizienter und nachhaltiger zu arbeiten.

Bei dem abgebildeten Koffer handelt es sich um ein tragbares Bürgerbüro.  (Bild:  buergerservice.org)
Bei dem abgebildeten Koffer handelt es sich um ein tragbares Bürgerbüro.
(Bild: buergerservice.org)

„Mann, ist das cool!“ – diesen Ausspruch höre ich in den vergangenen Wochen immer öfter und habe dabei selbst immer wieder gute Laune. Neulich war wieder so ein Fall. Ich war auf einer unserer eID-Roadshows und habe demonstriert, wie man als Fahrzeughalter den digitalen Fahrzeugschein rechtsgültig auf das eigene Smartphone holen und mit anderen Fahrern des Fahrzeugs teilen kann. Üblicherweise finden derartige Präsentationen mit unseren Mitgliedskommunen von buergerservice.org statt. Entweder handelt es sich bei den Teilnehmern um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behörde selbst oder wir sind auf Kongressen oder in Fußgängerzonen unterwegs, um ganz verschiedene Personengruppen zu erreichen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der eID-Roadshow sind häufig bereits durch die Ankündigung, dass man den digitalen Fahrzeugschein im Rahmen der Veranstaltung mitnehmen kann, derart motiviert, dass sie an der Vorführung direkt mit dem eigenen Smartphone teilnehmen wollen. Wir weisen stets rechtzeitig darauf hin, dass man zum Abholen des digitalen Fahrzeugscheins aus dem zentralen Fahrzeugregister des Kraftfahrt-Bundesamtes den Online-Ausweis (eID) und die zugehörige PIN benötigt. Das dämpft dann im ersten Moment die gute Laune bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, da sie in den meisten Fällen die PIN zu ihrem Personalausweis nicht kennen.

An dieser Stelle bringen wir gemeinsam mit der jeweiligen Mitgliedskommune die jüngste Entwicklung von buergerservice.org ins Spiel, den Flotte-PIN-Koffer. Mit Hilfe dieses Koffers kann die Sachbearbeitung aus einem Bürgeramt die zum Neusetzen einer PIN für den Personalausweis erforderliche Technik (V-AET, Bedien-Tablet und Notebook) am eigenen Arbeitsplatz vorübergehend abstecken und im Koffer an der vorbereiteten Verkabelung anschließen. Für den Einsatz außer Haus müssen die Komponenten entsprechend konfiguriert werden (Stichwort: Fernzugriff). Und schon ist es an den eID-Roadshows möglich, dass die Teilnehmer während der Veranstaltung eine PIN neu setzen und schlussendlich den digitalen Fahrzeugschein mit nach Hause nehmen können.

Diese Gute-Laune-Situationen kann jede Kommune nutzen, um bereits heute von der EUDI-Wallet zu profitieren. Die Herangehensweise ist dabei ganz einfach. Der digitale Fahrzeugschein macht eine von mehreren Funktionen der – ab dem 2. Januar 2027 verfügbaren – EUDI-Wallet erlebbar. Das Abholen eines hoheitlichen Dokuments auf das eigene Smartphone mit der Möglichkeit, dieses Dokument in unterschiedlichen Lebenssituationen rechtsgültig vorzeigen zu können. In der EUDI-Wallet sollen nach dem Erscheinen Zug um Zug viele weitere hoheitliche Dokumente, wie der Personalausweis selbst, der Führerschein, diverse Zeugnisse europaweit, rechtsgültig und digital abgespeichert werden können. Darüber hinaus werden auch Bescheide, welche man zukünftig über das Postfach der BundID erhält, in die EUDI-Wallet integrier- und nutzbar sein. Das bedeutet, dass eine Kommune über das Angebot, den digitalen Fahrzeugschein auf das eigene Smartphone zu holen, auf die EUDI-Wallet selbst und viele weitergehende Funktionen, die im Zusammenhang mit eID, BundID und EUDI-Wallet stehen, aufmerksam machen kann. Auf kommunaler Ebene ist das beispielsweise dadurch möglich, dass man mit diesen Kennenlern- und Registrierungsevents der digitalen Basisfunktionen aktiv an die Bevölkerung herantritt.

Das mag im ersten Moment nach viel Aufwand klingen, ist aufgrund der Gute-Laune-Ausgangssituation aber umsetzbar. Ich persönlich gehe davon aus, dass Kommunen mit derartigen Veranstaltungen sogar Turnhallen oder ganze Festzelte füllen könnten. Entsprechend der Satzung wird buergerservice.org bei passender Gelegenheit derartige Veranstaltungen selbstredend mit initiieren und inhaltlich ausrichten.

Die genannten Basisfunktionen werden so in der Stadtbevölkerung verbreitet und können leichter situativ und spontan genutzt werden. Die BundID mit ihrem hohen Vertrauensniveau ist bereits heute – in Kombination mit der eID – die wesentliche Voraussetzung für die internetbasierte Zulassung von Kraftfahrzeugen oder für die elektronische Wohnsitzanmeldung. Soll heißen, dass Kommunen von einer deutlichen Steigerung der Nutzungszahlen dieser und weiterer Selfservice-Dienste nur profitieren können. Eine Kommune ist dadurch befähigt, dem verbreiteten Personalmangel und den damit für die Bürgerinnen und Bürger einhergehenden langen Wartezeiten auf einen Termin direkt zu begegnen.

Es eröffnen sich aber auch ganz neue Möglichkeiten für Kommunen im Bereich der digitalen Daseinsvorsorge, der Sozialhilfe oder auch einer besseren Resilienz im Katastrophenfall. Darüber hinaus trägt all das auch zu einer direkteren Demokratie bei. Diese Punkte in Gänze auszuführen, würde meinen Beitrag an dieser Stelle jedoch deutlich sprengen. Ich will den Faden hierzu zu gegebener Zeit jedoch wieder aufgreifen.

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Mit dieser Kolumne möchte ich alle Kommunen einladen, erste kleine Schritte nach obigem Muster zu gehen. Nennen Sie es Bürgerservice zur Vorbereitung auf die EUDI-Wallet für eine bessere digitale Daseinsvorsorge. Sie werden erleben, wie die Schritte immer größer werden. In diesem Sinne wünsche ich viel gute Laune auf diesem Weg.

Der Autor
In seiner Kolumne unterstreicht Rudolf Philipeit, Gründer und Vorstand des gemeinnützigen Vereins buergerservice.org, Gute-Laune-Punkte, die ihm beim täglichen Umgang mit der eID-Funktion des Personalausweises unter die Finger kommen und ihm darüber hinaus persönlich viel Freude bereiten.

Bildquelle: buergerservice.org

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