Personalie Generationswechsel am Fraunhofer AISEC

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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Die Sicherheit großer KI-Modelle rückt beim Fraunhofer AISEC stärker in den Fokus. Seit Oktober 2026 leitet Dr. Franziska Boenisch das Institut. Dr. Georg Sigl übernimmt die Geschäftsführung von Gründerin Dr. Claudia Eckert. Für Behörden ist das AISEC unter anderem als Sicherheitspartner bei der EUDI-Wallet wichtig.

Claudia Eckert (rechts) mit Georg Sigl und Franziska Boenisch. (©  Fraunhofer AISEC)
Claudia Eckert (rechts) mit Georg Sigl und Franziska Boenisch.
(© Fraunhofer AISEC)

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC im bayerischen Garching hat eine neue Doppelspitze. Seit 1. Oktober 2026 ist die KI-Sicherheitsforscherin Prof. Dr. Franziska Boenisch Institutsleiterin. Prof. Dr. Georg Sigl übernimmt die geschäftsführende Leitung von Prof. Dr. Claudia Eckert, die zum 30. September in den Ruhestand gegangen ist.

Dr. Eckert hat das AISEC ab 2009 aus einer Projektgruppe heraus aufgebaut. 2011 wurde daraus eine Fraunhofer-Forschungseinrichtung, Ende 2013 ein eigenständiges Institut. Heute arbeiten dort rund 260 Beschäftigte. Seit Juli 2025 ist Eckert außerdem Präsidentin von acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

Ihr Nachfolger als geschäftsführender Institutsleiter kennt das Haus seit Langem: Georg Sigl hatte seit 2010 den Posten als Institutsleiter am AISEC inne. An der Technischen Universität München (TUM) hat er den Lehrstuhl für Sicherheit in der Informationstechnik inne.

Sicherheit großer KI-Modelle im Fokus

Mit Dr. Franziska Boenisch hält auch ein neuer thematischer Schwerpunkt an der Spitze des Instituts Einzug. Sie erforscht Datenschutz und Sicherheit großer KI-Modelle. Dabei sucht sie nicht nur in den Modellen selbst, sondern auch in den Systemen, in die diese eingebettet sind nach Schwachstellen. Mittels Auditing und Red Teaming verleiht sie diesen Risiken eine Metrik. Weiter beschäftigt sich Dr. Boenisch mit der Entwicklung von Schutzmechanismen mit beweisbaren Garantien. Parallel zu ihrer Tätigkeit bei AISEC wurde sie von der TUM auf den Lehrstuhl für Software- und Systemsicherheit berufen.

Boenisch kehrt an ein Institut zurück, das sie gut kennt. Sie promovierte an der Freien Universität Berlin und am Fraunhofer AISEC, ihre Dissertation wurde ausgezeichnet. Danach forschte sie am Vector Institute in Toronto. Zuletzt war sie leitende Wissenschaftlerin am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken. Dort erhielt sie 2025 einen ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats. Mit rund 1,5 Millionen Euro untersucht sie im Projekt „Privacy4FMs“, wie sich sensible Trainingsdaten in Foundation Models schützen lassen.

Relevanz für die öffentliche Verwaltung

Für den öffentlichen Sektor stellt das AISEC einen wichtigen Forschungspartner dar. Bei der deutschen Variante der EUDI-Wallet – d-you – ist das Institut maßgeblich an der Entwicklung beteiligt. Die Agentur für Sprunginnovationen SPRIND setzt die Wallet im Auftrag des Bundes um, gemeinsam mit Bundesdruckerei und unter Beteiligung des BSI. Für das BSI hat das AISEC zudem mehrere Studien erstellt, etwa zur Sicherheit von Quantum Machine Learning.

Die Kurskorrektur des AISEC kommt zu einem Zeitpunkt, an welchem viele Behörden KI-Assistenten und Sprachmodelle erproben oder sie gar schon im Produktivbetrieb einsetzen. Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme gemäß der EU-KI-Verordnung wurden von Brüssel durch den Digital Omnibus allerdings auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Dazu zählen auch Anwendungen beim Zugang zu öffentlichen Leistungen. Verwaltungen bleibt damit etwas mehr Zeit, sich an die Reglements anzupassen. Den Bedarf des Public Sectors an Methoden, mit denen sich KI-Risiken nachprüfbar bewerten lassen, wird das aber kaum reduzieren.

Es bleibt abzuwarten, wie stark die neue Doppelspitze das Profil des AISEC tatsächlich in Richtung KI-Sicherheit verschiebt und welche Projekte mit öffentlichen Auftraggebern daraus entstehen werden.

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