EUDI-Wallet Europas digitale Brieftasche hat ein Bekanntheitsproblem

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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Ab Januar 2027 sollen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Ausweis, Führerschein und andere Dokumente per Smartphone nutzen können – mit der EUDI-Wallet. Doch eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt, dass über 50 Prozent der Bevölkerung noch nie davon gehört hat. Der Digitalverband fordert eine breite Aufklärungskampagne.

So oder so ähnlich könnte es in naher Zukunft aussehen, wenn sich jemand gegenüber einer staatlichen Stelle ausweisen muss. Die Integration der EUDI-Wallet in die tägliche Lebensrealität vieler Bürgerinnen und Bürger – Stichwort Smartphone – soll zum Jahreswechsel 2026/27 vollzogen werden.(Bild: ©  Ada - stock.adobe.com)
So oder so ähnlich könnte es in naher Zukunft aussehen, wenn sich jemand gegenüber einer staatlichen Stelle ausweisen muss. Die Integration der EUDI-Wallet in die tägliche Lebensrealität vieler Bürgerinnen und Bürger – Stichwort Smartphone – soll zum Jahreswechsel 2026/27 vollzogen werden.
(Bild: © Ada - stock.adobe.com)

Mehr als die Hälfte der Deutschen ab 16 Jahren haben den Begriff EUDI-Wallet noch nie gehört. Weitere 18 Prozent kennen zwar den Namen, wissen aber nicht, was sich dahinter verbirgt. Nur jeder und jede Fünfte weiß, worum es geht, und lediglich einer von Zwanzig kann die digitale Brieftasche gut erklären. Dieses ernüchternde Bild ergibt eine repräsentative Bitkom-Befragung von 1.004 Personen aus dem Frühjahr 2026.

Dabei steht der Starttermin für die Identitätsbörse bereits lange fest. Am 2. Januar 2027 soll die EUDI-Wallet in Deutschland verfügbar sein. Sie ermöglicht es, offizielle Dokumente wie den bundeseinheitlichen Personalausweis oder Führerschein auf dem Smartphone zu speichern und bei Bedarf digital vorzuzeigen – ob bei Behördengängen, Vertragsabschlüssen oder Altersverifikationen im digitalen Raum.

Laut Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sei die EUDI-Wallet „eine der bedeutendsten Innovationen dieser Jahre“. Damit sie zum Standard werde, brauche es jedoch eine breite Aufklärungskampagne. Die Technologie könne nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn die Menschen sie kennen und ihr vertrauen.

Die Grundlage bildet die überarbeitete eIDAS-Verordnung (eIDAS 2.0), die seit Mitte Mai 2024 in Kraft ist. Sie verpflichtet alle EU-Mitgliedstaaten, bis Ende 2026 mindestens eine zertifizierte EUDI-Wallet bereitzustellen. Ab 2027 greift zudem eine Akzeptanzpflicht für regulierte Branchen und große Plattformen. Die EU strebt bis 2030 gar eine Nutzungsquote von gut 80 Prozent an.

Wirtschaft zeigt sich interessiert – aber abwartend

Deutlich weiter als die Bevölkerung ist hingegen die Wirtschaft. Laut einer separaten Bitkom-Befragung von 605 Unternehmen wollen 82 Prozent der Befragten die EUDI-Wallet einsetzen. Die häufigsten geplanten Anwendungsszenarien sind dabei die Identitätsprüfung, diverse Login-Verfahren, digitale Nachweise aller Art sowie elektronische Unterschriften.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass erst vier Prozent der Unternehmen konkrete Schritte unternommen haben. Drei Viertel warten – nach eigenen Angaben – noch ab. Über 100 Unternehmen haben ein Memorandum of Understanding mit Bitkom und dem Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (BMDS) unterzeichnet, um Anwendungen bereitzustellen und gegebenenfalls Prozesse anzupassen.

310 Millionen Euro bis 2029

Der Bund investiert in erheblichem Maße in die Entwicklung der Wallet. 131 Millionen Euro standen allein für 2025 im Bundeshaushalt bereit, insgesamt sind bis 2029 rund 310 Millionen Euro eingeplant. Die Mittel sollen in technische Entwicklung, Zertifizierung, Interoperabilitätstests sowie die Integration in bestehende Systeme wie die AusweisApp und die BundID fließen. Koordiniert wird die Umsetzung durch das BMDS in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND.

Die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und öffentlicher Wahrnehmung liegt auf der Hand und könnte größer nicht sein. Während Berlin und Brüssel bereits an der technischen Infrastruktur arbeiten, hat die Mehrheit der Bevölkerung noch keine realistische Vorstellung davon, was auf sie zukommen wird. Ob die EUDI-Wallet ab 2027 tatsächlich zur alltäglichen digitalen Brieftasche wird, hängt wohl maßgeblich davon ab, ob es den Verantwortlichen gelingt, dieses Informationsdefizit nachzuholen.

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