Früher Feierabend, Bürokratie, keine Lust auf Arbeit: Das sind allbekannte Klischees über deutsche Behörden und Ämter. Eine neue Comedy-Serie bei ZDFneo greift diese Vorurteile jetzt humorvoll auf.
Zwischen Aktenbergen, Bürokratie und Karriereplänen werden Neu-Chefin Ronja und ihre Kolleginnen und Kollegen zum „Besten Team“ des Bürgeramts Berlin Tiergarten-Mitte-West.
(Bild: ZDF/Lutz Lemke/Dardan Sejdija)
Man kann sich ungefähr vorstellen, wie es im fiktiven Bürgeramt Berlin Tiergarten-Mitte-West wohl riecht. Wahrscheinlich nach viel schwarzem Kaffee. Telefone klingeln, Aktenordner stehen im Regal, und Unterlagen werden durch die Gegend getragen. Doch wirklich gearbeitet wird hier nicht. Stattdessen überlegen die Mitarbeiter zum Beispiel, ob man den „Schnitzeltag“ in der Kantine verlegen könnte, damit der Betriebsausflug in die Ferienanlage mit Wellenbad klappt.
Mit solchen „Problemen“ schlägt sich das Behördenteam in der neuen Improvisations-Comedy „Nine to Five – Das Amt“ bei ZDFneo herum. Die acht Folgen sind ab jetzt beim ZDF streambar, ab dem 27. Oktober zeigt ZDFneo um 21.45 Uhr wöchentlich eine Doppelfolge im linearen Fernsehen. Die Serie nimmt den Alltag auf dem Amt auf die Schippe, der durcheinander gewirbelt wird, als die neue Chefin Ronja Keller (Friederike Kempter) eine Fachabteilung des Bürgeramts übernimmt.
Zwischen „Stromberg“ und Impro-Comedy
Die Serie ist im Mockumentary-Stil angelegt, wie man es zum Beispiel schon von der Büro-Satire „Stromberg“ kennt. Eine Mockumentary nimmt das Genre der Dokumentation aufs Korn und parodiert deren Gepflogenheiten. Manchmal spielen die Figuren mit der Kamera und werfen ihr einen verstohlenen Blick zu, wenn zum Beispiel etwas aus ihrer Sicht gerade falsch läuft. Immer wieder sitzen sie vor der Kamera und kommentieren das Geschehen in Interviews.
Tatsächlich erinnert „Nine to Five“ von der Idee her auf den ersten Blick an „Stromberg“. Doch in der Serie läuft einiges anders. Statt in einer Versicherung spielt sie in einer Behörde und ist laut ZDF in allen Dialogen komplett und szenisch in großen Teilen improvisiert. Lustige Situationen und Fremdscham-Momente entstehen so durch die Interaktionen der Charaktere, die alle auf ihre Art unbeholfen sind.
Wie zum Beispiel Chefin Keller, die aus der Privatwirtschaft („eine ganz andere Welt“) neu in die Behörde kommt und dort Karriere machen will. Doch direkt am ersten Tag erhält sie die unliebsame Aufgabe, jemanden aus dem Team „abzuordnen“, sprich zu versetzen – außer Kollegin Katja, die Schwägerin des Behördenleiters. Großes Chaos entsteht, als Keller den Auftrag einfach an die engagierte Mitarbeiterin Conny (Lisa Hrdina) abgibt, die in ihrem Job zwar aufzublühen, aber kein richtiges Privatleben zu haben scheint.
Serie nimmt Klischees über Behörden auf die Schippe
Im Laufe der acht jeweils rund halbstündigen Folgen lernt man die Charaktere besser kennen. Da ist zum Beispiel der Abteilungsliebling Orkan (Yasin El Harrouk), der sich selbst einmal als „Der Pate“ der Abteilung bezeichnet und versucht, mit seiner Kollegin Dilara (Roxana Samadi) zu flirten.
Oder die Personalrätin Gisela (Petra Hartung), die an einer Stelle ein Interview vor der Kamera um Punkt 12 Uhr pünktlich zur Mittagspause verlässt, und Wolle (Florian Renner) aus der Poststelle, der an seiner Tür ein Schild mit der Aufschrift hat: „Ich gebe immer 100 % bei der Arbeit. Montags 9 %, dienstags 25 %, mittwochs 41 %, donnerstags 23 %, freitags 2 %“.
Es gibt viele Klischees über Beamtinnen und Beamten in Behörden – zu viel Bürokratie, wenig Lust auf die Arbeit, früher Feierabend zum Beispiel. „Nine to Five – Das Amt“ greift diese Vorurteile auf und entwickelt daraus skurrile Alltagsmomente. Der Teamausflug in die Ferienanlage droht etwa daran zu scheitern, dass Chefin Keller erst mal alle möglichen Unterschriften und Genehmigungen der Vorgesetzten einholen muss. Und als ein Stromausfall an einem Freitag die Abteilung trifft, ist bei der IT schon fast jeder im Wochenende.
Comedienne „Conny from the Block“ an Serie beteiligt
Die Charaktere der Serie sind von Figuren der Comedienne Tülin Sezgin inspiriert. Bei TikTok und Instagram ist sie unter dem Namen „Conny from the Block“ bekannt. Dort parodiert sie in Videos den Behördenalltag, indem sie in verschiedene Figuren schlüpft. Allein bei Instagram folgen ihr fast 340.000 Menschen. Sezgin hat selbst einige Jahre in einer Berliner Behörde gearbeitet und an der Entwicklung von „Nine to Five“ mitgewirkt.
Stand: 08.12.2025
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In der Serie übernimmt sie die Rolle der Kantinen-Chefin und „Küchenfee“ Hanni. Dem ZDF sagte Sezgin in einem Interview: „Es war mir sehr wichtig, dass wir hier nicht eine Serie machen, die Behörden auslacht, sondern gemeinsam auch als Behördenmitarbeiter über uns lachen und über dieses System. Dass wir die liebevollen Kolleginnen und Kollegen auf Behörden zeigen, ihre Facetten und auch, warum sie so sind“.
Das gelingt der Serie auch durch ihren gestellt-dokumentarischen Stil der Mockumentary – ein Format, das seit einiger Zeit in mehreren Produktionen zu sehen ist. Einige Beispiele sind die Impro-Comedy „Die Discounter“ über einen Supermarkt in Hamburg, „Gerry Star – Der (schlechteste) beste Produzent aller Zeiten“ über einen erfolglosen Musikproduzenten oder die Serie „Player of Ibiza“, die Reality-Shows aufs Korn nimmt.