Arbeitskreis Cloud des NEGZ Lasst uns über Cloud ­reden – schon wieder

Ein Gastbeitrag von Dr. André Göbel & Werner Achtert 6 min Lesedauer

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Cloud-Services bilden die chancenreichste Technologiestufe, um den Herausforderungen der digitalen Transformation zu begegnen – nicht nur im Public Sector. Der Arbeitskreis Cloud im Nationalen E-Government Kompetenzzentrum verbindet hierzu Verwaltung mit Wirtschaft und Wissenschaft, um aktuelle Fragen aus der ­Praxis zu kanalisieren. Anfang Juni fanden hierzu gleich zwei Veranstaltungen statt: Eine Sitzung des Arbeitskreises gemeinsam mit der govdigital eG und eine Tagung zu Vergabefragen der Verwaltungscloud in Kooperation mit dem deutschen Vergabenetzwerk.

Gruß des Arbeitskreis Cloud im NEGZ aus der Sitzung vom 6. Juni mit der govdigital(©  André Göbel)
Gruß des Arbeitskreis Cloud im NEGZ aus der Sitzung vom 6. Juni mit der govdigital
(© André Göbel)

Alle reden über Cloud, aber keiner macht mit? So schien es zumindest im Bundespressehaus in Berlin, bei der gemeinsamen Tagung des Deutschen Vergabenetzwerks (DVNW) mit dem Nationalen E‑Government Kom­petenz­zentrum (NEGZ) am 7. Juni. Unter dem Motto „Ab in die Cloud - Perspektiven von Cloud-Technologien im öffentlichen Sektor“ diskutierten über 150 Teilnehmende, darunter Kolleginnen und Kollegen aus Bund, Ländern und Kommunen sowie der Sozialträger und weiterer öffentlicher Betriebe. Als dieses Fachpublikum gefragt wurde, wer denn schon Cloud-Verfahren in der eigenen Institution nutze, meldete sich eine einzige Vertreterin mit einem Beispiel auf Bundesebene im Status „in Erprobung“.

Gruß des Arbeitskreis Cloud im NEGZ aus der Sitzung vom 6. Juni mit der govdigital(©  André Göbel)
Gruß des Arbeitskreis Cloud im NEGZ aus der Sitzung vom 6. Juni mit der govdigital
(© André Göbel)

Sicherlich ist dieses Ergebnis nicht repräsentativ. Denn es gibt bereits betriebsbewährte Cloud-Anwendungen im öffentlichen Sektor, die ihre prognostizierten Stärken um Ausfallsicherheit, Belastbarkeit, Flexibilität, Skalierbarkeit und vielem mehr bewiesen haben. Dafür stehen beispielsweise die dBildungscloud von Dataport mit über 2 Millionen Nutzenden aus Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen auf der Infrastruktur von IONOS oder auch die Deutsche Bahn, die ihre komplette IT mit zeitweise über 8.000 Servern samt Anwendungen komplett in die Cloudangebote von Microsoft und AWS verlagert hat.

Zugleich werden beim öffentlichen Einsatz von Cloud-Angeboten immer wieder Sicherheits- und Datenschutzbedenken laut. Das diese Hürden überwunden werden können, zeigte etwa die rasante Entwicklung der Corona-Warn-App der Bundesregierung, die auf der Open-Telekom-Cloud-Infrastruktur den offenen Standard OpenStack nutzte. Hier waren Datenschützer und Sicherheitsexperten von Beginn an eng in die Entwicklung eingebunden. Aufgrund der Architektur der Software- und Infrastruktureinbindung gilt die App als ein internationales Best Practice für dezentrale Verarbeitung, Datenschutz, Sicherheit und Skalierbarkeit in Cloud-Betriebsstrukturen.

Diese Diskrepanzen zwischen Erfolgen und Zurückhaltungen, aber auch zwischen Herausforderungen und Chancen, sieht der Arbeitskreis Cloud im NEGZ als Auftrag zum Austausch. Ganz im Sinne der Grundwerte des NEGZ, die Digitalisierung der deutschen Verwaltung mit Wissenstransfer, Kompetenz und Impulsen voranzutreiben. Hierzu veröffentlichte der Arbeitskreis jüngst das Positionspapier „Multi-Cloud in der Verwaltung erfolgreich machen“ mit folgenden Handlungsfeldern für den Einsatz von Cloud-Technologien:

Handlungsfeld 1: Politischer und regulatorischer Rahmen

Die Verwaltung hat bisher wenig Erfahrungen mit Cloud-Technologien und wird selbst erhebliche Investitionen vornehmen müssen in eigenes Personal und eigene Infra­struktur. Wirtschaft und Öffent­liche Hand werden auf absehbare Zeit eng zusammenarbeiten müssen, um Fortschritt, Geschwindigkeit und Betriebsstabilität trotz der großen Veränderungen gewährleisten zu können. Vor diesem Hintergrund braucht es verlässliche Grundsatzentscheidungen für die zukünftige Beschaffung und Nutzung von Cloud-Systemen. Die Deutsche Verwaltungscloud-Strategie und die neue EVB-IT Cloud sind erste nützliche Instrumente, die nun konsequent angewandt und evaluiert werden sollten.

Handlungsfeld 2: Zweckmäßige Gesamtarchitektur als Big Picture

Meist haben bisherige Fachverfahren jeweils eine eigene Architektur und unterschiedliche Anforderungen an die darunterliegende Betriebsumgebung. Zur Umsetzung der wichtigen Ziele aus ­Registermodernisierung, Single Digital Gateway und modernen ­Datenarchitekturen bedarf es hier deutlicher Standardisierungen. Die schrittweise Schaffung einer Gesamtarchitektur als handlungsleitendes Big Picture reduziert die Aufwände in Softwareentwicklung und Betrieb. Dies sichert die Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig fortschreitender Standardisierung und Modernisierung für die Öffent­liche Hand.

Auf der nächsten Seite: Weitere Handlungsfelder & Hürden.

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