Auf dem Weg zur lernenden Organisation

Kaizen für Kommunen: Lernen in der Amtsstube

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Weg mit dem ­Radiergummi!

In unserer laufenden NEGZ-Studie, die wir zum Sommer 2024 ­fertigstellen, wird es kurze Impulse aus verschiedenen Bereichen geben, von denen die Verwaltung lernen könnte. Darunter auch vom Schulsystem aus Neuseeland, das die Eigenverantwortung und das Lernvermögen der jungen Menschen stärker fördert als hierzulande. Dort sind seit einigen Jahren Radiergummis verboten. Die Haltung gegenüber Fehlern heißt hier: Diese sind nicht „böse“ oder „schlimm“, sodass man sie schnellstmöglich wegradiert. Stattdessen werden sie als Anregungen und Chancen zum Lernen und Verbessern verstanden! Allein schon über dieses vermeintlich simple Beispiel ließe sich umfangreich ­diskutieren, wo und wie wir es in ­unsere hiesige Arbeitswelt und speziell in die Verwaltungen einfließen lassen könnten.

Natürlich erfordern kritische Infrastrukturen, Gefahrensituationen oder der Umgang mit sensiblen Daten ein fehlerfreies Handeln. ­Allerdings betreffen diese Bereiche nur einen geringen Teil der Arbeit in deutschen Verwaltungen. Für eine Veränderung in Richtung der von Clifton beschriebenen Haltung braucht es auch einen Rahmen, der das Lernen stärker fördert und in den Vordergrund stellt als das reine Vermeiden von Fehlern. Frei nach agilen Vorgehensweisen wie Design Thinking oder Scrum sollten häufiger Grundlagen zum Ausprobieren, zum Scheitern und Lernen geschaffen werden: Fail fast, fail early, fail often. Learn more and better.

Prof. Dr. Max Happel(©  Reinhard Blumenstein)
Prof. Dr. Max Happel
(© Reinhard Blumenstein)

Stolpern ist menschlich – und oft der Beginn des Lernens. Als Sie laufen gelernt haben, sind Sie vermutlich ein, zwei Mal hingefallen – und wieder aufgestanden, weil sie laufen wollten, es lernen wollten. Und genauso gehört es (mit Ausnahme der genannten kritischen Bereiche) auch in anderen Situationen des Arbeitslebens ­dazu, gelegentlich auf die Nase zu fallen. Jeder Fall ist eine Chance, das Gleichgewicht und die Fortbewegung besser zu verstehen. Doch wer Angst davor hat, das haben wir in unserer letztjährigen NEGZ-­Studie „Angst im Wandel“ umfangreich betrachtet, wird Situationen vermeiden, in denen die Gefahr des Scheiterns besteht. Dadurch jedoch werden Lernen und Verbessern unwahrscheinlich.

Für unsere neue Studie haben wir den LEARN-Fragebogen entwickelt, um Verwaltungen bei ihrer internen Bestandsaufnahme auf dem Weg zur Lernenden Organisation zu unterstützen. Die Arbeit mit unseren sechs kommunalen Praxispartner:innen aus Barleben, Berlin, Magdeburg, Montabaur, Paderborn und Wadgassen hat ­gezeigt, dass dieses Werkzeug vielfältige Anregungen für organisationales Lernen bietet.

Aber Achtung: Hat man dieses Self-Assessment durchgeführt, geschieht die Verbesserung nicht auf Knopfdruck von selbst. Auch ChatGPT & Co. werden nicht direkt helfen, man muss (und kann!) dann im Zusammenspiel aller Beteiligten – Führungskräfte aller Ebenen und Mitarbeitende aller Bereiche – selbst tätig werden, um das gemeinschaftliche Lernen weiter zu stärken. Um besser zu werden und dadurch im Sinne von Transformationskompetenz wertvolle Grundlagen aufzubauen, damit (erst dann) auch digitale Dinge dauerhaft fruchten und echten Mehrwert schaffen können.

Ein zentrales Ergebnis unserer ­Studie: Technische Aspekte sind entscheidend, um die Zukunft aktiv zu gestalten anstatt sie zu verschlafen. Die erfolgreiche Implementierung von IT und KI erfordert jedoch wirksame Lern- und Transformationskompetenzen in der gesamten Verwaltungsorganisation.

Auf der nächsten Seite: Rahmenbedingungen schaffen.

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