Flamingos in der Verwaltung, leere Postfächer als Lebensziel und Museen als digitale Plattformen: Die zweite Ausgabe der eGovernment Kommunal Digital Conference 2025 bot erneut unkonventionelle Perspektiven auf die Verwaltungsdigitalisierung.
Mehr Flamingos in der Verwaltung – also „bunte Vögel“, die Gleichgesinnte um sich scharen – wünschte sich Dr. Dorit Bosch im Rahmen der zweiten eGovernment Kommunal Digital Conference 2025.
Was haben Briefkästen mit Outlook-Postfächern gemeinsam? Und warum sollten Verwaltungen Fehler nicht nur tolerieren, sondern aktiv einfordern? Die zweite Ausgabe der eGovernment Kommunal Digital Conference 2025 Ende Oktober wartete einmal mehr mit ungewöhnlichen Ansätzen, Ansichten und Anekdoten auf – und bewies damit, dass die Veranstaltungsreihe ihrem Motto „Digitale Verwaltung neu denken“ treu bleibt.
Den Auftakt machte Lars Hoppmann, geschäftsführender Vorstand von VITAKO, der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister. In seiner Opening Keynote identifizierte er drei zentrale Erfolgsfaktoren für ein digitales Ökosystem der Verwaltung: Souveränität, Sicherheit und Zusammenarbeit. „Digitale Souveränität ist kein Buzzword, sondern das müssen wir einfach herstellen“, betonte Hoppmann. Für ihn bedeute digitale Souveränität, „dass ich das souveräne unabhängige Handeln der Verwaltung aus der analogen Welt in die digitale Welt übertrage“. Die Verwaltung dürfe in der digitalen Welt nicht abhängig von geopolitischen Strömungen oder Konzernen werden. Gleichsam warb Hoppmann eindringlich für mehr Kooperation zwischen kommunalen IT-Dienstleistern. „Anders schaffen wir es nicht“, so sein Fazit.
Ein Thema kam bei den Vorträgen immer wieder zur Sprache, nämlich das der Registermodernisierung. Michael Pfleger, Gesamtleiter NOOTS (National Once-Only Technical System) bei der FITKO, und Claus Hackethal vom Bundesverwaltungsamt lieferten zunächst ein Update zum Stand der Dinge. Die gute Nachricht, so Hacketahl: „Das Projekt liegt bisher komplett im Zeitplan.“ Die technische Entwicklung des MVP Nodes sei praktisch abgeschlossen, erste Tests seien erfolgreich verlaufen.
Im anschließenden Expertenpanel, moderiert von Dr. Dorit Bosch, wurde deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven auf die Registermodernisierung ausfallen. Tanja Schweiger, Landrätin des Landkreises Regensburg, formulierte die kommunale Erwartungshaltung, Detlef Sander, Geschäftsführer des DataBund e.V., warnte vor zu viel Zentralisierung. Michael Pfleger wiederum stellte klar, dass es nicht um Zentralisierung gehe, sondern um eine klare Rollentrennung: „Lasst uns die Zuständigkeit für die IT von der eigentlichen Vollzugszuständigkeit trennen.“ Die Kommunen bräuchten nicht für jedes Register alle fachlichen Fragen selbst zu beantworten – das werde einmal zentral geklärt.
Mindshift: Von Flamingos und Lernzonen
Nach diesem techniklastigen Vormittag sorgte Dr. Dorit Bosch für einen Perspektivwechsel der anderen Art. In ihrer Keynote „Mindshift für echte Staatstransformation“ rief sie dazu auf, Digitalisierung nicht nur als technisches, sondern als persönliches Entwicklungsprojekt zu verstehen. „Nur wenn du selber wächst“, so Bosch, „nur dann kannst du auch wirklich einen Beitrag leisten.“
Sie ermutigte die Zuhörerinnen und Zuhörer, ihre persönliche „Mindshift-Zone“ zu finden – jenen Bereich, in dem sie ihre Stärken einbringen und mit Begeisterung arbeiten können. Innovation entstehe nicht durch perfekte Strategiepapiere, sondern wenn Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas Neues entwickeln. Wer nicht selbst vorangehen wolle, könne der Erste sein, der einer neuen Idee beipflichtet: „Es ist nicht der Erste unbedingt, sondern es ist oft die zweite Person, die sagt, das finde ich gut. Die den Turnaround schafft.“
Bosch verglich Menschen, die ihre Mission gefunden haben, mit Flamingos: „Flamingos sind bunt. Sie fallen auf, aber tatsächlich fühlen sie sich in der Herde wohl.“ Ihre Botschaft: Wer Gleichgesinnte sucht, findet sie – in anderen Behörden, auf anderen Ebenen, selbst in anderen Rollen.
Einfach mal machen – jetzt erst recht
Diese Botschaft griff Johannes Schurr, Bürgermeister der Gemeinde Spraitbach, in seinem Energizer nach der Mittagspause auf. Unter dem Titel „Lieber um Entschuldigung bitten, als um Erlaubnis zu fragen – Jetzt erst recht!“ unterstrich er sein mittlerweile bekanntes Plädoyer für eine neue Fehlerkultur.
Schurr verglich die Verwaltungsdigitalisierung mit einer Bergwanderung, bei der man den Gipfel nicht sehen könne und den Weg nicht kenne: „Ich stehe also mit meinen Kindern am Fuß des Berges, weiß, ich will da hoch, ich kenne aber den Weg nicht.“
Die Lösung sei, Fehler nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv einzufordern. „Einfach mal machen ist der Aufruf als Führungskraft an mein Team, an meine Leute, Fehler zu machen“, erklärte Schurr. Wenn es fünf mögliche Wege gebe und einer einen davon ausprobiere, der nicht zum Ziel führe, sei man dem Ergebnis bereits 20 Prozent näher. „Und das finde ich schon mal eigentlich eine ganz gute Sache.“
Stand: 08.12.2025
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Mit einer ungewöhnlichen Analogie machte Schurr deutlich, wie wichtig bewusste Prozessgestaltung ist: Er verglich den Umgang mit E-Mail-Postfächern mit physischen Briefkästen. „So wie wir unseren digitalen Posteingang nutzen, würde nie jemand auf die Idee kommen, seinen Briefkasten zu verwenden“, stellte er fest. Niemand würde Post wieder in den Briefkasten zurückstecken und am nächsten Tag erneut öffnen – doch genau so gingen viele mit ihrem Outlook-Postfach um.
Analog war gestern: Digitalisierung im Museum
Dass digitale Transformation weit über klassische Verwaltungsstrukturen hinausgeht, zeigte Shéhérazade Preuß von der Staatsgalerie Stuttgart. In ihrer Best Practice berichtete sie, wie die Digitalisierung öffentliche Museen neu definiert. „Das Museum wird mehr und mehr zu einer Plattform offen, interaktiv und digital vernetzt“, erklärte Preuß. Die Kernaufgaben hätten sich erweitert: Neben Sammeln, Bewahren, Forschen, Vermitteln und Ausstellen kämen nun Vernetzen, Partizipieren und Inklusion hinzu.
Die Staatsgalerie hat einen eigenen Digitalbereich aufgebaut und setzt auf innovative Formate: Von einer AR-Kinder-App namens „Wills Museumsreise“ über virtuelle Rundgänge bis hin zu partizipativen Projekten, bei denen Besucherinnen und Besucher Kunstwerke gemeinsam nachgestalten. Preuß machte aber auch deutlich, vor welchen Herausforderungen kleinere Häuser stehen: „Wir kämpfen mit zum Beispiel einem großen Ressourcenmangel.“ Budgets müssten zwei Jahre im Voraus beantragt werden – eine Zeitspanne, in der sich Technologien bereits grundlegend ändern könnten.
Dennoch blickte Preuß optimistisch in die Zukunft: „Das Museum der Zukunft ist aus meiner Sicht hybrid, analog und digital zugleich.“ Die Digitalisierung sei wie eine zweite Renaissance für die Museen – vorausgesetzt, man denke sie nachhaltig und bewahre das Menschliche.
Bund-Bayern-Kooperation und Praxisimpulse aus der Industrie
Im Anschluss fand sich hoher Besuch auf der virtuellen Veranstaltungsplattform ein: Dr. Fabian Mehring, Bayerischer Staatsminister für Digitales, hatte sich während der Haushaltsdebatten die Zeit für ein Live-Interview mit eGovernment-Redaktionsleiter Stephan Augsten genommen. Darin äußerte er sich unter anderem zu der Kooperation zwischen Bayern und dem neuen Bundesdigitalministerium.
Neben den Fachinhalten und strategischen Diskussionen lieferten auch die Partner und Sponsoren konkrete Einblicke in technologische Lösungen. Lean Winter von Fsas Technologies und Moritz Hanl von viind zeigten gemeinsam mit Jan Klumb von der Landeshauptstadt Wiesbaden, wie KI-Chatbots die Bürgerkommunikation verbessern können. Ansgar Kückes von Red Hat beleuchtete die KI-Revolution in der Staatsmodernisierung, während Martin Weiß von Sophos sich dem Thema Compliance widmete. Markus Emde von HPE Aruba Networking und Erwin Breneis von Juniper Networks stellten Lösungen für sichere Netzwerke und zuverlässige digitale Verwaltungsprozesse vor.
Perspektivwechsel zwischen Land und Kommune
Den Abschluss der Digitalkonferent bildete die Keynote von Patrick Burghardt, Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim am Main, der von 2019 bis 2024 als Staatssekretär und CIO des Landes Hessen fungierte. Sein Thema: der Perspektivwechsel in der digitalen Transformation der Verwaltung. Während ein Landes-CIO in seiner Rolle eher an Architektur denn, an Standards denke, dächten die Kommunen hingegen primär daran, wie sie das Ganze an den Mann oder an die Frau bringen.
Als ein Mann, der beide Positionen kennt, machte Burghardt deutlich, dass beide Perspektiven wichtig und häufig nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind: „Sie treffen momentan leider eher aufeinander als dass sie verzahnt miteinander vorwärts gehen.“ Aus kommunaler Sicht fehlten oft die Schnittstellen, selbst bei Fachverfahren aus einem einzigen Haus.
Seine zentrale Forderung: Statt immer neuer Projekte sei ein größeres Prozessverständnis und mehr Partizipation der Kommunen vonnöten: „Wir brauchen nicht jedes Jahr ein neues Programm oder sonst irgendeine neue Erfindung, sondern wir brauchen tatsächlich klare Linien mit einem klarem Zeitplan.“ Burghardt betonte auch die Bedeutung von Vertrauen: „Wir brauchen ein stärkeres Vertrauen und ein stärkeres Miteinander zwischen den Kommunen und dem Land.“ Nur wenn Strategie und Praxis stärker verzahnt würden, könne Digitalisierung wirklich wirksam werden.