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Herausforderungen bewältigen
Wie diese Vielzahl unterschiedlicher Herausforderungen am besten zu bewältigen seien, das bringt Michael Schuster von SAS für sich so auf den Punkt: „In den letzten Jahren hat sich viel getan: Endlich besteht eine verfassungsrechtliche Grundlage für den IT-Einsatz im Public Sector, endlich sind übergreifende Leistungsvergleiche möglich. Diese Beispiele zeigen, dass die politische Führung den Stellenwert von eGovernment erkannt hat. Auch das kürzlich beschlossene Regierungsprogramm Vernetzte und transparente Verwaltung erkennt das Potenzial von Open-Government-Ansätzen. Nur so können die Leistungen der Verwaltung durch Zusammenarbeit, Transparenz, Effizienzsteigerung und Bürgerorientierung verbessert werden.“
Allerdings gibt Schuster zu bedenken, dass die beschriebenen Ziele nur durch eine integrierte, strategisch-analytische Verwaltungssteuerung zu erreichen seien. Die unterstützenden IT-Werkzeuge stünden jetzt bereit. „Gerade in den Bereichen Transparenz, Analytik und Simulation stellen moderne eGovernment-Ansätze eine entscheidende Grundlage für die Erhöhung der Verwaltungseffizienz und für zukunftsfähiges Handeln dar. Unabhängig von der Datenherkunft schaffen sie verlässliches Wissen zur Kollaboration und Entscheidungsfindung – etwa um Personal und Ressourcen wirkungsorientiert einzusetzen, Prozesse und Risiken vorausschauend zu steuern und um den Nutzen von Investitionsentscheidungen zu prognostizieren“, so Schuster.
Trotz der angespannten Haushaltslage dürfe die Verwaltungsmodernisierung daher nicht ins Stocken geraten. Dies gelte umso mehr, da dieses Vorhaben nicht automatisch an höhere Investitionen gebunden sei – die vorhandenen Mittel müssten nur optimal eingesetzt werden.
Schusters Fazit: „Die Verwendung der Mittel aus den Konjunkturpaketen der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Verwaltungen Schwierigkeiten hatten, in der knappen zur Verfügung stehenden Zeit geeignete Projekte zu planen. Verstärkt wurden leicht zu realisierende Instandhaltungsmaßnahmen verwirklicht, statt der ursprünglich geplanten nachhaltigen Initialprojekte. Diese Kompromisse machen deutlich: Den Verwaltungen stehen zu selten Analyse- und Steuerungssysteme zur Verfügung, die umfassende Szenarien auf Nutzen und Folgen analysieren und in der Umsetzung begleiten können – schon gar nicht ressortübergreifend. Genau diese Wirkungsprognosen sind aber entscheidend, um Innovationen zu identifizieren, die auch ohne zusätzliche Aufwände den Modernisierungsprozess vorantreiben.“
Und auch auf der Einnahmeseite könne eine optimale Potenzialausnutzung beachtliche Verbesserungen erzielen: Greife ein systematisches Informationsmanagement und ein intelligente Analytik ineinander, ließen sich das Steueraufkommen prognostizieren, Muster hinsichtlich Steuerbetrug und Unregelmäßigkeiten identifizieren und die Effizienz im Inkasso erhöhen.
Dr. Margrit Müller-Ontjes, Vorstand der Mach AG, sieht hingegen gerade im gesetzgeberischen Bereich noch Nachholbedarf bei der Lösung der zahlreichen Probleme.
„Zunächst einmal wäre es wünschenswert, wenn bei der Gesetzgebung die Möglichkeiten der IT berücksichtigt und die konkreten Auswirkungen von Gesetzgebung auf die IT betrachtet werden. Auf diese Weise könnten erste Beiträge zu einem schlankeren Staat entstehen. Die Verwaltung ihrerseits muss einen für sie passenden Weg zu den Instrumenten und Möglichkeiten der IT finden, sich austauschen, voneinander lernen und sich abstimmen. Der IT-Planungsrat als Gremium der Bund-Länder-Koordinierung kann mit Sicherheit einiges bewirken. Auch die Kommunen sind hier über die Spitzenverbände vertreten. Ob sie auf diese Weise angemessen eingebunden werden, wird sich noch herausstellen. Außerdem muss die Verwaltung in die Mitarbeiterentwicklung investieren. Die Kommunikationswege verändern sich, der Verwaltungsmitarbeiter von morgen benötigt neue Kompetenzen.“
Über die Ursachen und Probleme, denen sich die Öffentlichen Verwaltungen gegenübersehen, herrscht also weitgehend Einigkeit. Doch gilt dies noch lange nicht für den einzuschlagenden Lösungsweg. Hier setzt der eGovernment Summit auch in diesem Jahr an. Das Gipfeltreffen bildet eine Plattform, die allen Teilnehmern einen kritischen Erfahrungsaustausch und ein Hinterfragen der jeweiligen Positionen ermöglicht.
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