Die bislang größte Studie des NExT e. V. hat den Einfluss von Netzwerken auf die Verwaltungstransformation untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig, zeigen aber auch klare Defizite in der Verwaltungspraxis.
„Ähnlich wie Fortbildungen sollte Netzwerkarbeit als prozentuales Kontingent festgeschrieben werden, und zwar für alle“, fordert Theresa Amberger.
Bei der Verwaltungsdigitalisierung geht es nicht nur um technische Lösungen oder die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, es geht auch um einen Kulturwandel. Eine Schlüsselrolle spielen hierbei die Kommunikation und der Wissensaustausch untereinander – und hier kommt das Thema Netzwerk ins Spiel. Der NExT e. V. hat in einer jüngst veröffentlichten, vom BMI geförderten Studie wissenschaftlich belegt, dass Netzwerkarbeit die Verwaltungsmodernisierung antreibt und gleichzeitig den Menschen im Fokus behält.
Die Ergebnisse der Studie „Erfolgsfaktor Community of Practice in der öffentlichen Hand“ basieren auf Interviews und einer Online-Umfrage mit Beschäftigten im Public Sector. „In Bezug auf die Verwaltungstransformation gibt es 60 Prozent Verweigerer, 30 Prozent ist es egal, und 10 Prozent sind motiviert und unterstützen. Das ist mein Arbeitsalltag“, äußerte sich ein Befragter und verweist damit auf eine Thematik, die von 58 Prozent als größte Herausforderung gesehen wird: das Mindset.
Theresa Amberger, Autorin der Studie und Head of Research bei NExT.
Studienleiterin Theresa Amberger erklärte im Gespräch mit eGovernment, dass die Rahmenbedingungen in den einzelnen Verwaltungen sehr unterschiedlich seien: „Für einige ist es schwierig, die Genehmigung von ihren Vorgesetzten zu bekommen, oder es fehlen schlicht die Ressourcen.“ Viele der Befragten monierten, dass sie zwar die nötigen Rahmenbedingungen hätten, aber dennoch alleine damit seien. Oft fehle es auch einfach an der Erkenntnis, dass Netzwerkarbeit wichtig sei.
Die Studie kann eine Argumentationshilfe gegenüber Vorgesetzten und Kollegen sein. „Die Bedeutung der Netzwerke konnten wir empirisch belegen“, betont Amberger. Zumal die meisten Befragten sagten, dass sie den Input aus den Communities ins eigene Team tragen wollen. Amberger: „Über 90 Prozent möchten Sachen erfahren, die ihr Team weiterbringen.“ Entscheidend sei hier dann natürlich, dass es eine entsprechend positive Wissenskultur in den Organisationen gebe. „Je mehr Ressourcen, desto offener ist die Kultur. Und je offener die Kultur, desto mehr Ressourcen“, fasst Amberger prägnant zusammen.
„Man sieht in den Ergebnissen ganz klar: In Netzwerken findet ein Wissenstransfer statt“, ergänzt Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin des NExT e. V. „Für die meisten Leute ist auch ein wichtiger Punkt, dass sie nicht alleine mit den Themen sind.“ In den Verwaltungen gebe es viele Einzelkämpfer, die beim Thema Digitalisierung vorangingen, denen aber der Austausch mit Gleichgesinnten fehle. Amberger hatte diese Erkenntnis auch bei den Interviews mit den Studienteilnehmern: „In vielen Kommunen ist es oft eine einzelne Person, die alles machen muss, die sich viele Aufgaben selbst aneignen muss.“ Für solche Personen seien Verwaltungs-Communities besonders wichtig. „Solche Personen brauchen Netzwerke, weil sie im Arbeitsalltag keinen Austausch über Digitalthemen haben“, sagt Amberger. Und weil es eben in den Verwaltungen oft an der Veränderungsbereitschaft – dem Mindset – fehle.
Wenn die Mitarbeiter sehen, dass es die anderen auch hinkriegen, dann ist die Angst vor Veränderung nicht mehr so groß.
Theresa Amberger
Netzwerke sorgen laut der aktuellen Studie für Wissensaustausch und damit Kompetenzaufbau. Methodische und fachliche Fähigkeiten würden erworben, wobei – anders als bei klassischen Fortbildungen – die Interaktion und direkte Anwendung im Fokus stünden. Amberger: „Wenn die Mitarbeiter sehen, dass es die anderen auch hinkriegen, dann ist die Angst vor Veränderung nicht mehr so groß.“ Von diesem Peer-to-Peer-Learning profitieren letztlich auch die Arbeitgeber, die dem Netzwerken ihrer Mitarbeiter oftmals zu wenig Raum geben. Einer der Gründe: Der Nutzen ist nicht immer sofort sichtbar. „Manchmal entspinnt sich der Mehrwert erst in ein paar Monaten“, macht Amberger klar. Community-Treffen seien ein Ausgangspunkt, ein Enabler.
Ähnlich wie Fortbildungen sollte Netzwerkarbeit als prozentuales Kontingent festgeschrieben werden, und zwar für alle.
Theresa Amberger
Die Empfehlung der Studienautorin ist, die Netzwerkarbeit in den Tätigkeitsbeschreibungen der Verwaltungsmitarbeiter schriftlich festzulegen. „Ähnlich wie Fortbildungen sollte Netzwerkarbeit als prozentuales Kontingent festgeschrieben werden, und zwar für alle“, fordert Amberger. Dies erleichtere auch den Vorgesetzten den Genehmigungsprozess, wenn Networking Teil der Arbeit sei und kein Freizeitvergnügen. „Netzwerken darf Spaß machen“, ergänzt Riedel und betont: „Kulturwandel ist ein essentieller Faktor, um die Verwaltungstransformation voranzubekommen. Und dafür muss man aktive Maßnahmen ergreifen.“
Verwaltungsmitarbeitern, die ins Netzwerken einsteigen wollen, gibt sie den Tipp, einmal pro Quartal an einer Community-Veranstaltung teilzunehmen – egal ob Online-Vortrag, Brown Bag Meeting oder Stammtisch. „Man kann sich langsam herantasten“, sagt Riedel und fügt hinzu: „Wir beißen nicht. Zu 99,9 Prozent sind die Leute nett und freundlich.“
Stand: 08.12.2025
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