Zulassungsbehörde Warum manche Zulassungsbehörden den Rest des Landes abhängen

Ein Gastbeitrag von Andreas Bölscher 4 min Lesedauer

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Der Online-Service „i-Kfz“ spart den Gang zur Zulassungsstelle. Wie und vor allem wo dieser Service genutzt wird, erläutert Gastautor Andreas Bölscher.

Mit der Online-Anwendung „i-Kfz“ können Fahrzeuge von überall zugelassen werden.(Bild:  svort – stock.adobe.com)
Mit der Online-Anwendung „i-Kfz“ können Fahrzeuge von überall zugelassen werden.
(Bild: svort – stock.adobe.com)

Mit der internetbasierten Fahrzeugzulassung „i-Kfz“ können Bürgerinnen und Bürger ihr Fahrzeug online an-, ab- und ummelden. Das spart den Weg zur Zulassungsstelle und die Wartezeit vor Ort. Für Unternehmen wurde vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die sogenannte Großkundenschnittstelle (GKS) für die digitale Zulassung eingerichtet. Mit der letzten Stufe 4 des i-Kfz-Projekts können seit September 2023 für fremde und eigene Fahrzeuge über die GKS des KBA Fahrzeuge zugelassen werden.

Das deutsche Zulassungsdreieck(Bild:  Andreas Bölscher)
Das deutsche Zulassungsdreieck
(Bild: Andreas Bölscher)

Grundsätzlich kann man wie bisher in einer der 411 Zulassungsstellen vor Ort am Schalter sein Fahrzeug zulassen oder dies durch einen Zulassungsdienstleister ausführen lassen. Diese drei Wege sind in der nebenstehenden Grafik in einer Übersicht dargestellt.

Der Anteil der digitalen KfZ-Zulassungen an der Gesamtzahl aller Zulassungsvorgänge wie Neuzulassungen, Tages- oder Wiederzulassungen, Fahrzeugumschreibungen oder Außerbetriebssetzungen ist 2025 und das erste Halbjahr 2026 signifikant gewachsen.

Tabelle 1: Zulassungsvorgänge der Top-20-Städte(Bild:  Bundesministerium für Verkehr)
Tabelle 1: Zulassungsvorgänge der Top-20-Städte
(Bild: Bundesministerium für Verkehr)

Die beiden Tabellen bilden zwei unterschiedliche Betrachtungsebenen der Digitalisierung der Fahrzeugzulassung ab:

Tabelle 1 zeigt ausschließlich die 20 Zulassungsbehörden mit der derzeit höchsten Digitalquote. Hierzu zählen Berlin, Bochum, Euskirchen, Frankfurt am Main, Göttingen, Groß-Gerau, Hamburg-Mitte, Hannover (Stadt), Hannover (Land), Heilbronn, Ingolstadt, Köln, Leipzig (Stadt), Leverkusen, München (Landkreis), München (Stadt), Oberhausen, Oldenburg (Stadt), Stuttgart und Wuppertal. Diese Behörden stellen die Vorreiter der digitalen Fahrzeugzulassung dar und eignen sich insbesondere, um Best-Practice- Ansätze sowie das Potenzial digitaler Zulassungsverfahren aufzuzeigen.

Tabelle 2: Zulassungsvorgänge insgesamt(Bild:  Bundesministerium für Verkehr)
Tabelle 2: Zulassungsvorgänge insgesamt
(Bild: Bundesministerium für Verkehr)

Tabelle 2 umfasst dagegen die Zulassungszahlen aller 411 Zulassungsbehörden in Deutschland. Sie bildet somit den bundesweiten Durchschnitt und zeigt den tatsächlichen Stand der Digitalisierung über sämtliche Zulassungsbehörden hinweg. Dadurch können die Ergebnisse der 20 Spitzenreiter mit der Gesamtsituation in Deutschland verglichen und Unterschiede in der Nutzung digitaler Zulassungsverfahren herausgearbeitet werden.

Der Vergleich der beiden Tabellen zeigt deutliche Unterschiede zwischen den 20 Zulassungsbehörden mit der höchsten Digitalquote und dem bundesweiten Durchschnitt aller 411 Zulassungsbehörden. Mit besonderem Fokus auf die Entwicklung von 2025 zum 1. Halbjahr 2026 zeigen beide Tabellen eine ähnliche Richtung, allerdings mit deutlichen Unterschieden in der Dynamik.

1. Die Top-20-Zulassungsbehörden bauen ihren Vorsprung weiter aus: Während bereits 2025 die Digitalquote der 20 führenden Zulassungsbehörden deutlich über dem Bundesdurchschnitt lag, zeigt das 1. Halbjahr 2026, dass diese Behörden ihre Vorreiterrolle weiter festigen. Im Vergleich zu 2025 ist zu erkennen:

  • Die Zahl der digital abgewickelten Zulassungsvorgänge steigt überdurchschnittlich,
  • gleichzeitig nimmt der Anteil der Schaltervorgänge weiter ab,
  • insbesondere die Nutzung der Großkundenschnittstelle (GKS) wächst dynamisch.

Dies deutet darauf hin, dass sich digitale Prozesse in den Spitzenbehörden zunehmend als Standard etablieren.

2. Bundesweit steigt die Digitalisierung ebenfalls – jedoch langsamer: Auch die Tabelle aller 411 Zulassungsbehörden zeigt zwischen 2025 und dem 1. Halbjahr 2026 eine positive Entwicklung. Dabei fällt auf:

  • i-Kfz wächst bundesweit weiter,
  • GKS gewinnt ebenfalls an Bedeutung,
  • der Schalter bleibt jedoch weiterhin der dominierende Vertriebskanal.

Die Digitalisierung entwickelt sich somit flächendeckend, allerdings deutlich langsamer als in den Spitzenbehörden.

3. Die Schere zwischen Spitzenbehörden und Bundesdurchschnitt vergrößert sich: Der wichtigste Befund des Vergleichs ist, dass sich der Abstand zwischen beiden Gruppen nicht verkleinert, sondern eher vergrößert. Während die Top-20

  • ihre Digitalquote weiter erhöhen,
  • mehr Vorgänge über GKS abwickeln,
  • und den Schalter zunehmend entlasten,

verläuft diese Entwicklung im Bundesdurchschnitt wesentlich moderater. Dadurch wächst der Unterschied im Digitalisierungsgrad zwischen den Vorreitern und den übrigen rund 390 Zulassungsbehörden.

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4. GKS entwickelt sich zum wichtigsten Wachstumstreiber: In beiden Tabellen zeigt sich, dass die stärksten Zuwächse nicht mehr ausschließlich aus dem Bürgerportal (i-Kfz), sondern zunehmend aus der Großkundenschnittstelle stammen. Besonders bei den Top-20 steigen

  • die Zahl digitaler Neuzulassungen,
  • die Zahl digitaler Umschreibungen sowie
  • die Anzahl der Außerbetriebsetzungen über GKS.

Dies spricht dafür, dass insbesondere Händler, Hersteller, Leasinggesellschaften und Flottenbetreiber ihre Prozesse zunehmend vollständig digitalisieren. Das bundesweite i-Kfz-Dashboard bestätigt ebenfalls die kontinuierlich steigende Nutzung sowohl der Bürgerportale als auch der Großkundenschnittstelle.

5. Die Struktur der digitalen Vorgänge bleibt weitgehend unverändert: Zwischen 2025 und dem 1. Halbjahr 2026 verändert sich die Reihenfolge der Arbeitsgänge kaum. Sowohl bei den Top-20 als auch bundesweit gilt:

  • Außerbetriebsetzungen bleiben der häufigste digitale Vorgang.
  • Umschreibungen gewinnen kontinuierlich an Bedeutung.
  • Neuzulassungen wachsen zwar, liegen aber weiterhin unter den Außerbetriebsetzungen.
  • Wiederzulassungen stellen den kleinsten Anteil der digitalen Verfahren dar.

Die Veränderungen betreffen daher hauptsächlich die Menge der digitalen Vorgänge und weniger deren Verteilung auf die einzelnen Arbeitsgänge.

6. Unterschiede im Wachstum: Die Entwicklung lässt erkennen, dass die Top-20-Zulassungsbehörden neue digitale Möglichkeiten deutlich schneller übernehmen als der Bundesdurchschnitt. Dafür kommen mehrere Ursachen in Betracht:

  • höhere Fallzahlen,
  • größere organisatorische Ressourcen,
  • stärkere Zusammenarbeit mit Autohäusern und Flottenbetreibern,
  • intensivere Nutzung der GKS,
  • höhere Bekanntheit digitaler Angebote bei Bürgern und Unternehmen.

Fazit

Der Vergleich zwischen 2025 und dem 1. Halbjahr 2026 zeigt, dass die Digitalisierung der Fahrzeugzulassung in Deutschland insgesamt weiter voranschreitet. Allerdings verläuft diese Entwicklung nicht gleichmäßig. Die 20 digital stärksten Zulassungsbehörden bauen ihren Vorsprung gegenüber dem Bundesdurchschnitt weiter aus. Besonders deutlich wird dies bei der Nutzung der Großkundenschnittstelle, deren Wachstum in den Spitzenbehörden wesentlich stärker ausfällt als bundesweit.

Während sich die digitalen Verfahren insgesamt etablieren, bleibt der stationäre Schalter in vielen der übrigen Zulassungsbehörden weiterhin der dominierende Zugangskanal. Dadurch wächst das Potenzial, durch die Übernahme erfolgreicher Digitalisierungsstrategien der Top-20 den bundesweiten Digitalisierungsgrad weiter zu steigern. Dabei wäre insbesondere ein einfacherer Zugang zur elektronischen Identifikation eine zu überwindende Hürde.

Der Autor

Andreas Bölscher, Geschäftsführer der ManagementTeam Unternehmensberatung GmbH

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