govdigital vergibt Cloud-Broker-Auftrag Schneller in die Cloud – per Broker-Portal

Von Nicola Hauptmann 5 min Lesedauer

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Die Genossenschaft der öffentlichen IT-Dienstleister govdigital hat den Auftrag für einen Cloud-Broker vergeben: Neben den Angebote der drei Hyperscaler können über das Broker-Portal künftig auch Cloud-Services von STACKIT und IONOS abgerufen werden.

Jens Fromm, COO der govdigital eG(©  Ole Heinrich/govdigital eG)
Jens Fromm, COO der govdigital eG
(© Ole Heinrich/govdigital eG)

Das Umsetzungsprojekt zur Deutschen Verwaltungscloud (DVC) startete dieses Jahr im Januar: In vier Teilprojekten wird hier am Portfolio, dem Cloud-Service-Portal, der Einbindung externer Anbieter und dem Aufbau einer Koordinierungsstelle gearbeitet. Bereits zuvor, noch im Jahr 2023, hatte die Genossenschaft der öffentlichen IT-Dienstleister govdigital zwei Ausschreibungen auf den Weg gebracht: für Cloud-Beraterleistungen und für einen Cloud-Broker. Beide Aufträge wurden jeweils in einem offenen Vergabeverfahren ausgeschrieben.

Der Zuschlag für die Cloud-Beratung ging an Ernst & Young, als Unterauftragnehmer sind Accenture, Allgeier Public, ARES Consulting, Avanade, ISO Public Services eingebunden. Ein entsprechender Rahmenvertrag wurde bereits geschlossen, Mitglieder der govdigital und deren Träger können darauf zugreifen. Der Leistungskatalog umfasst strategische Beratung, Beratungen zu Cloud-Security, -Entwicklung und -Transformation, Roadmap und Governance sowie Cloud Readiness Assessments.

Souveräne Cloud-Anbieter im Portfolio

Zu den Bedingungen der Cloud-Broker-Ausschreibung gehörte, dass Leistungen der drei Hyperscaler AWS, Microsoft Azure und Google Cloud, zusätzlich aber auch Leistungen von zwei souveränen europäischen Cloudanbietern über das Broker-Portal gebucht werden können – und dass dieses Portal innerhalb der vorgegebenen Frist bereitgestellt wird.

Seit Mitte Juli steht auch der Gewinner dieser zweiten Ausschreibung fest: die BTC Business Technology Consulting AG. Das Unternehmen habe das „insgesamt wirtschaftlichste Angebot vorgelegt und daher den Zuschlag als Cloud-Broker erhalten“, erläutert Jens Fromm, COO der govdigital. Zusätzlich zum Angebot der drei Hyperscaler werden über das Broker-Portal auch Cloud Services der souveränen Cloud-Anbieter IONOS und STACKIT zu – wie es heißt – attraktiven Konditionen abrufbar sein.

Dass die Ausschreibungen für die beiden Serviceleistungen nicht in einer Hand gebündelt wurden, hat seinen Grund: „Wir haben die beiden Ausschreibungen bewusst voneinander getrennt, um auf der einen Seite eine möglichst unabhängige und passgenaue Cloud-Beratung sicherzustellen und auf der anderen Seite einen Cloud-Broker mit möglichst attraktiven Preisen zuzuschlagen, der neben den drei amerikanischen Cloud-Anbietern auch zwei souveräne anbietet“, so Fromm. Der Genossenschaft sei es wichtig, den Mitgliedern die Beschaffung der für sie relevanten und benötigten Cloud-Services zu ermöglichen.

„Daher haben wir uns in der Markterkundung intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, welche Mindestanforderungen wir stellen können, um neben einem attraktiven Portfolio auch das Thema digitale Souveränität in den Vordergrund zu stellen“, so Fromm weiter. Wichtige Kriterien seien C5-Zertifizierung und ISO 27001 nach BSI-Grundschutz, Themen wie Lokation der Rechenzentren, aber auch 24/7-Betrieb und hohe Verfügbarkeiten. Vorgesehen sind Features wie einfache Nutzerverwaltung, Self-Services, First-Level Support mit Helpdesk. Transparenz soll durch monatliches Reporting zum Verbrauch erreicht werden, zudem Buchung und Erstellung vorkonfigurierter Cloud-Services für typische Anwendungsfälle ermöglicht werden. Das Angebot, Clouddienste ohne eigene Ausschreibung über das Broker-Portal zu beziehen, richtet sich an die Mitglieder der govdigital und deren Träger sowie weitere Einrichtungen, mit denen ein Inhouse-Verhältnis im Sinne des Vergaberechts besteht.

Mit Bestellungen von 11.000 Kommunen rechnet man bei govdigital eher nicht. In kleinen Kommunen fehlen in der Regel die Ressourcen, sich mit Cloud-Diensten auseinanderzusetzen. Das wurde auch in den Paneldiskussionen beim diesjährigen Zukunftskongress deutlich, wo der Wunsch nach standardisierten, unkompliziert zu beziehenden Cloud-Leistungen geäußert wurde, Stichwort: „wie Strom aus der Steckdose“.

Buchungen über das Portal werden daher in erster Linie von den öffentlichen Dienstleistern, also den Mitgliedern der Genossenschaft erwartet, die ihrerseits Leistungen für Kommunen bündeln könnten oder aber von großen Verwaltungseinheiten oder IT-Abteilungen.

Wie geht es nach der Auftragsvergabe weiter? Die einzelnen Prozesse – Registrierung, Buchung und Abrechnung – sollen im August zunächst verprobt werden, und bei govdigital geht man davon aus, dass der Cloud-Broker ab September genutzt werden kann.

Parallele Wege

Gleichzeitig geht die Umsetzung der DVC voran: Laut Plan sollen ab dem dritten Quartal dieses Jahres in einer Pilotversion erste Services buchbar sein. Im Teilprojekt 3 zur Multi-Cloud wird währenddessen an der Einbindung verwaltungsexterner Angebote gearbeitet. In mehreren Proofs of Concept sollen die technische Anbindung der Hyper-Portale geprüft und Providerwechsel simuliert werden. Die Leitung dieses wie auch der Teilprojekte Portfolio und Cloud-Service-Portal liegt bei govdigital.

Laufen hier also Initiativen parallel? Durchaus. „Unsere Mitglieder, also die öffentlichen IT-Dienstleister, sind jeden Tag dafür verantwortlich, den Betrieb für die Mitarbeitenden der öffentlichen Verwaltung, die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu gewährleisten“, erklärt Jens Fromm. Und der Bedarf an externen Cloud-Services ist auch auf Seiten der Verwaltungen offensichtlich vorhanden. Das zeigte zum Beispiel eine Umfrage von govdigital 2023. Bei der Frage; „Falls Sie Cloud-Services nutzen, wer stellt diese bereit?“ gaben 33 Prozent der Nutzer auf kommunaler Ebene und 32 Prozent auf Landesebene an, bereits Cloud-Services von privaten IT-Dienstleistern oder Hyperscalern zu beziehen. Entsprechend sieht sich die Genossenschaft in der Pflicht, den Bezug von Cloud-Services für ihre Mitglieder zu ermöglichen und setzt auf zügiges Handeln – und auf ein breiteres Angebot souveräner Lösungen: „Wir begrüßen es sehr, wenn der Markt souveräner Anbieter – wie beispielsweise Delos – wächst und wir mehr Wettbewerb zwischen den privaten Akteuren sehen“, so Fromm.

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Hintergrund: Souveränität

Zwischen Abhängigkeit und Autarkie

Eine Sondersitzung des IT-Planungsrates, bei der Delos als fester Bestandteil der Verwaltungscloudstrategie erläutert werden sollte, hatte im Juni für Aufsehen und Kritik gesorgt. Kernpunkt war die Frage der Souveränität. In seinem Artikel „Wie schlimm ist Delos wirklich?“ bei cloud ahead greift Gregor Schumacher die Diskussion auf und bietet eine systematische Einordnung. Dabei beruft er sich auf das 2015 veröffentlichte „Spektrum der Souveränität“ des Bitkom und die dortige Definition der Souveränität: „Wir verfügen in zentralen Technologiefeldern, Diensten und Plattformen über eigene Fähigkeiten auf weltweitem Spitzenniveau. Wir sind in der Lage, selbstbestimmt und selbstbewusst zwischen Alternativen leistungsfähiger und vertrauenswürdiger Partner zu entscheiden.“ Die einzelnen Komponenten: Inhaltedaten, Telemetrie- und Suppportdaten, Betrieb sowie Herkunft von Soft- und Hardware werden in Bezug auf Autarkie bei den Anbietern – von Hyperscalern bis EU-Clouds – betrachtet. Der Autor leitet anstehende Aufgaben u. a. für die deutsche Verwaltung und das ZenDiS ab und plädiert dafür, die Chance einer „halbwegs souveränen Delos-Cloud“ wahrzunehmen.

Die Delos-Cloud überzeugt in puncto Souveränität bekanntlich nicht alle (siehe Infokasten), aber wie steht es um Open-Source-Lösungen? Im Multi-Cloud-Teilprojekt der DVC arbeitet govdigital u. a. mit der OSB Alliance zusammen. Auf Basis des Sovereign Cloud Stacks soll eine Installation aufgesetzt werden, um beispielhaft Services zu implementieren und Providerwechsel zu simulieren.

„Wir würden gern viel mehr Open-Source-Lösungen anbieten, entscheidend ist aber letztlich, was die Kunden kaufen wollen und auch bereit sind, zu zahlen“, sagt Jens Fromm.

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