A1-Eurocloud-Studie Eine hybride Wolke für den Public Sector

Von Johannes Kapfer 6 min Lesedauer

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Die Diskussion um digitale Souveränität hat sich in den vergangenen Monaten grundlegend gewandelt. Was noch vor wenigen Jahren als theoretisches Konzept in politischen Grundsatzpapieren diskutiert wurde, ist heute zu einer praktischen Notwendigkeit für die Öffentliche Verwaltung geworden.

Souveräne Clouds gewinnen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere unter Gesichtspunkten der digitalen Souveränität wird vielerorts ein Umdenken einsetzen müssen.(Bild: ©  kerenby - stock.adobe.com)
Souveräne Clouds gewinnen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere unter Gesichtspunkten der digitalen Souveränität wird vielerorts ein Umdenken einsetzen müssen.
(Bild: © kerenby - stock.adobe.com)

Die österreichische Telekommunikationsgruppe A1 Digital hat mit ihrer Cloud-Strategie einen Weg eingeschlagen, der sich deutlich von den Ansätzen der großen amerikanischen Hyperscaler unterscheidet. Während Unternehmen wie AWS, Microsoft Azure oder Google primär auf Skalierung und globale Reichweite setzen, ­fokussieren sich die Österreicher bewusst auf europäische Standards, Datenschutz sowie rechtliche Compliance. Diese Positionierung ist nicht zufällig entstanden, sondern resultiert aus einer systematischen Analyse der Bedürfnisse europäischer Organisationen, insbesondere derer, die im Public Sektor verortet sind.

Eine aktuelle A1-Studie zur Sovereign Cloud zeigt, dass bereits mehr als ein Viertel der befragten Organisationen und Behörden souveräne Cloud-Lösungen aktiv nutzen. Weitere 36 Prozent befinden sich in der Planungsphase, während zwei von zehn Befragten die Möglichkeiten einer souveränen Cloudumgebung noch aktiv evaluieren. Dies ist insofern bemerkenswert, als deutlich gemacht wird, dass souveräne Cloud-Lösungen nicht mehr als reine Nischenlösungen betrachtet werden. Vielmehr handele es sich um einen wachsenden Marktbereich, der zunehmend an Relevanz gewinne, betonen die Autoren der Studie.

Die Gründe für diese Entwicklung sind hingegen vielschichtig. An erster Stelle stehen zweifelsohne die IT-Sicherheit und der Datenschutz. In der Öffentlichen Verwaltung werden tagtäglich sensible Bürgerdaten – von Einwohnermeldedaten bis hin zu Steuerdaten und allem dazwischen – verarbeitet. Diese Informationen auf Servern außerhalb der europäischen Rechtsordnung wirft nicht nur rechtliche Fragen auf, sondern schafft auch potenzielle Sicherheitsrisiken. Der zweite wesentliche Treiber ist die gewünschte Unabhängigkeit von Hyperscalern. Die Dominanz weniger großer Anbieter auf dem Cloud-Markt führt zu Abhängigkeiten, die für öffentliche Verwaltungen problematisch sein können.

Diese Konzentration birgt sowohl wirtschaftliche als auch strategische Risiken, da Preisänderungen – man denke hierbei an das Geschäftsgebaren von VMware – oder unvorhersehbare Geschäftsentscheidungen der Anbieter direkte Auswirkungen auf die Öffentliche Verwaltung haben können.

Ein dritter wichtiger Faktor ist die erhöhte Geschäftskontinuität. Souveräne Cloud-Lösungen bieten durch ihre europäische Ausrichtung und rechtliche Einbettung eine höhere Planungssicherheit. Dies ist besonders für Behörden relevant, die langfristige Digitalisierungsstrategien entwickeln müssen und dabei auf stabile, ­vorhersagbare Rahmenbedingungen angewiesen sind.

Die Exoscale-Plattform von A1 Digital ist technisch in Wien und anderen europäischen Standorten angesiedelt. Diese geografische Verteilung ist nicht nur aus praktischen Gründen relevant, sondern hat auch rechtliche Implikationen. Alle auf der Plattform verarbeiteten Daten verbleiben innerhalb der europäischen Grenzen und unterliegen ausschließlich europäischem Recht.

Für deutsche Behörden bedeutet dies, dass sie nicht befürchten müssen, dass ihre Daten aufgrund ausländischer Gesetze wie dem amerikanischen CLOUD-Act zugänglich gemacht werden könnten.

Die technische Architektur der Plattform basiert auf Open-Source-Technologien und offenen Standards. Dies ist ein bewusster Gegenentwurf zu proprietären Lösungen, die zu Vendor-lock-in-Effekten führen können. Durch die Verwendung offener Standards werde sichergestellt, dass Daten und ­Anwendungen bei Bedarf migriert werden können, ohne dass aufwendige Konvertierungsprozesse oder gar Anpassungen notwendig sind. Diese Flexibilität ist für Behörden und Kommunen von besonders exponierter Bedeutung, da sie langfristige Investitionssicherheit und Kostenkontrolle bietet.

Als aktives Mitglied der Structura-X-Initiative und des Gaia-X-Frameworks haben es sich die ­Österreicher auf die Fahnen geschrieben, gemeinsame Standards für digitale Souveränität zu entwickeln und auch umzusetzen. Wenn deutsche Behörden mit Partnern in anderen EU-Ländern zusammenarbeiten, sei es im Rahmen von EU-Projekten oder ­bilateralen Vereinbarungen, benötigen sie Plattformen, die rechtlich neutral sind und dennoch hohe Sicherheitsstandards bieten. A1 Digitals Sovereign Cloud kann in solchen Fällen als neutrale Plattform fungieren, die von allen Beteiligten genutzt werden kann, ohne dass eine Seite Kompromisse bei der Datensouveränität eingehen muss. Ein weiterer relevanter Anwendungsbereich ist Disaster Recovery und Business Continuity. Die geografische Verteilung der Exoscale-Rechenzentren ermöglicht es deutschen Behörden, robuste Backup-Strategien zu implementieren, die nationale Grenzen überschreiten, ohne dabei die Datensouveränität zu gefährden. Dies ist besonders wichtig vor dem Hintergrund zunehmender Cyberbedrohungen und der Notwendigkeit, kritische IT-Systeme gegen Ausfälle zu schützen.

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