Souveränität entsteht durch klare Strategien, verlässliche Strukturen und den festen Willen zur Umsetzung. Technisch basiert sie auf Offenheit, Transparenz, Kontrolle und Unabhängigkeit. Wer diese Grundsätze verfolgt, schafft eine digitale Verwaltung, die sicher, anpassungsfähig und zukunftsfähig ist.
Digitale Souveränität ist nicht ausschließlich ein technisches Thema, sie muss auch von der Organisation und allen Beteiligten mitgetragen werden.
(Bild: MangerAbet - stock.adobe.com)
Am Anfang steht der politische Wille. Nur wenn politische Entscheidungsträger eine souveräne IT als langfristiges Ziel anerkennen, wertschätzen und aktiv fördern, kann daraus eine tragfähige Strategie entstehen. Dazu gehört mehr als kurzfristige Projektförderung oder punktuelle Maßnahmen. Es braucht eine langfristige Perspektive, die strategische Entscheidungen konsequent an den Prinzipien digitaler Souveränität ausrichtet. Gesetzgebung, Investitionen, Verwaltungsmodernisierung und Partnerschaften müssen dabei unter dem Leitbild von Unabhängigkeit, Transparenz und Kontrolle geplant und bewertet werden.
Ein wesentliches Hindernis auf dem Weg zu souveräner IT ist die aktuelle Zersplitterung von Zuständigkeiten. Digitale Themen verteilen sich heute auf zahlreiche Ministerien, Behörden und föderale Ebenen. Oft fehlt es an einer einheitlichen Strategie, verbindlichen Standards und übergreifender Koordination. Die Folge ist ein Flickenteppich aus Einzelinitiativen, die schwer skalierbar sind und unnötige Risiken erzeugen. Um dies zu überwinden, braucht es klare Verantwortlichkeiten für Themen wie Architekturvorgaben, Sicherheitsstandards, Datenhaltung und Vergaberichtlinien. Nur mit zentraler Steuerung kann eine kohärente und durchsetzbare digitale Souveränitätsstrategie entstehen.
Eine zentrale Koordinationsstelle zwischen Bund, Ländern und Kommunen wäre ein wichtiger Schritt, um diese Bemühungen zu fokussieren. Es hätte die Aufgabe, nationale Standards für souveräne IT zu definieren, die technologische und organisatorische Umsetzung zu steuern sowie gezielte Impulse für europäische Partnerschaften zu setzen. Darüber hinaus könnte es Förderprogramme für Open-Source-Lösungen aufsetzen, nationale Cloud- und Dateninfrastrukturen vorantreiben und sicherstellen, dass zentrale Verwaltungsprozesse auf vertrauenswürdiger Technologie basieren.
Kompetenz bündeln und Verantwortung dauerhaft verankern
Digitale Souveränität kann nur gelingen, wenn technologische, rechtliche und politische Kompetenzen gemeinsam gedacht und aufeinander abgestimmt werden. Dazu müssen Fachressorts enger zusammenarbeiten und ihre Expertise unter einem Dach bündeln. Gleichzeitig muss die Verantwortung für digitale Schlüsselthemen auf hoher politischer Ebene dauerhaft verankert sein.
Nur mit Entscheidungsbefugnissen, eigenem Budget und übergreifender Handlungskompetenz kann eine echte strategische Schaltstelle geschaffen werden. So entsteht die notwendige Steuerungsfähigkeit, um digitale Souveränität nicht nur zu fordern, sondern konkret dauerhaft durchzusetzen.
Eine dauerhafte Souveränität braucht zudem eine übergreifende Strategie, klare institutionelle Strukturen und den politischen Willen, Verantwortung zu übernehmen. Mit der Umsetzung der Souveränitätsstrategie befasst sie die Organisation, bestehend aus der Organisationsstruktur, der Kultur und den Menschen. Wer souveräne IT tatsächlich umsetzen will, muss die Organisation und die Hindernisse in Veränderungsprozessen verstehen, um sie aus dem Weg räumen zu können.
Wille zur Umsetzung und Weiterentwicklung
Souveränität endet nicht mit einem Beschluss oder der Einführung einer neuen Technologie. Sie wird durch die dauerhafte Anwendung der Strategie in jedem Projekt des operativen Alltags erreicht. Hier ist der Wille zur Veränderung innerhalb der IT-Organisationen entscheidend.
Führungskräfte und Fachabteilungen müssen nicht nur neue Standards einführen, sondern die Veränderung aktiv vorantreiben und leben. Es geht darum, souveräne Infrastrukturen nicht nur technisch zu ermöglichen, sondern nachhaltig weiterzuentwickeln und aktiv anzubieten. Dazu braucht es Mut, bestehende Strukturen zu hinterfragen, Prozesse zu modernisieren und bestehende Abhängigkeiten bewusst zu identifizieren und zu reduzieren. Die Fähigkeit zur ständigen Weiterentwicklung wird damit zur Voraussetzung für langfristige digitale Unabhängigkeit.
Veränderungsbereitschaft und Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer
Teil der Organisation ist der menschliche Faktor. Keine Strategie kann umgesetzt werden, wenn sie nicht von den Menschen mitgetragen wird, deren tägliche Arbeit sie beeinflusst. Nutzerinnen und Nutzer müssen bereit sein, Veränderungen anzunehmen, neue Anwendungen zu testen und aktiv Feedback zu geben. Eine lebendige Feedbackkultur ist unerlässlich. Sie schafft die Grundlage dafür, dass IT-Lösungen stetig besser, nutzerfreundlicher und leistungsfähiger werden. Nur wenn Mitarbeitende in der Verwaltung sich ernst genommen fühlen und ihre Erfahrungen einbringen können, entstehen digitale Werkzeuge, die wirklich wirken.
Der nachhaltige Erfolg einer Souveränitätsstrategie entscheidet sich in der inneren Haltung der Organisationen und im Engagement der Nutzerinnen und Nutzer. Wer souveräne IT nachhaltig etablieren möchte, muss das erkennen, und gezielt in die Organisation wirken. Erst dann entsteht eine digitale Verwaltung, die unabhängig, anpassungsfähig und zukunftsfähig ist.
Stand: 08.12.2025
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Die Vision souveräner IT umfasst neben den strategischen Zielen und organisatorischen Strukturen auch die technischen Grundlagen, auf denen digitale Systeme betrieben und weiterentwickelt werden. Nur wenn diese Grundlagen den Prinzipien von Offenheit, Transparenz und Kontrolle entsprechen, lässt sich digitale Souveränität tatsächlich erreichen und dauerhaft sichern. Der Weg dorthin erfordert konsequente technische Entscheidungen, gezielte Investitionen und den Willen, bestehende Abhängigkeiten zu hinterfragen.