EUDI-Wallet Deutschlands Weg zur digitalen Identität

Ein Gastbeitrag von Uwe Stelzig 4 min Lesedauer

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2026 wird voraussichtlich zum Wendepunkt für Deutschlands digitale Verwaltung: Die EU Digital Identity Wallet verspricht, zahlreiche Dokumente in einer App zu bündeln. Doch bis dahin müssen entscheidende Barrieren überwunden werden. Wie kann der Durchbruch gelingen?

Digitale Identitäten sollten sich möglichst intiuitiv, medienbruch- und barrierefrei nutzen lassen.(Bild:  thodonal - stock.adobe.com)
Digitale Identitäten sollten sich möglichst intiuitiv, medienbruch- und barrierefrei nutzen lassen.
(Bild: thodonal - stock.adobe.com)

Die Umsetzung der digitalen Identität wird in Deutschland zur Geduldsprobe, denn die Akzeptanz hinkt hinterher. Das belegen auch die Zahlen des eGovernment Monitor 2024: Obwohl der Personalausweis seit 2010 eine Online-Ausweisfunktion bietet, nutzen nur 22 Prozent der Befragten diese eID-Funktion. Fast jede und jeder dritte Deutsche (31 Prozent) erledigt seine Verwaltungsangelegenheiten weiterhin ausschließlich offline. 57 Prozent beklagen mangelnde Durchgängigkeit bei digitalen Verwaltungsprozessen, 52 Prozent lehnen eGovernment ab, weil sie sich „digital ausweisen müssten“.

Mit der verpflichtenden Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) und der EU Digital Identity (EUDI) Wallet zeigt sich jedoch laut einer Umfrage von Bitkom Research: Deutschland setzt jetzt verstärkt auf die Digitalisierung amtlicher Dokumente. 49 Prozent der Befragten geben an, die ePA definitiv nutzen zu wollen – ein ermutigendes Signal für die kommenden Innovationen. Authentifizierungsanbieter helfen mit ihrer Expertise in digitaler Identitätsverifikation und eIDAS-konformen Lösungen dabei, diesen Wandel technisch zu begleiten und die Akzeptanzbarrieren zu überwinden.

Systematische Digitalisierung zahlt sich aus

Frankreich demonstriert, wie erfolgreiche Digitalisierung bei Verwaltungsaufgaben funktioniert. Mit der App „France Identité“ führte das Nachbarland systematisch digitale Dokumente ein: 2023 startete der digitale Ausweis („Carte d'identité“), 2024 folgte der Führerschein („Permis de conduire“), und seit Anfang 2025 ist auch die digitale Gesundheitskarte („Carte vitale numérique“) verfügbar. Diese ganzheitliche Strategie zahlt sich aus.

Der Schlüssel zum französischen Erfolg liegt in der zentralen staatlichen Steuerung und der konsequent mobilen Ausrichtung. „France Identité“ ist von Grund auf für das Smartphone konzipiert – inklusive NFC-Funktionen, QR-Code-Login und digitaler Signatur. Besonders bemerkenswert: Die französische Lösung ermöglicht echte Wiederverwendbarkeit der digitalen Identität, von der Altersverifikation bis zur Vertragsunterzeichnung.

Deutsche Unternehmen können von diesem Ansatz lernen, dass erfolgreiche digitale Identitätslösungen neben technische Exzellenz auch nutzerfreundliche, mobile Benutzerführung erfordern. Wichtig ist die Integration in alltägliche Anwendungsszenarien – nicht nur bei Behördengängen, sondern auch in privatwirtschaftliche Prozesse wie Banking, Versicherungen oder Mobilfunkverträge. Hierzulande wird ein stärker koordiniertes, interoperables eID-Ökosystem mit klaren Verantwortlichkeiten beispielsweise im BMI, BSI und BNetzA benötigt.

Europäischer Standard in den Startlöchern

Das EUDI-Wallet könnte ab 2026 in allen Mitgliedstaaten verfügbar sein und zum Gamechanger für digitale Identitäten in Europa werden. Denn es verspricht eine Transformation selbiger: Alle wichtigen Dokumente lassen sich sicher und komfortabel bündeln – vom Personalausweis über den Führerschein bis zur Gesundheitskarte. So der bisherige Plan.

Für Unternehmen bedeutet dies neue Möglichkeiten der Kundenidentifikation und -verifikation nach einheitlichen, europäischen Standards. Die technischen Spezifikationen folgen der eIDAS-Verordnung und gewährleisten Sicherheit bei gleichzeitiger Interoperabilität. Unternehmen, die sich frühzeitig auf diese Standards vorbereiten, können von einem erheblichen Wettbewerbsvorteil profitieren – sowohl national als auch bei der Expansion innerhalb Europas.

Barrieren überwinden, Vertrauen schaffen

Die größte Herausforderung liegt aber nicht in der Technologie selbst, sondern in der Akzeptanz. Viele Deutsche gehen noch immer lieber persönlich zum Amt – oft aus Gewohnheit, manchmal aus Unsicherheit gegenüber digitalen Prozessen. Innovative und nutzerfreundliche Lösungsansätze sind also gefragt. Das gilt vor allem für eGovernment-Webportale und Anwendungen in Verbindung mit Elster, BaföG oder dem Führerschein.

Mobile-First-Design und KI-gestützte Automatisierung können entscheidende Barrieren abbauen. Browserbasierte Identifikation ohne App-Installation, automatisierte Ausweis- und Selfie-Erkennung mit Liveness Detection und die nahtlose Integration der eID-Funktion über NFC machen digitale Identifikation zugänglicher. Besonders wichtig: Consent-gesteuerte Datenfreigabe schafft Transparenz und Vertrauen. Nutzer behalten dabei die Kontrolle darüber, welche Daten an welche Stellen übermittelt werden.

Entscheidend ist auch die Eliminierung von Medienbrüchen. Wenn User einen Prozess online beginnen, aber offline beenden müssen, sinkt das Vertrauen in digitale Lösungen. Hier können spezialisierte Anbieter mit ihrer Expertise deutsche Unternehmen und Behörden unterstützen.

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Weitere Informationen zu IDnow

Im Falle digitaler Identitäten lassen sich Akzeptanzbarrieren praktisch überwinden. So bietet IDnow eine browserbasierte Identifikation ohne App-Installation und setzt auf Mobile-First-Design: UX-optimierte mobile SDKs (Software Development Kit) lassen sich dadurch in Banking- oder eCommerce-Apps integrieren, und Single-Step-Flows ersetzen seitenlange Formulare.

KI-gestützte AutoIdent-Verfahren mit Liveness Detection ermöglichen automatisierte Ausweis- und Selfie-Erkennung ohne Wartezeiten. So lässt sich auch die eID-Funktion des Personalausweises über NFC ins Smartphone integrieren. IDnow ist zertifiziert für die Prepaid-Registrierung nach §111 TKG und arbeitet mit mehreren deutschen Telcos und eSIM-Anbietern zusammen. Auch Banken und Versicherungen setzen auf diese Art der eID-Integration.

Darüber hinaus baut das Unternehmen als Konsortialpartner in EU-geförderten Projekten wie SOTERIA, WE BUILD und APTITUDE reale EU-Wallet-Anwendungen auf und testet diese. Durch Partnerschaften mit netID hilft das Unternehmen dabei, attributbasierte Identitätsmodelle sowie erste Wallet-Projekte zu implementieren.

Richtig gemacht, eröffnet die Digitalisierung der Identität branchenübergreifend neue Wachstumschancen: Deutsche FinTechs wie N26, Solaris oder Raisin können durch wiederverwendbare EUDI-Wallet-Identitäten international skalieren. Besonders deutsche TravelTechs und Carsharing-Anbieter profitieren von nahtloser Identifizierung und Altersverifikation als Wettbewerbsvorteil.

Jahr der digitalen Wende

Die papierlose Verwaltung ist nicht mehr nur Zukunftsvision – sie wird zur Realität und wird zum Wettbewerbsvorteil sowie UX-Motor. Das EU Digital Identity Wallet bietet die historische Chance, die digitale Nutzungslücke zu schließen und zum europäischen Vorreiter zu werden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Unternehmen „Wallet ready“ zu machen.

Wer frühzeitig Wallet-fähige, mobile und interoperable Ident-Lösungen anbietet oder integriert, erhöht seine Wettbewerbsfähigkeit. Von der Finanzwirtschaft über eHealth bis hin zu eCommerce – alle Branchen werden von der digitalen Identitätswende profitieren. Die digitale Identität wird damit zum Schlüssel für eine moderne, bürgernahe Verwaltung und effiziente Wirtschaftsprozesse. Deutschland hat alle Voraussetzungen, diese Chance zu nutzen. Nun entscheidet die finale Umsetzung über den Erfolg.

Uwe Stelzig
ist Managing Director DACH bei IDnow.

Bildquelle: IDnow

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