Kommentar Der IT-Mittelstand als Motor für den KI-Standort Deutschland

Ein Gastkommentar von Christian Knebel 3 min Lesedauer

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Deutschland als führende KI-Nation? Der hiesige IT-Mittelstand könnte hierfür der Schlüssel sein. Heimische Software-Unternehmen schicken sich an, mit ihren Lösungen die Verwaltungsdigitalisierung voranzutreiben.

„Deutschland braucht das Wissen, die Ressourcen und die Kapazitäten im Zukunftsfeld KI – vor Ort“, meint Dr. Christian Knebel.(Bild:  publicplan)
„Deutschland braucht das Wissen, die Ressourcen und die Kapazitäten im Zukunftsfeld KI – vor Ort“, meint Dr. Christian Knebel.
(Bild: publicplan)

Hand aufs Herz: Wer an KI denkt, denkt an große Konzerne, meist aus den USA, nicht an IT-Mittelständler wie publicplan. Und wer an den deutschen Mittelstand denkt, der hat wohl eher Medizintechnik, Autozulieferer oder die Infrastrukturindustrie vor Augen, und nicht gerade Software-Unternehmen. Dabei kann der deutsche Software-Mittelstand längst KI. Ohne Unternehmen mit dem Fokus auf Software oder Technologie stünde die Zukunft des Mittelstands als Ganzes auf dem Spiel. Unternehmen in diesem Bereich bieten digitale Lösungen an, die die Prozesse anderer optimieren – und das nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die öffentliche Hand.

Eine moderne Verwaltung ist digital und setzt KI gezielt ein, um effizienter zu werden und bessere Dienstleistungen anzubieten. Das sehen auch die Bürgerinnen und Bürger so: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) erwarten laut jüngst veröffentlichtem eGovernment Monitor der Initiative D21 vom Staat, moderne Technologien wie KI einzusetzen, um effizienter zu werden. Zu vorschnell wäre es hierbei allerdings, auf die globalen Digital-Riesen und ihre regionalen Ableger zu setzen.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck betonten zuletzt beim Digitalgipfel der Bundesregierung die Ambition, Deutschland zur führenden KI-Nation zu machen und deutsche Unternehmen auf dem Weg zur verstärkten Wettbewerbsfähigkeit im KI-Sektor zu unterstützen. Nun müssen diesen Worten Taten folgen – und das nicht nur auf Bundesebene. Denn die Verwaltung selbst ist nicht zentralistisch organisiert, sondern reicht von selbstverwalteten Kommunen über die Länder bis zum Bund. Jede dieser Ebenen hat ihre eigenen Herausforderungen und Bedarfe. Auch wenn die Länder KI-Leistungen ausschreiben, wären sie gut beraten, dem IT-Mittelstand aus Deutschland eine echte Chance zu geben.

Dafür gibt es drei konkrete Gründe:

  • 1. Es besteht ein gemeinsames Problemverständnis: Aus jahrelanger Zusammenarbeit der IT-Dienstleister mit der Verwaltung kennen die Unternehmen die Rahmenbedingungen sehr gut und verstehen die Wünsche und Bedürfnisse.
  • 2. Der deutsche IT-Mittelstand kann es: Deutsche Unternehmen investieren viel in Forschung und Entwicklung. Im IT-Mittelstand entstehen Lösungen auf dem neuesten Stand der Technik.
  • 3. Wir sind hier und nicht in Kalifornien oder Texas.

Gerade letzteres ist besonders relevant, denn es bedeutet:

  • Deutsche Unternehmen nehmen Datenschutz ernst und schicken Bürger- und Firmendaten nicht um die halbe Welt – für ein Drittel der Deutschen einer der wichtigsten Vorbehalte gegenüber KI-Einsatz beim Staat.
  • Die digitale Souveränität bleibt gewahrt und wird gestärkt. Es bleibt transparent, wo Daten liegen und wie sie verarbeitet werden – und das Know-how für innovative Verwaltungstechnologien steht in Deutschland langfristig zur Verfügung.
  • Deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer kennen die Anforderungen und die „Schmerzpunkte“, nicht zuletzt sind sie auch selbst Bürger.

Das alles stärkt das Vertrauen und fördert die Akzeptanz neuer Technologien, die wir dringend brauchen.

Wenn der deutsche IT-Mittelstand und die Verwaltung eng zusammenarbeiten, können die passenden, maßgeschneiderten KI-Lösungen entstehen, die die Verwaltung fit für die Zukunft machen – auch angesichts von Herausforderungen wie Fachkräftemangel und (zurecht) steigender digitaler Erwartungen der Bürger. Nicht zuletzt stärken öffentliche KI-Aufträge den IT-Mittelstand und die KI-Vorreiter in Deutschland. Deutschland braucht das Wissen, die Ressourcen und die Kapazitäten im Zukunftsfeld KI – vor Ort.

Also: Wenn das „Wir“ im Vordergrund steht, können sowohl zukunftsfähige Strukturen in der Verwaltung wachsen als auch eine zukunftsfähige Mittelstandsförderung entstehen, ganz ohne Extra-Subventionen in Millionen- oder Milliardenhöhe. Das ist gut für die Bürger, gut für den Staat, gut für die Wirtschaft und gut für die Demokratie.

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