Bayern „An einer einheitlichen Bürger-ID führt kein Weg vorbei“

Das Gespräch führte Susanne Ehneß Lesedauer: 6 min

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Bayern ist beim eGovernment ganz vorne dabei. Mit Digitalministerin Judith Gerlach haben wir über den Status quo, die weiteren Pläne des Bundeslands rund um die Verwaltungsmodernisierung und über die Koordinierung auf Bundesebene gesprochen.

Judith Gerlach ist seit November 2018 bayerische Staatsministerin für Digitales
Judith Gerlach ist seit November 2018 bayerische Staatsministerin für Digitales
(© StMD / Anne Hufnagl)

Wie bewerten Sie den Status quo der Digitalisierung in der Öffentlichen Verwaltung ­bundesweit – und speziell in Bayern?

Gerlach: Bayern liegt seit Monaten im Ranking des Bundes auf Platz 1 bei der Verwaltungsmodernisierung. Mit der BayernApp ­haben wir ein Ausrufezeichen bei Mobile Government gesetzt. Wir haben zudem vergangenen Sommer das deutschlandweit erste Digitalgesetz auf den Weg gebracht. Und wir haben mit der byte als ­erstes Bundesland eine Digital­agentur zur Verwaltungsdigitalisierung geschaffen. Bayern steht also schon gut da.

Auch im Bund setzen wir immer wieder wichtige Akzente, wie beispielsweise mit dem deutschlandweit einheitlichen Unternehmenskonto, entstanden unter der gemeinsamen Federführung von Bayern und Bremen. Aber wir können erst zufrieden sein, wenn alle Menschen von den Fortschritten der Digitalisierung profitieren. Da sehe ich durchaus noch Verbesserungsbedarf.

In Deutschland sind wir oft zu zögerlich, ängstlich und perfektionistisch bei der Digitalisierung. Statt pragmatisch technische Lösungen zu entwickeln und anzuwenden, diskutieren wir gerne ­lange in Stuhlkreisen und wälzen alle denkbaren Probleme. So funktioniert Digitalisierung aber nicht. Wir brauchen pragmatische Lösungen.

Bayern hat vor wenigen Wochen eine ambitionierte Digitalstrategie mit über 200 Einzelmaßnahmen vorgelegt. Welche Projekte liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen?

Gerlach: Mit dem Digitalplan gehen wir die aktuell drängendsten Herausforderungen im Digitalen für Bayern an und bieten konkrete Lösungsansätze. Das lässt sich an vier wesentlichen Feldern des Digitalplans festmachen:

  • Erstens Digitale Bildung – nur wer sich auskennt, kann auch Gestalter sein und sich selbstbestimmt in der digitalen Welt bewegen. Wir nehmen deshalb alle bei der digitalen Transformation mit – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Wohnort. Dazu gehen wir auch direkt vor Ort in die Gemeinde- und Stadtzentren: Ganz unkompliziert können sich die Menschen an Beratungs-Theken in ihrer Stadtbücherei, im Rathaus oder an anderen Orten des Alltags persönlich zu ihren Fragen rund um das Thema Digitalisierung beraten lassen.
  • Bayern als moderner, digitaler Staat: Uns ist nicht nur die Leistungsfähigkeit unserer Strukturen wichtig, sondern auch, wie bürgerorientiert und nutzerfreundlich wir aufgestellt sind. Deshalb entwickeln wir schon jetzt in unseren Innovations­laboren die Services gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern. Neue Verfahren werden konsequent digital gedacht und umgesetzt. So stellen wir sicher, dass der virtuelle Gang aufs Amt in Zukunft genauso einfach, ­nutzerzentriert und flexibel ist wie Online-Shopping.
  • Neue und offene Datenkultur: Daten sind der Schlüssel für Innovation und nachhaltiges Wachstum und müssen deshalb klug genutzt werden. Wir wollen mehr Daten verfügbar und nutzbar machen, um Kommunen, Unternehmen, aber auch Wissenschaft und Zivilgesellschaft neue Projekte zu ermöglichen.
  • Einsatz von Technologie für besseren Klimaschutz: Effektiver Klimaschutz erfordert umweltfreundliche und nachhaltige Technologien. Hierauf reagieren wir beispielsweise mit dem Bavarian Green Data Center, unserem Rechenzentrum der Zukunft. 2,8 Millionen Euro investieren wir in das Modellprojekt, um verschiedene Technologien zusammenzuführen: Von Photovol­taik über energieeffiziente Server-Kühlung bis zur Nutzung der Abwärme der Server für den Anbau zum Beispiel von Gemüse oder Obst.

Im Digitalplan ist auch eine Cloud-Strategie für Bayern vorgesehen. Was sind hier die geplanten Inhalte?

Gerlach: Um auf der Höhe der Zeit und der Technologie zu bleiben, erarbeiten wir zur Weiterentwicklung der staatlichen IT-Landschaft eine Cloud-Strategie für den Freistaat Bayern. Damit ermöglichen wir innovative Anwendungen für die Verwaltung und erhöhen gleichzeitig die Sicherheit und Resilienz der IT-Infrastruktur. Der zentrale Betrieb von Softwaresystemen in der Cloud ermöglicht beispielsweise eine unmittelbare Bereitstellung von Updates an alle Nutzerinnen und Nutzer. Solche plattformbasierten Systeme schöpfen zudem die Potenziale der skalierbaren Nutzung von Rechenkapazität aus, können also im Bedarfsfall schnell um zusätzliche Anwenderkreise erweitert werden.

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