Digitalisierung in der Kommune: Nürnberg „Wir könnten technisch mehr, als wir dürfen“

Von Susanne Ehneß 11 min Lesedauer

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Die Stadt Nürnberg hat sich schon früh auf den Weg gemacht, ihre Prozesse zu überprüfen und bei Bedarf zu digitalisieren. Olaf Kuch, Leiter des Direktoriums Bürgerservices, Digitales und Recht, und Dr. Matthias Latus, Leiter des Amts für Digitalisierung und Prozessorganisation, sprechen über die Strategie der zweitgrößten Stadt Bayerns und die vielen kleinen Stolpersteine auf dem Weg zur Verwaltungsdigitalisierung.

Stadt Nürnberg: Blick auf Henkersteg und Maxbrücke.(©  EKH-Pictures - stock.adobe.com)
Stadt Nürnberg: Blick auf Henkersteg und Maxbrücke.
(© EKH-Pictures - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung der Verwaltung ist nicht erst seit Beschluss des ­Onlinezugangsgesetzes (OZG) im Jahr 2017 ein Thema für die Stadt Nürnberg. Bereits 2005 ging es los mit der Modernisierung der einzelnen Dienststellen. Olaf Kuch, damals Leiter des Einwohnermelde­amts, empfand dies zur damaligen Zeit als Belästigung, ist heute aber froh darüber: „Dieses ständige Nachbohren war die Basis für den Stand, den wir jetzt haben.“ 2019 kam dann die in einem partizipativen Prozess erarbeitete Agenda „Digitales Nürnberg“ hinzu, mit den drei Säulen

  • Digitalisierung der Stadtverwaltung,
  • Einbindung der Bürger (Bürgerportal, Online-Assistenten),
  • Kontakt zu den Stakeholdern der Stadt (wie Hochschulen, Wirtschaft).

Matthias Latus (l.), Leiter des Amts für Digitalisierung und ­Prozessorganisation, und Olaf Kuch, Leiter des Direktoriums ­Bürgerservices, Digitales und Recht.(©  Susanne Ehneß)
Matthias Latus (l.), Leiter des Amts für Digitalisierung und ­Prozessorganisation, und Olaf Kuch, Leiter des Direktoriums ­Bürgerservices, Digitales und Recht.
(© Susanne Ehneß)

„In den letzten fünf Jahren haben wir die strategischen Weichenstellungen und die Rahmenbedingungen für die gesamte Stadtverwaltung geschaffen, damit wir unsere Digitalisierungsziele auf den Weg bringen können“, sagt Matthias Latus, Leiter des Amts für Digitalisierung und Prozessorganisation. Insgesamt gibt es in der Nürnberger Stadtverwaltung derzeit 70 Dienststellen mit rund 12.000 Beschäftigten. Im Amt für Digitalisierung sind mit 50 vergleichsweise wenig Personen angestellt. „Aber im Rahmen dieser Möglichkeiten haben wir unser Amt in seinen Strukturen auf die stadtweiten Herausforderungen ausgerichtet“, sagt Latus. Schwerpunktmäßig kümmert sich das Amt um die ­Themen eGovernment, Geschäftsprozessmanagement und Prozess­automatisierung sowie Organisations- und Projektmanagement. „Gemeinsam mit den Dienststellen schauen wir die Prozesse an, optimieren diese und digitalisieren anschließend. Voneinander lernen und gute Lösungen übertragen ist unser Ziel“, betont Latus.

Hilfreicher Austausch mit Augsburg und München

Mit Augsburg und München, den anderen beiden großen bayerischen Städten, ist Nürnberg regelmäßig im Austausch. „Wir haben einen sehr guten fachlichen Austausch, arbeiten eng kooperativ“, sagt Latus. Die drei Städte eint mit dem Freistaat Bayern der einheitliche Ansprechpartner und Geldgeber sowie die gleichen Rechtsgrundlagen. Dennoch habe beispielsweise München als Landeshauptstadt andere Rahmenbedingungen. „München hat ganz andere finanzielle Ressourcen, daher müssen wir schauen, dass wir Synergien schaffen und mit kleinen Themen anfangen“, sagt Kuch. Aber bei den strategischen Themenstellungen stehe Nürnberg ­den anderen Städten in keiner Weise nach. „Mit der Durchschlagskraft der drei größten Städte wirst du natürlich schon gehört“, sagt Olaf Kuch, der mittlerweile das Direktorium Bürgerservices, Digitales und Recht leitet, und bezieht sich dabei sowohl auf das Bundesland als auch auf den Deutschen Städtetag. „Die sind sehr daran interessiert, was wir miteinander besprechen“, betont Kuch.

Bürgerräte sind gerade ein sehr angesagtes Modell.

Olaf Kuch

Einen ehrenamtlichen Digitalrat, wie ihn beispielsweise die Stadt Augsburg hat, gibt es in Nürnberg nicht. „Bürgerräte sind gerade ein sehr angesagtes Modell, in verschiedensten Varianten. Aber unsere Strategie stammt aus der Zeit davor“, erklärt Kuch. Die Stadt pflege ihren Austausch eher auf professioneller Ebene, beispielsweise mit Wirtschaftsverbänden oder den Hochschulen. „Die Digitalstrategie für die Stadt Nürnberg wurde in einem partizipativen Prozess mit Stadtverwaltung, Wissenschaft und Praxis erarbeitet", ergänzt Latus.

Die Schätze der Verwaltung

Die Digitalisierung ist seit ein paar Jahren direkt im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters verortet, dort ist eine Bündelung in der orga­nisatorischen Bezeichnung „Direktorium“ erfolgt. Laut Kuch hat dies den Vorteil, dass es kaum ­Hierarchien gebe, die man erst überzeugen müsse. Dinge, die hier neu gedacht würden, könnten direkt ausprobiert werden. Und dadurch, dass das Amt direkt beim OB angesiedelt sei, schaue die restliche Stadt sehr genau hin. „Wenn es funktioniert, wollen sie es auch“, freut sich Kuch.

Robotereinsatz beschäftigt uns ganz stark. Wir haben im Wohngeldbereich damit erste Erfahrungen gesammelt und auch interkommunal große Aufmerksamkeit bekommen.

Dr. Matthias Latus

An Ideen und Projekten mangelt es den Nürnberger Verantwortlichen nicht. Aktuell stehen Themen wie Registermodernisierung, ­Social Intranet, moderne Bezahlverfahren, LoRaWan, aber auch Prozess­automatisierung auf der Agenda. „Robotereinsatz beschäftigt uns ganz stark“, erläutert Latus. „Wir haben im Wohngeldbereich damit erste Erfahrungen gesammelt und auch interkommunal große Aufmerksamkeit bekommen. Das rollen wir jetzt aus.“

In der Stadt kommen an verschiedenen Stellen ­Roboter zum Einsatz, und mit künstlicher Intelligenz (KI) werden erste Themenstellungen erprobt – wie die Vollständigkeitsprüfungen von Dokumenten oder eine Klassifizierung von Bürger-Feedback sowie Schulungsunterlagen.

Auf der nächsten Seite: Hochwertige Daten, Prozessmanagement, OZG & Blick ins Pop-up-Bürgerbüro.

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