Live aus dem CDO-Zirkel Werde ich überflüssig?

Ein Gastbeitrag von Andreas Steffen 7 min Lesedauer

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Nein, es geht hier nicht um KI. Nicht um die Sorge, dass künstliche Intelligenz uns die Jobs stehlen wird. Auch nicht um deren bevorstehende Übernahme der Weltherrschaft. Genauso wenig wird KI als der (h)eilige Gral gelobt, der alles besser und einfach macht.

Buntes Clustern auf der SCCON: Antje Voß und Stephan Jarvers im Workshop.(©  NEGZ, Nicole Mank)
Buntes Clustern auf der SCCON: Antje Voß und Stephan Jarvers im Workshop.
(© NEGZ, Nicole Mank)

„Wann bin ich überflüssig?“ Diese Frage darf an alle CDOs und Menschen in vergleichbaren Rollen ­gerichtet werden, die in die (auch eigene) Zukunft schauen wollen: Wann wird die Digitalisierung in den deutschen Amtsstuben von Bund, Ländern und Kommunen so normal sein, so selbstverständlich und alltäglich und ebenso nutzerfreundlich in der Handhabung, dass es keine digitalen Officers mehr braucht? Oder wird es CDOs für immer geben, weil es bei ihrem „D“ um weit mehr als nur die Einführung und Etablierung von funktionierender IT geht?

„Es ist vor allem eine Moderations- und Kommunikationsaufgabe.“ So hat es kürzlich Dr. Markus Richter, der Bundes-CIO, bei einem Event in der österreichischen Botschaft formuliert. Weil CIO und CDO recht nahverwandte Rollen sind, kann seine Aussage vermutlich „vom I aufs D“ übertragen wer-den. Ja, diese Arbeit wird noch sehr lange erforderlich und relevant sein. Nach dem Einführen all der digitalen Dinge und der Akzeptanz der damit verbundenen Abläufe wollen IT, Software und Prozesse gut gemanagt werden, weiterer Change möchte transparent moderiert und klug kommuniziert werden.

Gleichzeitig darf man davon ausgehen, dass „always beta“ mitschwingen wird: Genau wie lebenslanges Lernen gelernt und „ohne Ende“ genutzt werden will, sollte man auf allen Ebenen einer Verwaltungsorganisation darauf vorbereitet sein, dass es nie und nirgends eine digitale Anwendung ­geben wird, die bis in alle Ewigkeit der unveränderliche Standard bleibt.

Um dafür – neben Gesetzen und Glaubenssätzen – eine gewisse Grundstabilität zu bieten und ­Orientierung, können Werte helfen. Damit sind keine klassischen Parameter und Zahlen gemeint, die als Nullen und Einsen im Quellcode auftauchen; vielmehr sind es Werte des Miteinanders, die also von CIO auf „CI“ verkürzen und damit die Corporate Identity ­meinen, die Identität der Organisation.

Workshop „Was zur Hölle haben Werte mit Digitalisierung zu tun?“ mit Maike Brockmayer (l.) und Antje Voß bei der NEGZ-Herbsttagung.(©  A. Steffen)
Workshop „Was zur Hölle haben Werte mit Digitalisierung zu tun?“ mit Maike Brockmayer (l.) und Antje Voß bei der NEGZ-Herbsttagung.
(© A. Steffen)

NEGZ-Herbsttagung

Hierzu gaben meine CDO-Zirkel-Co-Sprecherin Antje Voß und ihre Kollegin Maike Brockmayer auf der NEGZ-Herbsttagung Einblick in den Werte-Kompass vom Kreis Schleswig-Flensburg. Dabei haben sie anschaulich dargestellt, wie die – echten, realen, im Alltag spürbaren – Werte und Haltungen der Menschen auf allen Organigramm-Ebenen Einfluss haben auf Tools und Prozesse, die in der Organisation zum Einsatz kommen, und welche Kompetenzen damit verbunden sein sollten, so dass alles klug zusammenpasst und Nutzen stiftet.

Als größte Herausforderungen wurden im Workshop nicht die Tools und Prozesse erachtet – stattdessen waren es drei Aspekte, die nichts mit Software und IT zu tun haben und kaum durch KI gelöst werden können:

  • Die starren Rahmenbedingungen der ÖV, die selbstbestimmtes Arbeiten oft nur auf dem Papier erlauben, wenn überhaupt, selten in der Realität.
  • „Kompetenzen fordern ist leicht, das Fördern kommt oft zu kurz“, hieß es auf einem lang diskutieren Post-it. Hier scheint nicht nur viel Potenzial, sondern vor allem großer Bedarf zu bestehen, um die Menschen eben nicht nur „mitzunehmen“ (wie im Taxi oder Bus), sondern ihnen all das an und in die Hand zu geben, was erforderlich ist, damit sie selbst eigenständig Fahrt aufnehmen können.
  • Drumherum, darüber und darun­ter schwebte dann noch die Frage, wie die Werte wirklich handfest, passend und real erlebbar werden. So dass sie nicht nur in goldenen Lettern an der Wand oder hübsch bebildert in der Imagebroschüre, sondern „in ­guten wie in schlechten Zeiten“ ­bestehen; wenn es also auch mal kritisch wird und sich gerade in Krisenzeiten zeigt, wie resilient und existent die Werte wirklich sind.

Kann man all diese Anforderungen rein auf den oder die CDO abladen? Ganz sicher nicht. Hierbei ist wohl auch die von Markus Richter angesprochene Moderationsrolle von Bedeutung. Denn Werte sollten nicht von oben verordnet werden, gleichzeitig kann womöglich noch besser hingeschaut und zugehört werden, was es braucht, um die vorhandenen „Drachen zu zähmen“, die im Workshop zahlreich aufgelistet wurden. Dafür benötigt man das echte Miteinander ganz vieler Bereiche einer Behörde.­

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