Live aus dem CDO-Zirkel Von Kuhhirten und anderen Akteuren

Ein Gastbeitrag von Andreas Steffen 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Beim EM-Kneipenquiz nach den Spielen der Fußball-Europameisterschaft 2024 wurde sie bekannt: die Location „Zum Kuhhirten“ in Bochum. Am 31. Januar 2025 traf sich dort ein illustrer Kreis von Menschen, die als CDOs und in ähnlichen Rollen die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vorantreiben.

In der Location „Zum Kuhhirten“ erarbeiteten die CDOs konkrete Vorschläge.(©  Dudarev Mikhail - stock.adobe.com)
In der Location „Zum Kuhhirten“ erarbeiteten die CDOs konkrete Vorschläge.
(© Dudarev Mikhail - stock.adobe.com)

Bemerkenswert, weil ebenso sachlich-fundiert wie mit erfolgreichen und greifbaren Beispielen gewürzt war der Impulsvortrag von Denes Kücük beim Treffen des CDO-Zirkels in Bochum. Der CDO der gastgebenden Stadt gab Einblicke in die digitalen Aktivitäten und stellte dabei zahlreiche Ergebnisse vor, die für andere Kommunen als Vorbilder zum Nachmachen dienen können. Als Berliner war ich mehrfach neidisch bei Denes' Vortrag – und auch die anderen Teilnehmenden haben beeindruckt reagiert.

Um den 2024er Spirit des Kneipenquiz fortzusetzen, gab es für unser 2025er Auftakttreffen des CDO-Zirkels das Kuhhirtenquiz, bei dem die folgenden vier kuhriosen Fragestellungen als Warm-up und erste Themensammlung dienten.

(H)Eilige Kühe?

Gibt es sie? Wenn ja, welche sind es, die so heilig sind, dass man sie nie, nie, niemals anrührt? Und wollen wir sie schlachten oder melken? Apropos heilig oder eilig: Was ist absolut bewahrenswert – und was sollte sich dringend ändern?

Als Antworten gab es Klassiker wie den Datenschutz: „Ist das auch rechtssicher?“ Diese Killerfrage wurde als immer wiederkehrende und oft „heilige Bremse“ benannt, mit der man anders umgehen sollte als bislang. Register und Basisinfrastrukturen waren ebenfalls präsent auf unserem geistigen Weideplatz zwischen heilig und eilig. Insgesamt gab es die einhellige Meinung, dass es – außer dem Verständnis, Diener oder Dienerin des Staates zu sein – keinerlei heilige Kühe geben sollte.

Geht das wirklich auf ­keine Kuhhaut?

Welche Zustände, Glaubenssätze und andere Bremsklötze behindern die Transformation in der deutschen öffentlichen Verwaltung? Und wo ist die metaphorische Kuhhaut wirklich nicht ausreichend?

Der clevere Umgang mit Daten wurde hier erneut genannt – sowohl beim Sammeln wie dadurch auch für die Nutzung dieser Daten werden deutliche Potenziale gesehen. Zu häufig fehlen jedoch konkrete damit verbundene Ziele oder positive Erfolgsbeispiele wie die aus Bochum, um sich überhaupt klar zu werden über die erforderliche „Größe der Kuhhaut“ in der jeweiligen Amtsstube. Die Diskussion thematisierte außerdem die komplexe Akteurslandschaft, den klugen Umgang mit begrenzten Personalressourcen und teils massive Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Die Kuh (oder den Stier) vom Eis bekommen?

Um welches Eis genau geht es? Ist es dünn oder besonders dick? Warum steht die Kuh dort – und will sie sich überhaupt bewegen? Dabei ging es auch darum, welche ­Vision hinter der Veränderung steht, womöglich mit konkreten Zielen. Welche wären das?

Dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist, sollte überall bekannt sein. Dennoch erschien es uns wichtig hervorzuheben, dass es auch darum geht, mit solchen Aktivitäten das Vertrauen in den Staat wieder zu stärken. Mehrfach wurden – fehlende wie auch zum Teil vorhandene – Standards genannt, die für mehr Beschleunigung und klugen Betrieb sorgen können. Oft fehlt auch Klarheit über die angestrebten Wirkungen. Gleichzeitig muss es wohl noch mehr Unabhängigkeit der Digitalmaßnahmen von rein persönlichen bzw. (partei-)politischen Interessen geben.

Den Stier bei den Hörnern packen

Hierbei ging es um spontane Ideen für kreative, innovative und gleichzeitig realistische Hebel zum Anpacken. Erneut sollten Wirkung und Wirkungsmessung gedanklich eine Rolle spielen – denn ein womöglich riskantes Hörnerpacken sollte sich ja schon lohnen.

Gesucht: Ideen für kreative, innovative und gleichzeitig realistische Hebel zum Anpacken.(©  privat)
Gesucht: Ideen für kreative, innovative und gleichzeitig realistische Hebel zum Anpacken.
(© privat)

Ausführlich, sicher nicht vollumfänglich, wurde hierbei die Notwendigkeit für umfangreichen Kulturwandel in der Verwaltung besprochen. Verantwortung als auch Vertrauen waren dabei aus unserer Sicht wichtige Vokabeln. „Tempo hält bei Laune“ lautete einer der bunten Post-its – verbunden mit den folgenden Fragen: „Warum sind wir teilweise so lahm?“, „Warum klappt so manches in der Krise, aber nicht im Alltag?“ und: „Wie können wir aus dem Bisherigen besser lernen, um besser und schneller zu werden?“

Auf der nächsten Seite: Herausforderungen & Wirkung.

(ID:50332143)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung in der Verwaltung

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung