Innovatives Management Von Binnendigitalisierung und digitaler Souveränität

Von Johannes Kapfer 6 min Lesedauer

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Im Gespräch mit eGovernment berichten Christine Serrette (ITZBund) und Matthias Kohlhardt (MACH) von Digitalisierungserfolgen der vergangenen Jahre, über Potentiale im Vergabewesen sowie über effizienten Ressourceneinsatz.

Beim Innovativen Management der MACH AG standen alle Zeichen auf Digitalisierung.(©  Coloures-Pic - stock.adobe.com)
Beim Innovativen Management der MACH AG standen alle Zeichen auf Digitalisierung.
(© Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Die Bundesstadt Bonn war in der ersten Maihälfte Austragungsort der Konferenz „Innovatives Management“ der MACH AG. Kurz vor der Veranstaltung, die im Plenarsaal des historischen Bundestags stattfand, hatte eGovernment die Gelegenheit, mit Christine Serrette, technische Vizedirektorin des ITZBund, und Matthias Kohlhardt, CEO der MACH AG, zu sprechen. Dabei kamen unter anderem die Themen digitale Souveränität sowie das neu gegründete Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung zur Sprache.

Christine Serrette ist technische Vizedirektorin beim ITZBund.(Bild:  Peter-Paul Weiler)
Christine Serrette ist technische Vizedirektorin beim ITZBund.
(Bild: Peter-Paul Weiler)

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Das ITZBund als zentraler IT-Dienstleister des Bundes zeichnet im Hintergrund für viele Digitalisierungsschritte der vergangenen Jahre verantwortlich. Eine der aktuellsten Iterationen auf dem Weg der digitalen Transformation der öffentlichen Verwaltung ist das KI-Portal ITZBund, kurz KIPITZ. Unter anderem mit diesem System, welches mittlerweile flächendeckend beim Bundesfinanzministerium eingesetzt wird, habe man in den vergangenen Jahren das Fundament für einen digitalen Standort Deutschland geschaffen, betont Christine Serrette. Auch der Themenbereich Multi-Cloud sei in der jüngsten Vergangenheit mit Nachdruck angegangen worden. Diesen hätte das ITZBund „zu 80 Prozent“ umgesetzt. „Wir haben zwei große Private-Cloud-Umgebungen in unseren Rechenzentren bereitgestellt und haben die Öffentliche Verwaltung nun dazu befähigt, für weniger sensible Daten die Public Cloud zu nutzen; der nächste Schritt, der in die souveräne Cloud soll zeitnah erfolgen“, schiebt Serrette nach.

Matthias Kohlhardt ergänzt, dass – aus seiner Sicht – in der Vergangenheit zu verschwenderisch mit Steuergeldern umgegangen worden sei. Viele Kommunen und auch Länder hätten – trotz bereits bestehender und operativer Lösungen – ihre „eigenen Süppchen gekocht“. Aus diesem Grund begrüße er Lösungen wie KIPITZ. Diese würden nämlich dafür sorgen, dass man die vorhandenen Kräfte, die freien Entwicklerkapazitäten optimal einsetzen könne. Die MACH AG entwickle beispielsweise zur Zeit mit dem Land Schleswig-Holstein eine  Open-Source-E-Akte-Lösung, die im Nachgang über die Deutsche Verwaltungscloud (DVC) von anderen Bundesländern nachgenutzt, adaptiert und mit überschaubarem Aufwand an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden kann. Man müsse in diesem Kontext auch darauf achten, dass Lösungen, die von einem Bundesland entwickelt werden, in den meisten Fällen nicht „eins zu eins“ übernommen werden können, merkt Serrette an. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass in Beschaffungsprozessen einige Neuentwicklungen gegenüber bestehenden Lösungen den Vorzug erhalten haben. Sie appelliert deshalb an die Verantwortlichen von Bund und Ländern, nicht immer eine „100-Prozent-Lösung“ zu erwarten, sondern eine Lösung nachzunutzen, deren Leistungsumfang zu 70, 80 oder 90 Prozent dem eigenen Anforderungskatalog entspreche. Im Nachgang könnten diese verbleibenden Anforderungen mit signifikant geringerem Aufwand – im Vergleich zu einer vollständigen Neu- und Eigenentwicklung – beauftragt, umgesetzt und implementiert werden.

Digitale Souveränität gemeinsam lernen

Aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage ist digitale Souveränität wohl wichtiger denn je. Die 2007 gegründete Allianz europäischer Verwaltungs-IT-Dienstleister (Euritas) stellt für das ITZBund eine regelmäßige Quelle des nationenübergreifenden Diskurses dar, hebt Serrette hervor. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Österreich, Frankreich und Dänemark habe – laut der technischen Vizedirektorin des ITZBund – in der Vergangenheit bereits Früchte getragen.

Matthias Kohlhardt ist CEO der MACH AG.(©  MACH AG)
Matthias Kohlhardt ist CEO der MACH AG.
(© MACH AG)

Matthias Kohlhardt fügt an, dass es in Zukunft kompromisslos sei, in Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedsstaaten eine europäische Cloud-Lösung anzubieten und einen europäischen Hyperscaler ins Leben zu rufen. Nicht zuletzt aufgrund der globalen Situation müsse man daher möglichst schnell von kleinen, lokal begrenzten Lösungen hin zu einer paneuropäischen Lösung denken und skalieren. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir diese Dinge europäisch aufgesetzt bekommen.“, sagt Kohlhardt und zieht Vergleiche zu europäischen Unternehmen wie Airbus, deren Produkte weltweit Einsatz finden und in puncto Funktionalität nicht auf ein Land oder gar eine Kommune beschränkt sind.

Auf der nächsten Seite: Schlüsselfaktor Beschaffungswesen & Erwartungen an das BMDS.

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