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Verwaltungsberatung und die Nutzung von KI

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KI hat das Potenzial, die massiven Auswirkungen der demographischen Entwicklung und des sich verschärfenden Fachkräftemangels abzufedern.“ KI hat aber auch das Potenzial, Arbeitsleistungen zu verbessern: In Zusammenarbeit mit der Harvard Business School und anderen Institutionen untersuchte das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) in einem Selbstversuch, wie KI die Leistung bei komplexen Aufgaben beeinflusst.

In dem im ­September 2023 veröffentlichten Experiment haben 758 Berater teilgenommen, die zufällig in eine von drei Gruppen zugeteilt wurden: Keine KI, KI-Zugriff oder Zugriff mit KI-Training. Bei 18 Aufgaben waren diejenigen, die KI nutzten, deutlich produktiver: Im Schnitt wurden 12,2 Prozent mehr Aufgaben erledigt, die Teilnehmer waren um 25,1 Prozent schneller und lieferten qualitativ bessere Ergebnisse im Vergleich zur Kontrollgruppe ab.

In dem Selbstversuch stellte sich heraus, dass Menschen in allen Leistungsbereichen von KI profitieren, besonders aber jene, die unterhalb des Durchschnitts liegen und zwischen 17 und 43 Prozent Leistung erbringen. Jedoch waren bei Aufgaben außerhalb der KI-Grenzen diejenigen mit KI um 23 Prozent weniger erfolgreich als diejenigen, die KI nicht nutzten.

  • 90 % aller Teilnehmer konnten ihre Leistung erheblich verbessern. Nutzer, die KI innerhalb ihrer Grenzen verwendeten, erbrachten sehr gute Leistungen.
  • KI-Nutzung außerhalb ihrer Grenzen: Nutzer machten mehr Fehler und stellten trotz Warnung über mögliche Falschantworten die Ergebnisse nicht in Frage, weil ihnen die Erklärung der KI plausibel vorkam.
  • Bei richtiger Nutzung profitieren vor allem leistungsschwächere Mitarbeiter, da sie den Abstand zu den anderen verringern konnten.

Nachdem Nutzer außerhalb der Grenzen von KI mehr Fehler machten, testete man auch eine Gruppe mit entsprechendem Training in KI. Diese wurden technisch geschult und über KI-Grenzen aufgeklärt. Durchschnittlich schnitten sie aber schlechter ab als die ungeschulte Gruppe mit KI, sodass man zu der Schlussfolgerung kam, dass ein Training zwar nicht ineffektiv sei, aber die Möglichkeit bestünde, dass die trainierte Gruppe ihren eigenen Fähigkeiten zu sehr vertrauten – gerade weil sie in der Nutzung von KI trainiert waren.

Aus der Analyse ergaben sich auch zwei verschiedene KI-Nutzungs­typen: Einige Berater teilten ihre Aktivitäten zwischen sich selbst und der KI auf, um eine passende Lösung zu finden, während andere eher komplette Aufgaben an die KI übergaben. Neben dem positiven Einfluss von KI auf die Arbeitsleistung von Consultants, decken die Studien der BCG auch Risiken in Bezug auf die Kreativität auf: Das primäre Risiko besteht im Ausgleich von der individuellen Leistungssteigerung und dem Verlust der kollektiven Kreativität. Da GPT-4 oft ähnliche Antworten auf ähnliche Eingabeaufforderungen liefert, waren zwar die individuellen Ergebnisse der Teilnehmer besser, aber insgesamt repetitiv. Im Vergleich zu der ­Gruppe, die ohne KI an kreativen Produktinnovationen arbeitete, war die Vielfalt der Ideen und Meinungen um 41 Prozent geringer. Nutzen also mehrere Verwaltungen die gleiche Technologie für ähnliche Aufgaben, führt das zu einer Angleichung zwischen Organisationen und dem ­Risiko, dass die Technologie nicht an die Bedürfnisse und Marktbeteiligung einzelner Verwaltungen und Kommunen angepasst werden kann. Lösungen, die generative KI-Modelle mit hochwertigen, verwaltungsspezifischen Daten verbinden, sind gefragt.

Fachkräftemangel

Vielen Verwaltungen fehlt die Zeit, das nötige Personal und das Fachwissen, um das Streben nach technischer Innovation zu realisieren und das tägliche Aufgaben­spektrum zu meistern. Nachdem sich auch die Vergabeprozesse als schwierig erwiesen haben, stellt sich die Frage, ob KI ohne die Hilfe von Consulting die Lösung für den Fachkräftemangel in den Verwaltungen sein kann.

KI hat das Potenzial, die Leistungen der Mitarbeiter individuell zu stärken und Prozesse zu optimieren. Auch werden Mitarbeiter durch Automatisierung entlastet. Neben der Tatsache, dass effektive Schulungsprogramme unerlässlich sind, spielen kognitive Verzerrungen eine Rolle: Die können dazu führen, dass sich Mitarbeiter zu stark auf generative KI verlassen. Eine erfolgreiche Ende-zu-Ende-Digitalisierung erfordert außerdem eine Verknüpfung aller Handlungsfelder mit Programmen, IT-Sicherheit, Projektmanagement und einer umsichtigen Budgetierung. KI alleine ist so ohne die Expertise von Consultants, die Verwaltungen bei der Planung, Einrichtung und Anwendung unterstützen können, nur bedingt hilfreich. Mit ihrer Hilfe, einer passenden Strategie und dem richtigen Einsatz von KI-Tools können Verwaltungen den Erwartungen an ihre Handlungsfähigkeit im Digitalisierungsprozess gerecht werden.

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