conhIT-Nachlese

So lassen sich Krankenhäuser „industrialisieren“

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Sobald es um sektorenübergreifende Lösungen im Gesundheitswesen geht, rückt zwangsläufig die Frage der Standards in den Fokus. So auch bei der Frage der Versorgungssteuerung, die über rein medizinische Belange hinausgeht. Sie sollte ganzheitlich sein. Das klingt für den Patienten logisch und wünschenswert, ist aber bei weitem nicht selbstverständlich. Erste Insellösungen auf der Basis bewährter Standards, die ebenfalls auf der conhIT vorgestellt wurden, lassen jedoch laut Messeleitung hoffen.

So wird im Projekt ATMoSPHÄRE (Autonomie trotz Multimorbidität in Sachsen durch Patientenempowerment, Holistische Versorgung für Ältere mit Vernetzung aller Regionalen Einrichtungen und Dienstleister) des Universitätsklinikums Dresden mit zahlreichen Partnern –darunter Philips – die ganzheitliche Versorgung multimorbider, meist älterer Patienten, getestet.

Sie kommunizieren unter anderem per Tablet, wie Barbara Koch von Philips und Florian Meißner von vital.services berichten. Dabei geht es neben der medizinischen Versorgung auch um soziale Leistungen wie Essen auf Rädern. Grundlage sind eine elektronische individuelle Fallakte und ein „Case and Care Management“ auf der Basis elektronisch erhobener Fragebögen. Die Frage, wer welche Daten einsehen darf, beantwortet der Patient. Auch ein Geschäftsmodell soll entwickelt werden. Die elektronische Akte basiert auf internationalen ITF-Standards.

Am Universitätsklinikum Heidelberg wird die Elektronische Patientenakte auf der Basis von Patientenbefragungen zur Qualitätssicherung genutzt und mit den einzelnen Datensätzen von Kliniken, Praxen, Apotheken und dem Patienten zusammengeführt. Björn Schreiweis vom UK Heidelberg sprach auf der conhIT gar von einer „Kulturfrage“, die Patienten ins Qualitätsmanagement einzubeziehen. Dabei werden Antworten auf Fragen zur Lebensqualität der Patienten vor und nach der Therapie in die Akte aufgenommen.

Neue Vernetzungen zur Behandlung psychischer Erkrankungen sind in Oberbayern mit dem „Krisendienst 2.0“ im Isar-Amper-Klinikum geschaffen worden, wie Claudia Both von samedi berichtete. Ihre Firma liefert die einschlägige Software. Zentrales Element ist ein Krisentelefon, bei dem Menschen im Fall einer psychischen Erkrankung anrufen können. Im Idealfall sucht bereits das Krisentelefon anhand der Nummer des Anrufers nach Patientendaten in den angeschlossenen sozialpsychologischen Diensten.

Bis Ende 2018 sollen alle Landkreise im Bezirk Oberbayern damit vernetzt sein. Ziel ist eine wohnortnahe Betreuung, die in Zukunft bis zur direkten Terminvergabe, notfalls auch der direkten Eiweisung, gehen soll. Auch hier wurde auf eingeführte Standards gesetzt. Eine bundesweite Ausdehnung ist bisher aber noch Zukunftsmusik.

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