Die Schulen stehen vor der Aufgabe, ihre bewährten Methoden und Lernkonzepte mit digitalen Techniken und moderner Didaktik zu verknüpfen. Ein herausforderndes Spannungsfeld, das durch uneinheitliche Vorgehensweisen und dem Ruf nach Finanzierung geprägt ist.
Im Spannungsfeld von Tradition und Transformation.
Schule und Digitalisierung – das sind zwei Begriffe, die sich gegenseitig voranbringen, aber auch hemmen. Gut lässt sich das an den Themen Handynutzung und KI sehen: Hier suchen alle Beteiligten noch nach einem gesunden Maß, was im Sinne des föderalen Prinzips durchaus zu verschiedenen Strategien führen kann. Blickt man hingegen auf die Stichworte Netzausbau, Endgeräte, Medienbildung oder Lehrerfortbildung, regiert einhellig das Motto „Mehr ist mehr“.
Digitalpakt Schule
Ein großer Schritt in Richtung „Mehr ist mehr“ ist der „Digitalpakt Schule“. Die erste Verwaltungsvereinbarung hierzu lief von 2019 bis 2024 und umfasste zunächst fünf Milliarden Euro an Bundesmitteln für die digitale Infrastruktur und wurde ergänzt durch 500 Millionen Euro für Schüler-Leihgeräte während der Corona-Pandemie, weitere 500 Millionen Euro für Endgeräte für Lehrkräfte sowie 500 Millionen Euro für IT-Administration und Support.
Der Digitalpakt 2.0, um den lange gerungen wurde, ist nun ebenfalls in trockenen Tüchern und soll die Finanzierung der Schuldigitalisierung für die nächsten Jahre sichern. Für die Laufzeit bis 2030 sind insgesamt 5 Milliarden Euro vorgesehen, die je zur Hälfte vom Bund und von den Ländern/Kommunen getragen werden sollen.
Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, machte im Interview mit eGovernment und auch auf der Bildungsministerkonferenz Ende Juni 2025 klar: „Der DigitalPakt 2.0 ist gesichert, er kommt. Ich habe mich in der Bundesregierung dafür starkgemacht, dass der ausverhandelte Bundesanteil auch fließen kann.“ 2,5 Milliarden Euro in vier Jahren seien ein „leuchtendes Signal“ dafür, dass es jetzt losgehe. „Der Anspruch ist“, so Prien, „dass Digitalisierung an den Schulen mit dem Digitalpakt 2.0 wirksam voranschreitet. Schulen brauchen nicht nur Technik, sondern Unterstützung – bei Konzepten, Wartung und Qualifizierung von Fachkräften.“
Die Ministerin nahm aber auch die Länder in die Pflicht: „Der Bund liefert. Jetzt sind Sie am Zug. Nutzen auch Sie die Mittel aus dem Sondervermögen für die Länder – für moderne Infrastruktur, bessere Betreuung und nachhaltige Qualität in der Bildung. Das ist meine klare Erwartungshaltung. Denn nur gemeinsam wird die Modernisierungsoffensive in der Bildung gelingen.“
Die Einigung zur Anschlussfinanzierung des Digitalpakts bedeutet für die Schulträger Planungssicherheit. Simone Oldenburg, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und Ministerin für Bildung und Kindertagesförderung von Mecklenburg-Vorpommern, freut sich, „dass viele Punkte zwischen Bund und Ländern bereits geklärt sind“. Nun müssten Nägel mit Köpfen gemacht werden. „Die Länder erwarten vom Bund, dass er Verantwortung übernimmt und mit uns gemeinsam das nächste Kapitel der digitalen Bildung aufschlägt“, betont Oldenburg.
Gesucht: pädagogische Konzepte
Digitale Bildung meint nicht nur die passende IT-Infrastruktur, sondern auch Lehr- und Lernkonzepte. Es braucht, wie es Christine Streichert-Clivot formuliert, „nachhaltige Nutzungskonzepte – mit guten wissenschaftlichen Erkenntnissen, einer an den Bedürfnissen der Praxis orientierten Lehrkräftefortbildung und einer klaren Haltung, dass wir die Entwicklung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz menschlich gestalten werden.“ Die Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes und Koordinatorin der A-Länder sieht den Digitalpakt 2.0 dahingehend als große Chance für gleichwertige Bildungschancen.
Länderprojekte
Auch abseits des Digitalpakts haben sich die Schul- und Bildungsträger in den vergangenen Jahren in puncto Digitalisierung starkgemacht. Zum Schuljahr 2024/25 startete in Bayern beispielsweise das Projekt „Digitale Schule der Zukunft“, das es den Schulen ermöglicht, pro Jahr bis zu zwei Jahrgangsstufen mit mobilen Endgeräten auszustatten. In Niedersachsen bekommen Schüler ab dem Schuljahr 2026/27 ab der 7. Klasse kostenlose Leih-Tablets. Und in Rheinland-Pfalz wurden den Schulen im Zuge des Programms „Medienkompetenz macht Schule“ rund 12.000 Notebooks und 8.000 Tablets zur Verfügung gestellt.
In Sachsen-Anhalt werden im Projekt „Lernwelt Sachsen-Anhalt“ rund um die MINT-Fächer digital gestützte und ganzheitliche Lehr- und Lernformate ausprobiert. Im Teilprojekt „Online-Lernen“ werden beispielsweise synchrone und asynchrone Lernformate kombiniert und durch Lernsoftware unterstützt, die über Landeslizenzen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Ein anderes Teilprojekt namens „Lernen mit KI“ testet KI-gestützte Werkzeuge wie „emuKI“ und „FelloFish“ für Lehrkräfte. Ein spannendes Konzept ist auch die Auseinandersetzung mit Digitallaboren, die als mobile Lernräume landesweit verleihbar sind und spezialisierte Lernräume mit moderner Technologie für praxisorientiertes Lernen im MINT-Bereich und zur beruflichen Orientierung bieten. Ein inklusives Teilprojekt befasst sich mit Telepräsenzrobotern, die Schülern, die physisch nicht anwesend sein können, dennoch die Teilnahme am Unterricht ermöglicht.
Stand: 08.12.2025
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Auch Baden-Württemberg investiert Zeit und Geld in moderne Bildung. Beispiel: das „KI-Zentrum Schule“ in Heilbronn. Hier sollen Schulen auf die Möglichkeiten, Chancen und Risiken durch den Einsatz künstlicher Intelligenz vorbereitet werden. Das Zentrum bietet Fortbildungen für Lehrkräfte an und entwickelt konkrete Anwendungsbeispiele, Unterrichtskonzepte und Informationsmaterial. Das KI-Zentrum ist am „Innovation Park Artificial Intelligence“ angesiedelt, der Weg zu KI-Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ist also kurz.
Wettbewerb für Smart Schools
Sogenannte Smart Schools werden jedes Jahr vom Bitkom-Verband ausgezeichnet. Sämtliche Schulen erfüllen bereits bestimmte Mindeststandards bei Ausstattung und Infrastruktur. Zudem werden bewährte Lehrmethoden mit digitalen Formaten verknüpft. In diesem Jahr wurden acht Schulen prämiert, die diese Verknüpfung besonders gut umgesetzt haben. Darunter das „Albert Einstein Gymnasium Sankt Augustin“ in Nordrhein-Westfalen. Dort werden interaktive Whiteboards, Tablets und Laptops eingesetzt, das WLAN ist flächendeckend. „Durch projektbasiertes Lernen und den Einsatz moderner Tools bereiten wir unsere Schülerinnen und Schüler optimal auf die Anforderungen der digitalen Welt vor“, heißt es vonseiten der Schule.
Die Friedensschule Osnabrück wurde als eine von bundesweit acht Schulen zur „Smart School 2025“ gekürt: (v. l.) Schulleiter Christoph Wiebke; Maximilian Knolle, Lernbegleiter & Projektleiter demoKI; Fabian Zacharias, Mitglied der Geschäftsleitung des Bitkom, bei der Preisübergabe.
(Bild: bitkom e.V.)
Die Friedensschule Osnabrück ist ebenfalls unter den diesjährigen Preisträgern. Laut Bitkom ist deren technische Ausstattung „ausgezeichnet“, sämtliche Schüler sowie alle Lehrkräfte verfügen über digitale Endgeräte für den Unterricht. Zudem hat sich die Friedensschule mit ihrem Projekt „demoKI“ zur Verbindung von Demokratie- und KI-Bildung hervorgetan. Das Projekt fördert Peer-to-Peer-Lernen und sensibilisiert für Inhalte wie Demokratie, Rechtsstaat oder auch Desinformation.
Gesucht: klare Regeln für KI
Während es bei Infrastruktur & Co. kaum Diskussionsbedarf gibt, gehen die Meinungen beim Thema KI auseinander – oder sind noch gar nicht vorhanden. Laut Bitkom gibt es nur an 23 Prozent der weiterführenden Schulen klare Regeln für die Nutzung künstlicher Intelligenz. An weiteren 35 Prozent der Schulen legen die Lehrkräfte individuelle Regeln fest. Die Schüler hingegen setzen rege auf ChatGPT & Co.: 65 Prozent der Jugendlichen nutzen KI für schulische Zwecke. Und nahezu die Hälfte davon sagt, ihre Lehrkräfte würden es gar nicht merken, wenn sie unerlaubterweise KI einsetzten. Ein Armutszeugnis für die Schulen? Nein. Aber Ansporn, in Fortbildung und den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Anwendungen zu investieren.
Das Würzburger Friedrich-Koenig-Gymnasium geht diesen Schritt ganz bewusst. Als eine von 19 Modellschulen werden hier pädagogische Konzepte und Lernsettings rund um KI erprobt. „Mit Unterstützung von KI-Programmen können Schülerinnen und Schüler individuell gefördert, Lehrkräfte bei Routinetätigkeiten unterstützt und die Unterrichtsqualität insgesamt gesteigert werden“, sagte Kultusministerin Anna Stolz. „Die Möglichkeiten sind beinahe grenzenlos, nun liegt es an uns, diese zu erkennen und zu nutzen.“ Stolz betonte, dass bei allem Fortschritt aber eines immer Bestand haben müsse: „Schule ist ein sozialer Ort, an dem der Mensch im Mittelpunkt steht.“
Kommentar
Digitalisierung ist für Schulen eine Mehrfachaufgabe. Die IT-Infrastruktur und das Equipment in den Klassenzimmern müssen modernisiert, Endgeräte für Lehrerschaft und Schüler beschafft sowie die Lehrmethoden angepasst werden. Letzteres bedeutet auch: Lehrerinnen und Lehrer brauchen eine entsprechende Aus- und Weiterbildung – um sich selbst und auch ihre Schülerinnen und Schüler zu befähigen.
Bewährte Methoden müssen hinterfragt und mit digitalen Tools verknüpft werden. Klingt nicht kompliziert, ist es aber. Digitale Medien verändern die Art und Weise des Unterrichtens grundlegend, zumal sie sinnvoll eingesetzt werden sollten. Digitale Tools müssen kennengelernt, erprobt und stetig reflektiert werden. Das alles erfordert Kompetenz, Zeit, didaktisches Umdenken und eine stabile finanzielle Basis. Zumindest Letzteres dürfte durch die Fortschreibung des „Digitalpakt Schule“ etwas leichter fallen.
Nicht zu vergessen: Reflexion. Ohne pädagogisches Konzept sowie stetiges Reflektieren und Anpassen sollten digitale Tools – und übrigens sämtliche Lehrmethoden und -inhalte – nicht eingesetzt werden. Schule darf kein Experimentierfeld sein. Sie ist Lernort, aber auch wichtiger sozialer Raum, in dem Schülerinnen und Schüler einen wesentlichen Teil ihres Lebens verbringen. Deshalb muss auch bei der Digitalisierung eines im Mittelpunkt stehen: der Mensch.
Digitale Schule
Das Sonderheft zur Digitalisierung der Schullandschaft.
Der DigitalPakt Schule ist Geschichte – ab 2026 startet der DigitalPakt 2.0 mit einer Investitionssumme von insgesamt fünf Milliarden Euro, um die nächste Phase der Schuldigitalisierung einzuläuten. Während Bund und Länder die Weichen für nachhaltige IT-Infrastrukturen stellen, erobert bereits eine neue Technologie die Klassenzimmer: Künstliche Intelligenz verändert Lernprozesse und Unterrichtsmethoden grundlegend. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen bei Datenschutz, Chancengleichheit und der Qualifikation von Lehrkräften.
Das Sonderheft „Digitale Schule“ von eGovernment und IT-BUSINESS zeigt, wie Bildungseinrichtungen und Schulträger diese Transformation erfolgreich gestalten können. Von der strategischen Planung von KI-Systemen über die Beschaffung zukunftsfähiger Hardware bis hin zur Umsetzung rechtssicherer Lösungen – Bildungsentscheider erhalten konkrete Handlungsempfehlungen für die digitale Schule von morgen. Zudem beleuchtet das Heft, welche neuen Geschäftsfelder sich für Lösungsanbieter eröffnen und wie Dienstleister Schulen beim Sprung ins KI-Zeitalter unterstützen können.