Kolumne

Produktiv oder problematisch? KI im Praxistest der Verwaltung

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Schneller und besser?

Aber wie hilfreich ist KI denn nun wirklich? Im Rahmen strukturierter Aufgaben – wie der Entwicklung eines neuen digitalen Bürgerservices („Inside the Frontier“) – zeigten die Ergebnisse klare Vorteile: Die Probandinnen und Probanden mit KI-Unterstützung waren im Durchschnitt 15,5 Prozent schneller als diejenigen ohne KI. Zudem war die Qualität der Ergebnisse bei den KI-Nutzenden um 18 Prozent besser als in der Kon­trollgruppe. Demnach: Besser und schneller mit KI!

Im Ergebnis sorgt KI in allen Szenarien für eine schnellere Bearbeitung – und das allein durch ihre Nutzung als Werkzeug. Sogar ohne dass grundlegende Prozesse verändert wurden. Doch echte Qualitätsgewinne bringt KI aktuell nur bei klar strukturierten und regelbasierten Aufgaben.

Anders hingegen verhielt es sich bei komplexen Aufgaben – wie der Priorisierung von Verwaltungsbereichen für Digitalisierungsinitiativen („Outside the Frontier“). Hier arbeiteten die KI-Nutzenden zwar 34,3 Prozent schneller, jedoch war die Qualität der durch KI unterstützten Ergebnisse um 64 Prozent schlechter (!) als die der Kontrollgruppe, die ohne KI-Unterstützung arbeitete.

Im Ergebnis sorgt KI in allen Szenarien für eine schnellere Bearbeitung – und das allein durch ihre Nutzung als Werkzeug. Sogar ohne dass grundlegende Prozesse ­verändert wurden. Doch echte ­Qualitätsgewinne bringt KI aktuell nur bei klar strukturierten und regelbasierten Aufgaben.

Bei komplexeren, kontextabhängigen Aufgaben hingegen vermittelt sie den Nutzenden oft eine trügerische ­Sicherheit. Mit der Folge, dass Anforderungen übersehen werden und die Qualität der Arbeit leidet.

Prompting-Workshop reicht nicht

Und genau das ist der Grund, warum in all den KI-Strategieentwicklungsprojekten und KI-Entwicklungsprojekten, die wir derzeit in zahlreichen Kommunen in ganz Deutschland begleiten, das Thema KI-Kompetenzentwicklung eine immens wichtige und zentrale Rolle spielt und spiele muss. Denn ein Prompting-Workshop allein – so spannend und unterhaltsam er auch sein mag – ist noch lange kein Garant dafür, dass Mitarbeitende lernen, die Einsatzmöglichkeiten von KI realistisch einzuschätzen. Es geht darum, zu verstehen, wann KI ein verlässlicher Sparringspartner und Unterstützer sein kann – und wann eben nicht.

Die aktuellen Studienergebnisse zeigen also, wie entscheidend weiterhin Fachkenntnisse und menschliche Expertise bleiben, selbst in einer Zeit leistungsfähiger generativer KI. Denn nur mit fundiertem Fachwissen können wir zwischen richtig und falsch, zwischen hilfreichen Vorschlägen und trügerischen Vereinfachungen unterscheiden. KI kann unterstützen, beschleunigen und produktiver machen, aber sie ersetzt nicht die Fähigkeit, kritisch zu denken und Kontext zu verstehen.

KI ist kein Selbstläufer! Ihr erfolgreicher Einsatz in der Verwaltung hängt von den Menschen ab, die sie nutzen – und davon, ob diese die nötigen Kompetenzen und das Bewusstsein mitbringen, die Technologie richtig einzusetzen und einsetzen zu lassen. Eine kluge Verbindung von Technologie und menschlicher Kompetenz ist – mindestens mal heute (noch) – der Schlüssel, um das Potenzial von KI in der öffentlichen Verwaltung voll auszuschöpfen.

Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves
ist Informatikprofessor und Politikwissenschaftler, leitet die Arbeitsgruppe „Digitale Transformation öffentlicher Dienste“ an der Universität Bremen und berichtet in der wissenschaftlichen Kolumne über diverse aktuelle Forschungsergebnisse zur digitalen Verwaltung.

Linkedin:
linkedin.com/in/niehaves


Bildquelle: Björn Niehaves

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