Über Vorbilder, Macht und den Preis des Schweigens im politischen Deutschland
Hybris und Nemesis: Erschütterung von innen

Ein Gastbeitrag von Carola Heilemann-Jeschke 9 min Lesedauer

Wer in der heutigen Zeit politische Vorbilder sucht, die Haltung nicht nur postulieren, sondern vorleben, wird selten fündig. Stattdessen offenbart sich ein System, das Anpassung belohnt und Schweigen zur stillschweigenden Norm erhoben hat.

Die moderne Nemesis ist für Carola Heilemann-Jeschke weder Strafgericht noch unabwendbares Schicksal, sie „trifft Institutionen, die die Chance zur Selbstkorrektur nicht genutzt haben“.(Bild:  Gemini / Firefly / KI-generiert)
Die moderne Nemesis ist für Carola Heilemann-Jeschke weder Strafgericht noch unabwendbares Schicksal, sie „trifft Institutionen, die die Chance zur Selbstkorrektur nicht genutzt haben“.
(Bild: Gemini / Firefly / KI-generiert)

Wir haben keine Vorbilder mehr. Das ist kein nostalgisches Klagen. Es ist eine nüchterne Beobachtung. Wer heute in die Politik schaut und nach Figuren sucht, die Haltung verkörpern (Haltung nicht als Rhetorik, sondern als gelebte Praxis), der sucht lange.

Was er oder sie stattdessen findet, ist reichhaltig dokumentiert: Politiker, die ihre Ämter mit geschäftlichen Interessen verschränken, Eventformate mit exklusivem Zugang zu Spitzenpolitikern gegen Geld organisieren und erst unter öffentlichem Druck bereit sind, diese Verflechtungen zu lockern. Abgeordnete, die neben ihrem Mandat Millionen Euro an Nebeneinkünften anhäufen, legal, offengelegt und eben deshalb besonders bezeichnend: Es schämt sich niemand. Eine Fraktion, der vorgeworfen wird, Fördergelder nach parteipolitischem Interesse verteilt zu haben.