Rückblick und Pläne für 2025 Hessen als Blaupause

Das Gespräch führte Susanne Ehneß 5 min Lesedauer

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Prof. Dr. Kristina Sinemus ist in Hessen seit Januar 2019 für die Digitalisierung zuständig – seit Anfang 2024 mit eigenständigem Ministerium. Diese Entwicklung bezeichnet Sinemus im Interview als „absolut richtig“.

Gastgeber Hessen: Am 21. und 22. Oktober 2024 fand der Digitalgipfel der Bundesregierung in Frankfurt statt. Im Bild: Digitalministerin Sinemus mit Robert Habeck (l.) und Volker Wissing.(©  Raffael Metz/HMD)
Gastgeber Hessen: Am 21. und 22. Oktober 2024 fand der Digitalgipfel der Bundesregierung in Frankfurt statt. Im Bild: Digitalministerin Sinemus mit Robert Habeck (l.) und Volker Wissing.
(© Raffael Metz/HMD)

Seit gut einem Jahr sind Sie ­Digitalministerin in Hessen mit eigenständigem Ministerium. War die Entscheidung für ein eigenständiges Digitalministerium richtig?

Sinemus: Ja, die Entscheidung war absolut richtig. 2019 haben wir mit der Gründung des Digitalministeriums in Hessen ein richtiges und wichtiges Zeichen gesetzt und erfolgreich den Weg für die Zukunft eingeschlagen. Als eigenständiges Ministerium mit einer klaren Strategie und Budgetverantwortlichkeit bündeln wir zen­trale Digitalthemen in einem Ressort und koordinieren die Digitalisierung ressortübergreifend – das ist in dieser Form einzigartig in Deutschland.
Auf Bundesebene dagegen wird das Thema bis heute nicht konsequent organisiert. Ein eigenständiges Bundesdigitalministerium mit einer einheitlichen ressortübergreifenden Strategie ist daher dringend notwendig, um Digitalisierungsvorhaben auch bundesweit zu bündeln und strategisch umzusetzen. Nur so lässt sich die digitale Transformation des Landes gezielt vorantreiben. Hessen könnte dafür als Blaupause dienen.

Wie koordiniert Ihr Ministerium Digitalprojekte, die auch andere Ressorts betreffen?

Sinemus: Wir arbeiten mit zwei separaten Budgets, um eine maximale Wirkungskraft zu erzielen: einem eigenen Einzelplan zur Finanzierung der ministeriumseigenen Aufgaben und einem weiteren Einzelplan, in dem alle Mittel für Digitalisierungsprojekte der anderen Ressorts gebündelt sind. Diese Struktur ermöglicht es, sowohl ressortübergreifende Projekte ­strategisch zu steuern als auch die Digitalisierung im eigenen Zuständigkeitsbereich gezielt voranzutreiben. Dadurch werden horizontale und vertikale Synergieeffekte geschaffen, die den effizienten Einsatz der Mittel und den Erfolg der Digitalisierungsmaßnahmen sicherstellen.

Gab es in den vergangenen zwölf Monaten ein persönliches berufliches Highlight für Sie?

Sinemus: Es ist schwer, ein Jahr auf wenige Highlights zu reduzieren, aber meine Besuche in hessischen Kommunen, die mithilfe ­unseres Förderprogramms innovative Smart-Region-Projekte umsetzen, zählen definitiv dazu. Ein Beispiel ist das Projekt „Di@Mobil“­ in Fulda, das den Nahverkehr durch digitale Bürgerbeteiligung effizienter macht. Weitere Projekte widmen sich der Überflutungsprävention, der Stauvermeidung und der energieeffizienten Straßenbeleuchtung – alles Maßnahmen, die unseren Alltag spürbar verbessern. Ein besonderes Highlight war aber auch der Digital­gipfel der Bundesregierung, der 2024 mit über 1.800 Besucherinnen und Besuchern bei uns in Hessen stattfand.

Wie weit sind Hessens Kommunen bei der Digitalisierung der Verwaltung?

Sinemus: Der Ausbau digitaler Dienstleistungen ist eine der wichtigsten Aufgaben bei der Verwaltungsdigitalisierung. In den letzten Jahren haben unsere Kommunen dank gezielter Unterstützung und enger Zusammenarbeit große Fortschritte gemacht. So liegt Hessen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes mit 41 Prozent der digitalen Verwaltungsleistungen deutlich über dem Länderdurchschnitt und gehört mit Hamburg und Bayern zu den Spitzenreitern im bundesweiten Ranking. Projekte wie das gemeinsam mit Rheinland-Pfalz entwickelte Breitband-Portal, das mittlerweile ­bundesweit im Einsatz ist, verdeutlichen diese Entwicklung.

Wie sieht es mit der Nutzung künstlicher Intelligenz in den öffentlichen Verwaltungen in Hessen aus?

Sinemus: Die Nutzung von künstlicher Intelligenz spielt in Hessens Verwaltung eine zunehmend wichtige Rolle und soll deshalb als eigener Schwerpunkt etabliert werden. In der ressortübergreifenden KI-Zukunftsagenda wurde der ­strategische Einsatz von KI bereits hervorgehoben.
KI-Technologien bieten enormes Potenzial, Prozesse zu optimieren, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Fachkräftelücke zu verringern. Laut einer McKinsey-Studie könnten durch generative KI bis zu 55 Prozent der Verwaltungs­aufgaben automatisiert und die Fachkräftelücke im öffentlichen Dienst um ein Drittel gesenkt werden. So unterstützt beispielsweise schon jetzt im Bürgerbüro Offenbach oder im Landratsamt Hochtaunus eine KI „Emma“ bei wiederkehrenden Verwaltungsaufgaben und schafft so mehr Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten und Bürgerkontakt.
Um den Einstieg in KI-Anwendungen für unsere Landesbeschäftigten zu erleichtern, haben wir deshalb einen Leitfaden entwickelt, der einen sicheren und praktischen Zugang zu KI-Technologien ermöglichen soll. Für mich ist dabei klar: der Einsatz von KI sollte nie ein Selbstzweck sein, sondern stets sinnvoll und verantwortungsbewusst umgesetzt werden.

Auf der nächsten Seite: Unterstützung der Kommunen, das hessische eGovernment-Gesetz, Pläne für 2025.

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