Nordrhein-Westfalen

Herne auf dem Weg zur digitalen Verwaltung

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Aktuell stoßen Sie hier also auf Hindernisse?

Hermes: Ja, die Herausforderung liegt meiner Meinung nach darin, dass wir mit den Technologien, ­insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz und RPA, in einer Situation sind, in der wir sowohl unzählige Möglichkeiten haben als auch in gewisser Weise aufgrund verschiedener Faktoren eingeschränkt sind. Ich sage immer: „Alles und nichts tun können.“ Ein Beispiel dafür ist die Robotic Process Automation, die es uns ermöglicht, bestimmte Prozessschritte automatisiert durchzuführen und damit viel Potenzial zur Optimierung zu bieten.

Die Kunst ist zu erkennen, wo die Technologie tatsächlich einen Mehrwert bietet.

Jan-Philip Hermes

Dafür ist es wichtig, in engem Austausch mit den betroffenen Bereichen zu stehen. Aktuell führen wir Workshops mit unserer Wohngeldstelle zum Wohngeldantrag und Wohnberechtigungsschein sowie mit der Einbürgerungsstelle durch. Wir helfen dort, wo der Schuh drückt: Ziel ist es, durch den Einsatz von Technik dort zu unterstützen, wo es wirklich hilft. Diese Bedürfnisse müssen wir gemeinsam herausarbeiten.

Auf diesem Weg müssen wir die Menschen mitnehmen und ein Verständnis für die Möglichkeiten der Technologien schaffen.

Jan-Philip Hermes

Es ist auch wichtig zu vermitteln, dass diese Technologien nicht dazu führen werden, dass jemand arbeitslos wird. Ganz im Gegenteil: Sie ­können uns dabei helfen, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken und unsere Fähigkeit zur Leistungserbringung aufrechtzuerhalten. Letztlich geht es uns also darum, Mitstreiter zu gewinnen, weil wir die Menschen konkret bei ihrer Arbeitserledigung unterstützen wollen.

Jan-Philip Hermes, Abteilungsleiter für ­IT-Strategie und Digitales. (© Stadt Herne, Fachbereich 16 – Digitalisierung)
Jan-Philip Hermes, Abteilungsleiter für ­IT-Strategie und Digitales.
(© Stadt Herne, Fachbereich 16 – Digitalisierung)

Wie prüfen Sie den Mehrwert beim Einsatz neuer Technologien, und welche Rolle spielen dabei Marktlösungen?

Hermes: Tatsächlich orientieren wir uns bei der Gestaltung unserer Tätigkeiten oft an den verfügbaren Marktlösungen, da dies in der Regel auch die wirtschaft­lichste Lösung darstellt.
Grundsätzlich gibt es aber zwei unterschiedliche Herangehensweisen: Man kann den Prozess führend betrachten, weil dieser von besonderer Bedeutung ist und entsprechend eine individualisierte Softwarelösung wählen oder erstellen, die den eigenen Anforderungen entspricht. Wir hingegen prüfen vor allem im Hinblick auf EfA-Leistungen priorisiert, welche Lösungen bereits verfügbar sind und nehmen dafür prozessuale Anpassungen in Kauf. Für uns ist es im OZG-Kontext maßgeblich, welche Lösungen in NRW konkret zur Nachnutzung bereitgestellt werden und welche Leistungen wir über den ­Kommunalvertreter.NRW von ­d-nrw beziehen können.

Wie erleben Sie die Unterstützung der Landesregierung bei der Digitalisierung von öffentlichen Dienstleistungen?

Hermes: Die Ausrichtung des OZGs 2.0 mit seinen Fokusleistungen habe ich positiv wahrgenommen: Sie decken sich gut mit den Leistungen, die wir intern identifiziert haben und auf die auch wir unseren Fokus setzen wollten.
Das ist erfreulich, und daher ­gehen wir davon aus, dass diese Leistungen nun schrittweise und zeitnah für uns verfügbar gemacht werden. Das ist sehr in unserem Sinne. Denn sobald diese für uns zur Nachnutzung bereitgestellt werden, stehen wir in den Startlöchern, um sie auch schnell übernehmen zu können. Unsere Prioritätenliste ergibt sich aus verschiedenen Faktoren wie beispielsweise den Nutzerzahlen. Die Realität zeigt, dass wir nicht alle Lösungen selbst entwickeln können und sollten. Vielmehr ist es wichtig, dass Lösungen, die nach dem EfA-Prinzip entwickelt werden, in die Nachnutzung überführt werden. In Herne ist dieser Aspekt entscheidend dafür, welche Online-Angebote wir den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellen können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass wir derzeit intensiv an der Digitalisierung der Ausländerbehörde arbeiten. Ende letzten Jahres wurden Fördermittel speziell für die Digitalisierung dieses Bereichs bereitgestellt, was uns sehr zugutekam. Deshalb arbeiten wir auch am Einsatz von RPA im Kontext der Einbürgerung– eine Maßnahme, die direkt aus dieser Förderung resultiert. Für uns ein großer Vorteil, da es sich um einen besonders publikumsintensiven Bereich handelt. Wir erhoffen uns, das Leben der Bürgerinnen und Bürger deutlich zu erleichtern – sowohl in Bezug auf die Möglichkeit ihre Anliegen online erledigen zu können als auch durch die Optimierung der internen Prozessbearbeitung, die beispielsweise zu kürzeren Bearbeitungszeiten führen.

Mehr zu EfA-Leistungen, Online-Angeboten und den Wünschen an die Landes- sowie die Bundesregierung lesen Sie auf der nächsten Seite.

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