Ausblick Fünf Herausforderungen und Chancen für digitale Dienste 2024

Von Chiara Maurer 4 min Lesedauer

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Nach einem turbulenten Jahr 2023 kann die Zeit um den Jahreswechsel genutzt werden, um sich von den zahlreichen Aufs und Abs zu erholen – oder, um eine Strategie für 2024 zu erstellen. Der Softwareentwickler IDNow prognostiziert auch für das kommende Jahr zahlreiche Chancen, aber auch Herausforderungen, auf die Unternehmen und Behörden vorbereitet sein sollten.

Einer der größten Hoffnungsträger dürfte 2024 die neue eIDAS-Verordnung sein.(©  Kari_Caverdos – via Canva.com)
Einer der größten Hoffnungsträger dürfte 2024 die neue eIDAS-Verordnung sein.
(© Kari_Caverdos – via Canva.com)

Die weltweite IT-Sicherheitslage und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, insbesondere generativer KI wie ChatGPT, beherrschen in vielen Branchen weiterhin die Schlagzeilen. Für deutsche Unternehmen und Behörden stehen im Jahr 2024 entscheidende Herausforderungen und Chancen bevor. Eine große Rolle wird dabei auch die neue Richtlinie der Cybersicherheitsbehörden zur Entwicklung sicherer KI-Systeme spielen.

Wirtschaft vs. Sicherheit: Die Herausforderung mit generativer KI

Die Entwicklungen im Bereich der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) und Large Language Models (LLMs) haben im Jahr 2023 mit dem Auftritt von ChatGPT einen bedeutenden Meilenstein erreicht. Diese Technologie verspricht nicht nur eine kostengünstige Anwendung, sondern birgt auch Herausforderungen für die Cybersicherheit. Laut der IDNow-Prognosen für das kommende Jahr, werden Unternehmen und Behörden vor der Herausforderung stehen, KI-gestützte Fortschritte zu kontrollieren und gleichzeitig deren wirtschaftlichen Mehrwert zu nutzen. So sinken etwa die Hürden sogenannter Social-Engineering-Angriffe. Tiefes technisches Know-how ist dafür nicht mehr nötig. Ebenso birgt die Fälschung von Bildern physischer Dokumente durch KI-gestützte Fortschritte neue Risiken für die Sicherheit von Unternehmen und Organisationen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, steht diesen Einrichtungen im Jahr 2024 die verstärkte Nutzung von KI als Abwehrmechanismus bevor. Der Fokus liegt dabei auf dem Zusammenspiel aus Mensch und KI, um böswilligen Akteuren einen Schritt voraus zu sein. Unternehmen werden ermutigt, in KI-gestützte Lösungen zu investieren, die nicht nur die Sicherheit stärken, sondern auch die Vorteile dieser Technologien für ihre Geschäftsprozesse nutzen.

Zitterpartie IT-Sicherheit

Die IT-Sicherheitslage in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr weiter verschärft, wie der aktuelle BSI-Lagebericht aufzeigt. Insbesondere die Finanz- und Fintech-Branche sieht sich mit erhöhten Risiken von Onlinebetrug konfrontiert. Die Suche nach Lösungen führt vermehrt zu mehrschichtigen Tools und Technologien. Unternehmen in der Finanzbranche etwa erkennen die Notwendigkeit, ihre Abwehrmechanismen zu verstärken und setzen dabei auf eine Kombination unterschiedlicher Sicherheitsansätze.

Ein zentraler Bestandteil dieser Abwehrstrategie sind sogenannte „Risikosignale“ bei Identitätsprüfungen. Diese Signale integrieren verhaltensbiometrische Daten wie Tippmuster oder Mausbewegungen, um frühzeitig Anomalien zu erkennen und potenziellen Betrug zu verhindern. Zusätzlich fließen historische Transaktionen mit Nutzern in Form von Gerätesignalen in die Betrugsbekämpfung ein.

NFC im Fokus

Die steigenden Herausforderungen in der IT-Sicherheit haben einen klaren Fokus auf innovative Lösungen gerichtet. Insbesondere für die sogenannte „Near Field Communication (NFC)“-Technologie prognostiziert IDNow einen Zuwachs. Der hochsichere NFC-Chip im Personalausweis wird dabei zum Schlüssel für eine fälschungssichere Identifikation. Die NFC-Technologie ist ein besonders effektives Mittel zur Betrugsprävention. Der integrierte Chip im Personalausweis macht diesen nahezu fälschungssicher. Gespeichert sind darauf die Personendaten sowie ein biometrisches Lichtbild. Selbst bei äußerlichen Verfälschungen des Ausweisdokuments können die originalen Daten durch die NFC-Technologie validiert werden.

Auch für die eID steht 2024, so IDNow, ein Nutzeranstieg bevor. Grund dafür sind verschiedene politische Entscheidungen, darunter das Onlinezugangsgesetz (OZG) und die Einführung der BundID in zusätzlichen Bundesländern. Das Bundesinnenministerium (BMI) verzeichnete bereits positive Entwicklungen auf Bundesebene im aktuellen Jahr. Die höhere Verbreitungsrate von NFC-fähigen Smartphones sowie die Möglichkeit, NFC mit Vor-Ort-Identifizierungen, beispielsweise an Tankstellen, zu kombinieren, tragen zusätzlich zu dieser positiven Entwicklung bei.

Step-up-Verifikation für sichere Nutzerkonten

Die gesamte Erfahrung von Kunden, die Customer Journey, gewinnt an Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf sichere Konten. Der Schutz vor unerlaubten Kontoübernahmen erfordert eine sichere und schnelle Benutzerkontenwiederherstellung. Veränderungen der Telefonnummer oder der E-Mail-Adresse kurz nach einer Kontoeröffnung können Indizien für Account-Takeover oder Money Mules sein. Letztere sind Personen, die ihre Zugangsdaten freiwillig Kriminellen zur Verfügung stellen, um leichtes Geld zu verdienen. Die Identifizierung und Abwehr solcher Bedrohungen stellt einen zentralen Baustein in der Sicherheitsstrategie von Organisationen dar.

Innovative Ansätze wie die Step-up-Verifikation werden, laut IDNow, deshalb immer wichtiger, um den steigenden Herausforderungen gerecht zu werden. Bei verdächtigen Vorfällen, wie ungewöhnlich hohen Transaktionen oder Änderungen der Kontaktdaten, muss der Nutzer seine Identität nochmals bestätigen. Dieser zusätzliche Schritt gewährleistet das notwendige Level an Sicherheit und ermöglicht eine effektive Prävention von Betrugsversuchen.

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Hoffnungsträger eIDAS 2.0

Das kommende Jahr wird nicht nur durch technologische Entwicklungen geprägt sein, sondern auch gesetzliche Veränderungen mit sich bringen. Im Mittelpunkt steht das Schlagwort „eIDAS 2.0“, das auf EU-Ebene ein umfassendes Ökosystem für digitale Identität etablieren möchte. Die erneuerte Verordnung, ihre Durchführungsbestimmungen und zugehörigen Normen stehen im Trilog zwischen der EU-Kommission, dem EU-Rat und dem EU-Parlament zur Vereinbarung. Dabei nimmt Deutschland aktiv am Prozess teil. Der BMI-Konsultationsprozess für die Entwicklung einer eIDAS 2.0-konformen Infrastruktur wurde im Sommer 2023 gestartet.

Die noch sehr verhaltene Nutzung von Identity Wallets in Deutschland spiegelt sich jedoch im Digital Identity Index 2023 wider. Nur ein Prozent der Bevölkerung nutzt derzeit diese digitale Identitätsform. Trotz dieser geringen Akzeptanz strebt die EU bis 2030 an, dass 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine digitale Identität in Form eines Wallets nutzen.

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