ZenDiS Ein Start-up im Staat

Das Gespräch führte Susanne Ehneß 5 min Lesedauer

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Vor sechs Wochen fiel der Startschuss für das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS). Interim-Geschäftsführer Andreas Reckert-Lodde erläutert im Interview die Ziele und Herausforderungen der GmbH unter staatlicher Trägerschaft.

Andreas Reckert-Lodde, Interim-Geschäftsführer des ZenDiS(©  ZenDiS)
Andreas Reckert-Lodde, Interim-Geschäftsführer des ZenDiS
(© ZenDiS)

Das Zentrum für Digitale Souveränität hat offiziell seine Arbeit aufgenommen. Welche Aufgabe soll ZenDiS konkret erfüllen?

Reckert-Lodde: Am 14. Dezember 2022 wurde das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung, auch als ZenDiS abgekürzt, offiziell gegründet. Der Aufbau des ZenDiS legt den Grundstein zur Stärkung der Digitalen Souveränität der Öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Es gilt, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Ereignisse, die Kontrolle über die ­eigene IT und die digitale Handlungsfähigkeit zu erhalten. Wechselfähigkeit, Gestaltungsfähigkeit und Einflussnahme im Bereich digitaler Technologie müssen für die Öffentliche Verwaltung nachhaltig gefördert werden. Zur Initiierung, Begleitung und Koordinierung von geeigneten Maßnahmen bedarf es einer zentral koordinierenden ­Stelle. Diese Stelle wurde mit dem ZenDiS nun aufgebaut.
Die Idee zum Aufbau des ZenDiS wurde von Bund, Ländern und Kommunen und mit der Unterstützung und Expertise verschiedenster Stakeholder:innen (u. a. aus dem Open-Source-Ökosystem) entwickelt und vorangetrieben. Die Gründung des ZenDiS folgt einem Beschluss des IT-Planungsrates (Beschluss Nr. 2021/09) und wurde von der Bundesregierung auch in ihrer Digitalstrategie im Handlungsfeld Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung verankert.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Verbänden, zum Beispiel mit der OSB Alliance?

Reckert-Lodde: Als zentrales Kompetenzzentrum ist das ZenDiS „Matchmaker“ zwischen öffentlicher Hand und (inter-) nationaler Open-Source-Community. Ein Wandel zum Einsatz von mehr Open-Source-Software in der Öffentlichen Verwaltung gelingt uns aber nur dann, wenn wir es gemeinsam schaffen, alte Denkmuster zu hinterfragen sowie Silos innerhalb und zwischen den Verwaltungsebenen aufzubrechen.
Über verschiedene Initiativen wie die Open Source Business Alliance oder N3GZ tritt das ZenDiS in den aktiven Austausch. Durch Community Engagement werden Brücken gebaut und der Dialog gefördert, sodass Anforderungen und Bedürfnisse aus der Praxis direkt in die Entwicklung von OSS-Lösungen einfließen können. Dies schließt auch die (inter-) nationale Kooperation durch Partnerschaften und Projekte mit ein. Durch den Austausch können Best Practices geteilt und gemeinsame Herausforderungen angegangen werden.

Das ZenDiS ist im O-Werk in Bochum beheimatet.(©  ZenDiS)
Das ZenDiS ist im O-Werk in Bochum beheimatet.
(© ZenDiS)

ZenDiS wird den Open-Source-Arbeitsplatz „openDesk“ weiterentwickeln. Wie ist hier der Status quo?

Reckert-Lodde: Aktuell liegt die Verantwortung für den souveränen Arbeitsplatz openDesk und dessen Entwicklung noch im BMI. Eine Übergabe der Trägerschaft für openDesk vom BMI an das ZenDiS ist in 2024 geplant, sodass das ZenDiS ab dann die Weiterentwicklung und Bereitstellung von openDesk verantwortet. Hierbei liegt der Fokus 2024 also insbesondere auf der Realisierung von Verbesserungspotenzialen am Produkt openDesk sowie der fortlaufenden Pilotierung durch weitere Organisationen der Öffentlichen Verwaltung. So sollen zum einen Qualität, Sicherheit und User Experience weiterentwickelt und zentrale Anforderungen der Öffentlichen Verwaltung integriert werden, zum anderen soll durch Piloten zur produktiven Nutzung von openDesk dessen Verbreitung und Akzeptanz gefördert werden. Zentraler Erfolgsfaktor ist aus Sicht des ZenDiS dabei auch die partizipative Einbindung von Stakeholdern, um die Zusammenarbeit am Produkt openDesk zu intensivieren.

Für die OpenCoDE-Plattform übernimmt ZenDiS die Trägerschaft. Was sind hier die nächsten Schritte?

Reckert-Lodde: Zum Jahresbeginn übernimmt das ZenDiS die Trägerschaft der Open-Source-Plattform Open CoDE vom BMI. Hier gilt es, zunächst den naht­losen Fortbetrieb der Plattform ­sicherzustellen und das stetige Wachstum an Applikationen und Nutzenden auf der Plattform einzubetten. Die dadurch gestiegenen Anforderungen hinsichtlich IT-­Sicherheit und Qualität werden zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung in 2024 sein. Zudem plant das ZenDiS ein stärkeres Community Management, das notwendig ist für die stärkere und nachhaltige Nutzung der Plattform. Die geplante Vernetzung richtet sich dabei nicht nur an Organisationen der öffentlichen Hand, sondern ebenso an die Open-Source-Community.

Auf der nächsten Seite: Sind die Bundesländer an Bord? Und: Mitarbeitergewinnung als GmbH im Vergleich zur einer Behörde.

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